Pokémon Go erobert die Oberpfalz

Grafenwöhr. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Sonntag, 15.30 Uhr – die Sonne scheint. Ich laufe durch die Stadt in Richtung Eisdiele. Vereinzelt kommen mir Spaziergänger entgegen. Mittwoch, 19.00 Uhr. Es fängt leicht zu regnen an. Nass, grau, windig. Trotzdem ist das Gebiet um den Stadtweiher voller Menschen. Das kann nur einen Grund haben: Pokémon Go ist jetzt auch in Deutschland angekommen. 

Von Kristine Mann

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Überall in den Medien gibt es derzeit nur ein Thema: Pokémon Go. Dabei wird der Spieler zum Pokémon-Trainer, fängt per Smartphone seine Pokémon und kann sie in Arenen gegen andere antreten lassen. Wir starten einen Selbstversuch. Auf dem Weg von zu Hause in die Stadt ist die Ausbeute schon ordentlich: Vier neue Pokémon kreuzen meinen Weg – schnell einen Pokéball ausgepackt, auf das Tierchen geworfen und nach einigen Sekunden bangen, ob es sich auch wirklich fangen lässt, kann ich es in meinem Pokédex bewundern. Geschafft, klasse!

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Mein Ziel ist aber der „PokéStop“. Beim Stadtwappen in Grafenwöhr ist einer davon: Bei dem Stop kann man sich neue Pokébälle und andere Ausrüstung besorgen. Und sogenannte „Lockmodule“ zünden. Die sind 30 Minuten lang aktiv, dann muss man eigentlich nur noch warten. Die Pokémon werden davon angelockt und kommen von selbst. Und nicht nur die. Nach der Aktivierung des Lockmoduls dauert es nur wenige Minuten und wir sind nicht mehr allein – von allen Seiten tauchen auf einmal andere Spieler auf. Denn wenn jemand ein Lockmodul zündet, ist das nicht nur für einen selbst sichtbar – sondern für alle. Wie zufällig schlendern sie bewaffnet mit dem Smartphone vorbei, bleiben auf der Parkbank wenige Meter weiter sitzen (als Grafenwöhrer weiß man: Auf der Bank sitzt ungefähr NIE jemand). Andere Spieler genieren sich nicht so: „Hey, ist bei euch da unten ein Shiggy?!“, ruft Mergim schon von Weitem.

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Pokémon Go begeistert Jung und Alt

Mergim ist Student in Bayreuth und ab August macht er ein Auslandssemester in den USA. Praktisch für ihn: Denn mit einer neuen Apple-ID, die er ab August sowieso braucht, konnte er sich das Spiel schon vor dem offiziellen Start in Deutschland holen. Und hat schon witzige Geschichten erlebt: „Ich bin gestern von der Uni nach Hause gefahren. Auf der Strecke durch Speichersdorf ist auch eine PokéArena. Da hab ich dann kurz angehalten“, erzählt er. In PokéArenen können die Spieler gegeneinander antreten. Es gibt verschiedene Teams: Rot, Gelb und Blau. Ist die Arena von einem Teammitglied besetzt, kann man das Level der Arena erhöhen, indem man sein eigenes Pokémon als Unterstützung dazusetzt. Eine Eroberung wird dadurch erschwert. Ist die Arena aber von einem anderen Team besetzt, kann man die Pokémon gegeneinander antreten lassen und die Arena für sich gewinnen. Die Arena in Speichersdorf gehörte einem anderen Team – aber nicht lange: Schließlich forderte Mergim die Gegner zum Kampf. „Ich wollte gerade wieder zu meinem Auto gehen, da kamen mir schon drei Kinder in voller Aufregung entgegen gerannt: ‚Bestimmt war er das‘, hab ich sie sagen hören“. Es hat keine fünf Minuten gedauert – als ich bei meinem Auto angekommen war, hatten sie die Arena schon wieder zurückerobert“, erzählt Mergim und lacht.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite laufen ein paar Leute in Richtung Stadtweiher. „Dort hat auch jemand ein Lockmodul gezündet, lasst uns da mal hingehen“, sagt einer der Mitspieler. Und gemeinsam machen wir uns auf den Weg.

Pokémon-Trainer überall auf der Jagd

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Auch am Stadtweiher ist einiges los: „So viele Leute waren hier wohl das letzte mal beim Fischerfest“, scherzt einer der Jungs. Ich muss lachen. Tatsächlich macht den leidenschaftlichen Pokémon-Trainern der einsetzende Regen nichts aus. Alle sind auf der Jagd. Am Grafenwöhrer Rathaus ist offensichtlich auch eine Arena. Das muss ich mir dann doch einmal aus der Nähe anschauen. Ich komme am Marktplatz an – das Handy vibriert: Ein Karpador ist in der Nähe. Das schnapp ich mir doch.

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Meine Euphorie ist groß, ich hab es tatsächlich gefangen. Mein Blick fällt auf die Cocktailbar direkt neben dem Rathaus. Durch das Fenster lacht ein junger Kerl heraus. Ich glaube, wir denken das gleiche: „Ahja, du also auch“. Die Arena am Rathaus ist von Team Gelb besetzt. Leider kann ich die Spieler aber nicht herausfordern – Mit Level 2 fehlt mir laut dem Spiel noch die nötige „Trainer-Erfahrung“. Ich dreh der Arena den Rücken zu. Aber ich komme wieder, wenn es soweit ist. Denn seit den letzten Tagen hab ich einen bestimmten Ohrwurm im Kopf: „Ich will der allerbeste sein – wie keiner vor mir war…“

https://www.youtube.com/watch?v=LUlZ5n0cyak

Für den unwahrscheinlich Fall, dass ihr die App noch nicht habt: Hier geht’s zum Download von Pokémon Go im Google Play Store und Download im App-Store. Auf der Facebook-Seite „Spotted Pokémon GO Weiden i.d.OPf / Umgebung“ oder in Gruppen wie „Pokemon Go Oberpfalz“ tauschen sich die Spieler aus und geben Fundorte von Pokémon bekannt.

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