Tatort Internet: Experte über Cyber-Sicherheit

Neustadt/WN. „Vergessen Sie alles, was Sie in James Bond-Filmen gesehen haben!“, so Internet-Experte Markus Geier. „Die Spione heute kommen über’s Internet!“ Die Cyber-Sicherheit war das beherrschende Thema beim 3. Nordoberpfälzer Wirtschaftstag, zu dem auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann gekommen war.

Innenminister Joachim Herrmann über Cyber-Sicherheit
Innenminister Joachim Herrmann über Cyber-Sicherheit

Kaum jemand kommt heute noch ohne Smartphone aus: Glasfasernetze werden ausgebaut, die Welt wird zunehmend digital. Diese Digitalisierung biete riesige Chancen gerade auch für „abgelegene Regionen“ (Zitat Minister Herrmann) – allerdings eben auch für Kriminelle. Die Polizei in Bayern beschäftige zwar 300 Experten für Internetkriminalität, „aber Spezialisten sind knapp“.

Cyber-Delikte sind dabei oft nur schwer wahrnehmbar. Etliche Firmen merken oft nicht einmal, dass sie ausspioniert werden. Und nicht jeder Angriff hängt an der großen Glocke:

Das Problembewusstsein bei Mittelständlern ist noch nicht so deutlich ausgeprägt

so Herrmanns Einschätzung.

Cyber-Angriffe keine Seltenheit

Internet-Experte Markus Geier
Internet-Experte Markus Geier

Experte Geier ist Mitglied des Münchener Sicherheitsnetzwerkes und hat jede Woche mit mindestens einem größerem Cyber-Angriff zu tun. Aber nicht nur internationale Konzerne, sondern praktisch jeder Mittelständler verfügt über sensible Daten: Konstruktionszeichnungen, Personalakten, Geschäftspläne oder Kundendaten müssten geschützt werden. Der Feind lauert dabei nicht nur in fernen Ländern:

Über die Hälfte der Angriffe kommt mit Hilfe des eigenen Personals zustande

machte Geier deutlich.

Insider Geier hat folgende Tipps für Unternehmen parat:

  • Das richtige Maß finden (nicht jeder Handwerker muss sich vor Server-Attacken schützen, hat aber etwa Personaldaten, die er schützen muss)
  • Die eigene Belegschaft sensibilisieren und ein Problembewusstsein schaffen („das A und O“)
  • Klare Regeln aufstellen für den Umgang mit Daten („damit nicht jeder USB-Stick, der auf der Straße rumliegt in den PC gesteckt wird“)
  • Die getroffenen Maßnahmen laufend reflektieren und überprüfen
  • Viele wirksame Schutzmaßnahmen lassen sich für relativ wenig Geld von Dienstleistern erledigen („Sichere E-Mail-Konten gibt’s für 3,50€ pro Mitarbeiter“)
  • Und nicht zuletzt: „Sicherheit ist Chefsache!“
Vertreter von Wirtschaft und Politik beim Nordoberpfläzer Wirtschaftstag.
Vertreter von Wirtschaft und Politik beim Nordoberpfläzer Wirtschaftstag.

In der anschließenden Diskussion in der Stadthalle Neustadt vor etwa hundert Vertretern aus Wirtschaft und Lokalpolitik wurde unter anderem angeregt, bereits im Grundschulalter auf den sensiblen Umgang mit Daten hinzuweisen. Leonhard Zintl, Kreisvorsitzender der Mittelstandsunion Tirschenreuth, brachte das Thema in seinem Schlusswort treffend auf den Punkt:

Sicherheit ist wie Gesundheit, man erkennt die Bedeutung oft erst, wenn’s Probleme gibt.

Der Nordoberpfälzer Wirtschaftstag ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Mittelstandsunion Neustadt und Tirschenreuth, dem Wirtschaftsclub Nordoberpfalz und dem Wirtschaftsbeirat Bayern mit Unterstützung der Kreishandwerkerschaft und der IHK.

(Bilder: Götz)

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