Überlebt – dank richtiger Reaktion

Neustadt/WN. Es gehört viel Mut dazu, an den Ort zurückzukehren, an dem Schreckliches passiert ist. Diesen Mut beweist Rainer Konz, wenn er am ersten Neustädter Herztag an den Ort zurückkehrt, an dem ihm Schlimmes wiederfuhr. Im Sommer 2015 kollabierte der damals 47-jährige Feuerwehrkommandant bei einem Ehrungsabend in der Stadthalle.

Konz erlitt einen schweren Herzinfarkt. „Meine Feuerwehrkameraden haben mich sofort reanimiert. Dadurch bin ich noch am Leben“, betont Konz. Heute arbeitet er wieder in seinem Beruf als Wasserwart. „Die Rettungskette hatte sehr gut funktioniert“, bestätigt Notärztin Dr. Gudrun Graf, die als Präsidentin des Lions-Clubs Neustadt/WN-Lobkowitz den ersten Herztag in der Kreisstadt initiiert hat. Am Sonntag, 23. Oktober, stehen von 9.30 Uhr bis zum späten Nachmittag Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion mit Patienten auf der Tagesordnung.

Herzinfarkt- jede Sekunde zählt

Prof. Dr. Robert Schwinger spricht über die „Optimale Versorgung im regionalen Herzinfarktnetz“, Dr. Franz Beckmann über das Zusammenwirken von Herz und Niere. „Herzinfarkt! Jede Sekunde zählt“ ist das Thema von Notarzt Rüdiger Hettler. Um 13 Uhr haben Betroffene bei der Podiumsdiskussion das Wort. Die Moderation übernimmt der stellvertretende Leiter der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) Jürgen Meyer. Neben Konz wird Andreas Wutzlhofer über seine Erfahrungen berichten. Der damals 55-Jährige kollabierte vor zwei Jahren in seiner Wohnung. Unter telefonischer Anleitung durch die Rettungsleitstelle konnten Verwandte und Nachbarn den Vohenstraußer Bürgermeister reanimieren.

Ich bin das lebende Beispiel dafür, dass man wieder voll im Leben stehen kann, wenn richtig reagiert wird. Ich fühl mich sauwohl,

freut sich Wutzlhofer. Ganz anders erging es der damals 42-jährigen Ulrike Roll. Sie suchte mit Brustschmerzen mehrere Ärzte auf. Niemand dachte, dass die junge und sportliche Frau einen Herzinfarkt hatte. Neben den in beide Arme ausstrahlenden Brustschmerzen verspürte sie Atemnot. Trotz des eigentlich typischen Beschwerdebildes wurde der Infarkt bei ihr fast zu spät erkannt. „Ich bin familiär vorbelastet. Trotzdem will man es nicht wahrhaben“, sagt Roll. Am Sonntag wird sie über ihren Leidensweg berichten.

Nicht zögern – Notruf 112 wählen

Ein schreckliches Schicksal ereilte den damals 44-jährigen Bernhard Adam. Eine verschleppte Herzmuskelentzündung führte zu einer massiven Herzvergrößerung. Auch er musste reanimiert werden. Ihm musste eine Herzklappe und ein Defibrillator eingepflanzt werden. „Dennoch meistert er sein Schicksal mit stoischer Ruhe“, lobt Dr. Graf. Alle vier Patienten wurden unter Aufsicht von Prof. Dr. Robert Schwinger im Weidener Klinikum geretttet.

Die Zeit von den ersten Symptomen bis zur Alarmierung hat sich in den letzten 20 Jahren nicht verändert,

bedauert Prof. Dr. Schwinger. Noch immer vergingen durchschnittlich drei Stunden bis der Notruf abgesetzt wird. „Wir rechnen mit Minuten um schneller beim Einsatzort zu sein. Das hilft nichts, wenn die Leute nicht anrufen“, beschreibt Dr. Graf das Dilemma. Die Wichtigkeit der Rettungskette wird Herbert Putzer, der Leiter der ILS, in der Diskussion darstellen.

Medizin zum Anfassen: Begehbares Herz

Am Nachmittag folgen weitere Fachvorträge. Den ganzen Tag über wird mit einem begehbaren Herzmodell Medizin erlebbar gemacht. Der Eintritt kostet zwei Euro. Alle Einnahmen kommen der Jugendarbeit von Berg- und Wasserwacht zu Gute. Am Montag werden sich beim „Tag der Schulen“ über 850 Pennäler über das wichtigste Organ des Menschen informieren.

Neustadter Herztag
„Nicht zögern – Notruf 112 wählen“ – das ist das Anliegen von (von links) Prof. Dr. Robert Schwinger, Dr. Gudrun Graf, Bernhard Adam, Ulrike Roll, Andreas Wutzlhofer, Rainer Konz, Sabine Guhl und Herbert Putzer.

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