Natur erleben oder Tierquälerei?

Reuth bei Erbendorf. Vor gut zwei Wochen hatten sie noch gut lachen, die Jugendwarte des Angelsportvereins (ASV) Reuth. Sie freuten sich über ein gelungenes Schnupperangeln, zu dem sie Kinder als Teil des Ferienprogramms an den Beckenweiher geladen hatten. 24 Mädchen und Buben machten mit und sie waren sehr erfolgreich: Die Besten hatten zwischen 43 und 51 Zentimeter große Karpfen aus dem Wasser geholt.

Von Udo Fürst

Schnupperangeln, Anzeige PETA
Ob es heuer ein Kinderfischen im Landkreis Tirschenreuth gibt, ist ungewiss. Nach der Anzeige der Tierschutzorganisation Peta gegen den Angelsportverein Reuth wegen einer ähnlichen Veranstaltung will die ARGE Fisch erst darüber beraten. Fotos: Udo Fürst/ARGE Fisch

Vor einigen Tagen dürfte den Verantwortlichen das Lachen vergangen sein. Die für ihre oft recht außergewöhnlichen Aktionen bekannte und häufig dafür kritisierte Tierschutzorganisation „PETA“ hat alle erwachsenen Teilnehmer des Angelsportvereins wegen eines „strafbaren Wettfischens“ angezeigt. Sie sieht darin einen Verstoß gegen Paragraf 17 Nr. 1 des Tierschutzgesetzes, da die Tötung der Tiere ohne einen gerechtfertigten Grund im Sinne des Gesetzes erfolgt sei. „Im Rahmen der Schnupperangelveranstaltung des Angelsportvereins Reuth b. Erbendorf e. V. wurden Ende August zahlreiche Fische getötet“, begründet PETA-Pressesprecherin Jana Fuhrmann den Schritt ihrer Organisation.

Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei eine Beschäftigung für Kinder,

sagt Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Kinder haben das Recht, zu erfahren, dass Fische individuelle Persönlichkeiten sind, die nicht nur körperliche Schmerzen empfinden, sondern auch Emotionen.“ PETA veranschaulicht das Leid der Tiere in der „Sportfischerei“ mit folgendem Beispiel: „Stellen Sie sich vor, man bohrt einen Metallhaken durch Ihren Mund und drückt Sie unter Wasser, wo Sie nicht mehr atmen können.“ Dabei zeigen Fische eindeutige Reaktionen auf Stress und Schmerz.“

PETA zeigt alle Vereine an, die „Schnupperangeln“ anbieten

Alexander Wächter, der Vorsitzende des ASV Reuth, kann darüber nur den Kopf schütteln. „Eigentlich möchte ich darüber gar nichts sagen. Ich habe besseres zu tun als mich mit diesem Quatsch auseinanderzusetzen“, antwortet er auf eine entsprechende Frage von OberpfalzECHO. Doch dann sprudelt es doch aus dem leidenschaftlichen Angler heraus:

Wir haben noch nie einen Fisch sinnlos gemordet. Wenn er groß genug ist, wird er geangelt und verwertet. Was Peta macht, ist Rufmord.

PETA und deren Vorgehensweise die Fische betreffend seien nicht ernst zu nehmen. „Die haben einen Rundbrief verfasst und alle Vereine von Höchstädt an der Aisch bis Würzburg angezeigt, die ein Schnupperangeln veranstaltet haben“, weiß Wächter. Die Veranstaltung am Beckenweiher sei ausschließlich von ausgebildeten Jugendwarten beaufsichtigt worden. „Hier wird Kindern die Natur beigebracht. Das ist doch besser, als sie vor dem Computer versauern zu lassen.“ Der Anzeige sehe er gelassen entgegen. Er könne sich nicht vorstellen, dass dabei was raus komme.

ARGE Fisch beschäftigt sich mit dem Thema

Ob etwas „rauskommt“, darüber wird nun die Staatsanwaltschaft in Weiden befinden. Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer bestätigt den Eingang der Strafanzeige, will allerdings nichts über den weiteren Verlauf und die Erfolgsaussichten möglicher Ermittlungen sagen.

Unterdessen beschäftigt sich auch die ARGE Fisch im Landkreis Tirschenreuth mit dem Thema. Deren Vorsitzender Hans Klupp kritisiert das Vorgehen der Tierschutzorganisation: „Die Aktionen von Peta sind leicht zu durchschauen. Die sind doch nur auf Medienwirksamkeit ihrer Aktionen aus.“ Dennoch werde man sich intern darüber unterhalten, wie man mit ähnlichen Aktionen umgeht. So lädt die ARGE alle Jahre zum Kinderfischen ein, das als Teil der Fischwochen immer sehr beliebt war.

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