40 Jahre Tradition: Vom Saukopf aus Kaltenbrunn

Kaltenbrunn. Jeden Winter gibt es im Wald bei Kaltenbrunn „Saukopf“. Seit 40 Jahren. Was auf den ersten Blick irgendwie seltsam erscheint, ist eine echt urige Tradition, die die Generationen verbindet. 

Von Yvonne Sengenberger

Einige Nachbarorte machen es den Kaltenbrunnern sogar schon nach. „Da is aber nicht so urig wie hier“, erzählt ein Gast, „da kriegst den Saukopf auf’m Teller mit Besteck.“ Teller sucht man im Wald bei Kaltenbrunn vergebens. Wer was vom Saukopf abhaben möchte, der isst gemeinsam mit ein paar anderen von einem Brett. Messer bringt man am Besten selbst mit.

Eine regionale Spezialität

Josef „Sam“ Pritzl richtet den „Saukopf“ seit fast 17 Jahren aus. „Ich bin da so hineingestolpert“, erzählt er. Früher hat Herbert Seidel jeden Samstag zwischen Heilig Drei König und Ostern zum Saukopf-Essen geladen. Schon damals war das sehr beliebt. Dann irgendwann konnte er es nicht mehr machen. Ein paar Jahre war Pause – bis jemand auf die Idee kam, Josef Pritzl zu fragen. Das war 1999. Und seitdem pilgert fast ganz Kaltenbrunn immer samstags in den Wald hinter dem Sportheim.

Jedes Wochenende kocht Josef Pritzl fünf Schweineköpfe. Mindestens eine Stunde bleiben die im Sud. Das Rezept dafür ist geheim. Wo die Köpfe herkommen nicht: „Na, von der Sau!“, lacht er. Geschlachtet werden die Schweine beim Gugl, geputzt und vorbereitet dann in der Metzgerei Kraus in Kaltenbrunn. Eine durch und durch regionale Spezialität also.

Lagerfeuer-Romantik deluxe

Saukopf Kaltenbrunn
Nach mehreren Stunden im Topf kommt der Saukopf aufs Brett…
Saukopf Kaltenbrunn
Einmal zerteilt sieht es auch nicht mehr ganz so gruselig aus.

Dabei geht es aber nicht nur darum ein Stück Fleisch zu essen. Es geht viel mehr um’s Gesellige. Viele hier haben noch nie auch nur einen Bissen vom Saukopf probiert. Denn sind wir mal ehrlich, wirklich appetitlich sieht so ein gekochter Schweinekopf nicht aus. Das kostet schon ein bisschen Überwindung, den zu probieren.

Am besten ist die Schnudern,

hört man hier immer wieder. Wer sich traut, der isst immer wieder was, denn: Es schmeckt tatsächlich lecker! Für alle die das nicht mögen gibt’s Leberwurstbrot. Vegetarier müssen sich selbst einen Snack mitbringen. Für die gibt’s aber immerhin Lagerfeuer-Romantik, generationsübergreifende Diskussionen, unterschiedlichste Schnäpse und ab und zu auch ein Ständchen.

Der „Saukopf“ wird auch wirklich jeden Samstag abgehalten. Egal, ob es schneit oder regnet und selbst bei Minus zehn Grad ist was los. „Alte und warme Klamotten sind hier Pflicht“, weiß eine Besucherin. Was Schönes zieht man nicht an, weil man nach einem Besuch beim Saukopf riecht wie ein Geräuchertes – dank des Lagerfeuers. Und der Weg in den Wald ist auch nicht immer matschfrei.

Aber das ist ja auch gerade das Schöne. Man trifft sich, ratscht, lacht und wärmt sich am Feuer. Oft sitzen Jung und Alt bis spät in die Nacht beieinander. Es ist egal, ob man Rentner ist, Arzt, Student, Lehrling, Bäckermeister, KFZ-Mechaniker, Elektriker oder Anwalt. Man sitzt oder steht beieinander, stößt miteinander an, diskutiert und lacht gemeinsam. Kurz:

Was für die Windischeschenbacher der Zoigl ist, ist für die Kaltenbrunner der Saukopf.

Saukopf Kaltenbrunn
Wer etwas abhaben will, kommt mit seinem Messer an den Tisch und schneidet sich so viel ab, wie er will. All-You-Can-Eat sozusagen. Bezahlt wird, wenn man geht.
Saukopf Kaltenbrunn
Auch in der Nacht – der Saukopf ist längst aufgegessen – stehen und sitzen die Kaltenbrunner noch um’s Feuer.
Saukopf Kaltenbrunn
Damit man das Bier auch bei Minusgraden noch trinken kann, gibt’s rings um’s Lagerfeuer kleine mit Wasser gefüllte Töpfchen um den Hopfensaft ein wenig aufzuwärmen.

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