Raubüberfall Hammerweg: „Seit dieser Nacht kann ich nicht mehr schlafen“

Weiden. Im Weidener Landgericht begann heute die Verhandlung der drei Männer, die sich für einen brutalen Raubüberfall in einem Familienhaus am Hammerweg verantworten müssen. Nach einem Verständigungsgespräch mit Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurde verkündet: Die Angeklagten räumen die Tat ein. Im Gericht wurden heute auch die Opfer vernommen: Die vierstündige Tortur hängt der Familie auch heute noch nach. 

Von Kristine Mann

Gericht, Verhandlung, Leupold
Heute begann im Landgericht Weiden die Verhandlung zum schweren Raubüberfall am Hammerweg.

Die Tat hatten die drei Angeklagten Martin J., Martin H. und Josef M. offenbar schon lange im Voraus geplant: In der Nacht vom 17. September stiegen sie durch ein offenes Badezimmerfester in das Wohnhaus ein und überraschten die Familie. Brutal schlugen sie auf den Familienvater Harald G. (71), Angela G. (68) und deren Mutter Anna K. (89) ein, fesselten sie und verlangten Geld.

Weil die Angeklagten aus Tschechien die Tat nach einem Verständigungsgespräch einräumen, ist der Strafrahmen für Martin J. und Martin H. zwischen acht Jahre und sechs Monate beziehungsweise neun Jahre und sechs Monate. Für den Angeklagten Josef M. kommt ein Strafrahmen von zehn Jahren und sechs Monaten bzw. elf Jahre und sechs Monate zu. „Trotz Geständnis liegt es aber nahe sich aufgrund der brutalen Gewalteinwirkung der Täter in Richtung Höchststrafe – heißt elf bis 14 Jahre – zu orientieren“, sagt Richter Walter Leupold. 

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Die Angeklagten Josef M, Martin H. und Martin J. müssen sich vor Gericht für den brutalen Raumüberfall verantworten.

Mit Messer und Revolver bedroht und verletzt

Laut Erklärung der Angeklagten habe Martin J. die Idee für den Überfall gehabt. Kokain- und Alkoholsucht wären Auslöser für Geldprobleme gewesen und so habe er Schulden gehabt – auch bei Martin H.. Dieser wiederum hätte Josef M. als Geldeintreiber engagiert. „In Tschechien Gang und Gäbe“, wie sein Verteidiger Tobias Konze sagt. Bereits Monate vorher hätten die drei Männer das Anwesen ausgespäht und sich einen Plan zurechtgelegt: Mit Androhung von Gewalt wollten sie sich Geld von der Familie erpressen – wirklich Gewalt anzuwenden, gehörte aber nicht zum Vorhaben. „Eine solche Eskalation hatten sie selbst nicht erwartet“, verliest Franz Schlama, Verteidiger von Martin J. in seiner Erklärung.

Eskaliert war es aber: Brutal sei vor allem Josef M. aufgetreten. Er soll seine Opfer mit einem Revolver und einem Messer bedroht haben – von „Leerschüssen“ mit vorgehaltener Waffe an die Schläfe und „Schnitten“ mit der Rückseite des Messers durch die Kehle war die Rede. Es blieb aber nicht bei Androhungen: Die Eheleute Harald und Angela G. sowie Anna K. kommen mit einer langen Liste Verletzungen ins Krankenhaus: Knochenbrüche, Schürfwunden, Schnittverletzungen, Einstichwunden, Prellungen, Hämatome. Die Verletzungen sind über den ganzen Körper verteilt.

Alle drei Opfer müssen zwei Wochen im Krankenhaus behandelt werden, außerdem waren Harald und Angela G. danach noch wochenlang in Reha-Behandlung. Die körperlichen Verletzungen mögen zwar verheilt sein, die Angst aber bleibe: „Seit dieser Nacht kann ich nicht mehr schlafen. Und wenn ich schlafe dann mit furchtbaren Albträumen“, so Angela G.

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Auch heute riecht es im Haus noch nach Diesel

Bei der Vernehmung erzählt Harald G. stockend von den Erlebnissen der Tatnacht. Die Täter hätten ihn bedroht und geschlagen, Josef M. habe ihm sogar mit einem Messer in die Seite und ins Bein gestochen. Seine Nase mit Schlägen gebrochen. „Prosim Geld“ schreien die Männer, „Großes Geld“, „Große Scheine“ fordern sie.

Vier Stunden lang muss die Familie die Tortur über sich ergehen lassen. Sie werden mit Gürteln und Klebeband gefesselt: Die Täter drehen den Fernseher laut, werfen Decken über die Frauen. „Sie haben mir einen Putzlappen aus dem Bad als Knebel in den Mund gestopft“, erzählt Angela G. von der Horrornacht. Das ganze Haus hätten die Männer auf den Kopf gestellt.

In der Nacht erbeuten die Männer Geld und Schmuck im Wert von 20.000 Euro. Im Wohnzimmer zerstreuen sie Gewürze wie Paprika, Pfeffer – offenbar um Spuren zu verwischen. Sie verschütteten Diesel im Haus: „Jetzt machen wir noch ein schönes Feuerchen“, soll einer der Täter gesagt haben. Auch heute stinkt es im Haus noch nach dem Kraftstoff. Möbel, Treppe, Geländer, Blutspritzer an der Tapete: Auch die Reparatur und Reinigung wird die Familie viel Geld kosten.

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„Er ist nicht mehr derselbe“

Auf die Frage von Richter Leupold, ob Harald G. seit dem Überfall noch Angst habe, oder Folgen erkennbar sind, zuckt er die Schulter und sagt „Nein“. Seine Frau glaubt ihm nicht: „Seit dem Überfall ist er ganz komisch geworden“. Er sei nicht mehr derselbe: Oft sei er abwesend, ziehe sich zurück, spreche kaum noch, das bestätigt auch seine Tochter. Beim Thema Überfall blockt er ab, will nicht darüber reden. Auch Angela G. habe Angst gehabt, dass sie die Nacht nicht überleben. Mit dem Revolver an der Schläfe oder dem Messer an der Kehle habe sie schon gedacht: „Mach doch endlich“. „Es war furchtbar“.

Vier Fortsetzungstermine für die Verhandlung sind angesetzt. Am Donnerstag werden Einsatzkräfte, Ersthelfer und weitere tschechische Zeugen gehört. Das Urteil soll am 2. Dezember fallen.

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