Per „Emoji“ mit Flüchtlingskindern kommunizieren

Neustadt/WN. Wenn Flüchtlingskinder in Deutschland ankommen, haben sie meist schon eine lange Geschichte hinter sich, die nicht spurlos an ihnen vorüber geht. Johannes Stahl vom allgemeinen Sozialdienst (ASD) des Kreisjugendamtes informierte kürzlich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Neustadt über sogenannte „unbegleitete minderjährige Ausländer“ (UmA). Dieser Vortrag war von Initiatorin Franziska Seitz als Einführungsveranstaltung für ein interessantes Projekt im Kunstunterricht gedacht.

Bei dem Projekt wird versucht, aus Bildern eine „Kommunikationsmatrix“ als internationale Verständigungsmöglichkeit zu entwickeln. Es soll ausschließlich über Piktogramme, Zeichen, Symbole und „Emojis“ funktionieren. In diesem Projekt der Studienreferendarin Seitz sind sowohl Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen des Gymnasiums, als auch „UmA“ eingebunden, die derzeit vom Jugendamt in der Jugendhilfeeinrichtung „Eiche Noah“ der Firma KETO ganz in der Nähe des Gymnasiums in Neustadt/WN untergebracht sind. Es wird vom BDK Bayern, dem Fachverband der Kunstpädagogen, gefördert.

In der Präsentation informierte Stahl die Jugendlichen – es waren zwei Klassen anwesend, also etwa 50 Schülerinnen und Schüler – zunächst über die rechtlichen Grundlagen nach der UN-Kinderrechtskonvention und den Sozialgesetzen. Anschließend schilderte der Diplom-Sozialpädagoge das praktisches Vorgehen des Allgemeinen Sozialdienstes bei der sogenannten „Inobhutnahme“: Wie die Unterbringung und Versorgung gewährleistet und durchgeführt wird und wie das Jugendamt versucht, die Jugendlichen in der Gesellschaft zu integrieren.

Momentan sind im Landkreis Neustadt/WN 107 unbegleitete minderjährige Asylbewerber entweder in Pflegefamilien, Jugendhilfeeinrichtungen oder Wohngruppen untergebracht. Für sie besteht je nach Alter entweder Regel- oder Berufsschulpflicht. Die meisten davon kommen aus Afghanistan, Eritrea und Syrien. Das Jugendamt ist weiterhin auf der Suche nach Pflegefamilien. Ein weiteres Thema waren die Unterstützungs- und Hilfsangebote, die im Landkreis strukturiert und gezielt zum Tragen kommen.

Persönliche Schicksale

Stahl war es besonders wichtig den Gymnasiasten zu vermitteln, dass die Asylbewerber und vor allem diese Minderjährigen keine anonyme Masse sind, sondern jeder einzelne ein persönliches Schicksal trägt und eine individuelle Geschichte hat. Um das zu verdeutlichen, erzählte Stahl von seiner täglichen Arbeit. Er visualisierte einige Zitate aus den Gesprächen mit den „UmA“. So habe der 13-jährige Khalil aus Syrien auf die Frage, warum er alleine aus seinem Heimatland geflogen sei, geantwortet:

Weil ich der einzige Überlebende meiner Familie bin!“

Wünsche der Jugendlichen seien, in Frieden zu leben, in die Schule gehen zu dürfen, Deutsch zu lernen sowie eine berufliche Perspektive zu haben. Die beiden Klassen waren extrem aufmerksam und haben sich mit vielen Fragen beteiligt. Damit war die Informationsveranstaltung der perfekte Start und eine gute Grundlage für das Projekt.

JA_Stahl, Johannes Stahl, Gymnasium Neustadt
Nach dem Vortrag von Johannes Stahl vom Kreisjugendamt starten die Jugendlichen jetzt voll motiviert in das Projekt „Kommunikationsmatrix“.

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