Jürgen Füssl und die Biber: Altenstädter auf Biberjagd

Altenstadt/WN. Wie schmeckt wohl so ein Biber? Wer sich diese Frage schon einmal gestellt hat, der ist bei Jürgen Füssl, Wirt von d’Wirtschaft in Altenstadt/WN, bei der richtigen Adresse. Auf der Speisekarte wird man den Biber dort zwar nicht finden, wenn ihn aber jemand zubereiten kann, dann Füssl. Seit zwei Jahren geht er sogar selbst auf Biberjagd. 

Von Kristine Mann

Der Wirt Jürgen Füssl entdeckte vor zwei Jahren die Jagd für sich: Mit einer Sondergenehmigung hat der Altenstädter schon zwölf Biber erlegt. Bei ihm wird das Tier komplett verwertet: Das Fleisch in der Küche, das Fell als Mütze oder schon bald als Biberjacke.
Der Wirt Jürgen Füssl entdeckte vor zwei Jahren die Jagd für sich: Mit einer Sondergenehmigung hat der Altenstädter schon zwölf Biber erlegt. Bei ihm wird das Tier komplett verwertet: Das Fleisch in der Küche, das Fell als Mütze oder schon bald als Biberjacke.

Laut Bund Naturschutz leistet keine zweite Tierart soviel für Artenvielfalt und den Hochwasserschutz. Er wird als „Baumeister der Natur“ betitelt und steht unter Naturschutz. Einst wäre der Nager fast ausgerotten worden, inzwischen hat sich der Biber aber explosionsartig vermehrt. „Sie haben schließlich keine natürlichen Fressfeinde“, so Jürgen Füssl. Rund 20.000 Tiere sollen allein in Bayern leben. Leider komme es deshalb auch immer wieder zu Konflikten zwischen Mensch und Tier: Vor allem für Landwirte wird der Biber zur Plage. Teils richten sie enorme Schäden an. In solchen Fällen, dürfen die Tiere mit einer Sondergenehmigung von der Naturschutzbehörde gejagt werden. „Im Landkreis gibt es vier Biberbeauftragte“, erzählt Füssl. Die prüfen ge­naus­tens, ob eine Genehmigung erteilt wird oder nicht. (In unserem Bereich prüft die Sache der Biberbeauftragte Hermann Biber – wenn da mal nicht jemand die richtige Berufswahl getroffen hat.) Jeder erlegte Biber müsse beim Landratsamt gemeldet werden, so werde auch die Jagd kontrolliert.

Bibergulasch und -fleischpflanzerl

Seit zwei Jahren ist Jürgen Füssl Jäger. Auf den Biber sei er durch einen Jägerkollegen aufmerksam geworden, der den Wirt bat einen für ihn zu kochen. So sei Füssl auf den Geschmack gekommen: „Wenn wir das Tier schon erlegen, dann sollte man es auch essen dürfen“. So bekommt die Jagd einen Sinn. Kommerziell vermarktet werden darf das Biberfleisch aber nicht: Nach dem Artenschutz ist der Verkauf nicht erlaubt, weshalb „Biber-Gerichte“ auch nie in der Speisekarte in der Gaststätte auftauchen werden. Im privaten Bereich darf das Fleisch aber serviert werden: Im Kreise von Freunden und Bekannten kocht Füssl schon einmal auf als Gulasch oder als Fleischpflanzerl mit Rot- und Grünkohl, Pastinakenpüree und gebratenen Semmelbröseln. Geschmacklich ähnelt es laut dem Jäger Reh oder anderem Wild.

Die Sondergenehmigung für die Jagd auf Biber werde je nach Antrag auf bestimmten Grundstücken erteilt. Füssl hat zum Beispiel die Erlaubnis im Sauerbachtal und einem Stück im Bereich der Schweinenaab seine Fallen aufzustellen. Diese Genehmigung gilt aber nur von Mitte September bis Mitte März. Danach bekommen die Biber ihre Jungen (3 bis 4 pro Wurf) und stehen unter Schutz. „Wir wollen den Biber ja nicht ausrotten, sondern nur regulieren“, erklärt Füssl. Schon zwölf Nager hat Füssl in den vergangen zwei Jahren erlegt. Und neben dem Fleisch verwertet Füssl auch noch das Fell: Einige Felle hat er sich gerben lassen, aus einem sogar eine Bibermütze fertigen lassen. Den Traum von einer Biberjacke will sich der Wirt auch noch bald erfüllen.

Von der Vorliebe des Altenstädter Wirts für Biberjagd und -fleisch berichteten sogar schon die Welt und die Bild-Zeitung. Die Reaktionen auf die Artikel waren zum größten Teil positiv, wie Füssl erzählt. Auch während des Interviews klingelt das Handy. Es ist eine Nachricht von einem Bekannten, die ihn zum Schmunzeln bringt: „Auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Biber schmecken“.

Übrigens: Ein Biber auf Abwegen sorgte im letzten Jahr auch auf OberpfalzECHO für Schlagzeilen

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