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Theaterstück SAD-88 erschüttert Caritas-Fachakademie Weiden

Weiden. Das OVIGO-Theater gastierte an der Caritas Fachakademie für Sozialpädagogik und machte mit „SAD-88“ sprachlos: ein eindringliches Stück über Rechtsextremismus, Rassismus und Verantwortung. Ein starkes Zeichen.

Theaterstück SAD-88 erschüttert Caritas-Fachakademie Weiden

Foto Dr. Barbara Neuber
Foto Dr. Barbara Neuber
Foto Dr. Barbara Neuber
Foto Dr. Barbara Neuber

Manchmal fehlen die Worte. Nicht, weil es nichts zu sagen gäbe, sondern weil das Gesehene erst einmal verarbeitet werden muss. Genau das geschah an der Caritas Fachakademie für Sozialpädagogik in Weiden, als das OVIGO-Theater mit seinem Stück „SAD-88“ zu Gast war. Die Inszenierung hinterließ Studierende und Lehrkräfte tief beeindruckt – und zunächst sprachlos.

OVIGO-Theater setzt starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus

Das OVIGO-Theater gastiert mit „SAD-88“ an der Caritas Fachakademie Weiden – eine eindringliche Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und der Verantwortung jedes Einzelnen.

Dass deshalb unmittelbar nach der Aufführung noch kein Austausch mit dem Ensemble stattfand, war eine bewusste Entscheidung der Schulleitung: „Mir fehlen gerade selbst noch die Worte. Ich denke, wir müssen das erst einmal setzen lassen, bevor wir sprechen können“, so Schulleiterin Dr. Barbara Neuber am Ende des Stückes.

Die Auseinandersetzung mit dem Stück sollte Zeit bekommen, denn die aufgeworfenen Fragen lassen sich nicht einfach mit einer kurzen Gesprächsrunde beantworten. Erst später wurden die Themen in den Klassen erneut aufgegriffen: Was hat uns berührt, was erschreckt? Welche Fragen sind offengeblieben?

Ein Verbrechen, das bis heute nachwirkt

„SAD-88“ beschäftigt sich mit dem rassistisch motivierten Brandanschlag auf das Habermeier-Haus in Schwandorf im Dezember 1988. Der damals 19-jährige Neonazi Josef S. legte Feuer; vier Menschen starben: Osman Can, seine Frau Fatma Can, ihr zwölfjähriger Sohn Mehmet Can und Jürgen Hübener.

Das Stück des OVIGO-Theaters blickt nicht nur auf die Tat und ihren Täter, sondern auch auf den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit dem Verbrechen. Es stellt Fragen nach Rassismus, rechtsextremer Gewalt und der Verantwortung einer Gesellschaft und Politik, die hinschauen muss, statt wegzusehen.

Witron – Koch und Servicekraft gesucht
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Gerade die Aktualität dieser Themen hat Neuber besonders erschüttert. „Was man in dem Stück sieht, ist eigentlich unfassbar. Aber gleichzeitig weiß man, dass Entwicklungen offengelegt werden, die uns auch heute ganz unmittelbar betreffen.“ Die Parallelen zu rechten Strömungen in der Oberpfalz und zu bekannten Akteuren aus der regionalen rechten Szene seien schwer auszublenden. Ebenso erschreckend sei, wie politische Verantwortung und das Leugnen oder Verharmlosen rechtsextremer Probleme im Stück thematisiert werden. Vieles davon sei auch heute aktuell. Wenn Warnzeichen ignoriert und menschenfeindliche Einstellungen verharmlost würden, werde es umso schwerer, ihnen wirksam entgegenzutreten.

Die Botschaft ist für Neuber klar: Erinnern allein genügt nicht. Es braucht Menschen, die hinschauen, widersprechen und Verantwortung übernehmen.

Ein Schuljahr im Zeichen der Demokratie

Der Theaterbesuch ist Teil eines bewusst gesetzten Schwerpunkts: Die Fachakademie hat dieses Schuljahr unter das Motto der Demokratiebildung gestellt. Demokratie, Toleranz, Menschenrechte und Antirassismus sollen nicht nur gelegentlich Thema des Unterrichts sein, sondern das Schulleben und die Ausbildung durchziehen.

Bereits im vergangenen Schuljahr waren Weiden ist bunt e. V., die Omas gegen Rechts und Amnesty International zu Diskussionen und Workshops an der Fachakademie zu Gast. Im laufenden Schuljahr nahmen die Klassen an Veranstaltungen im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie teil und jede der Klassen besuchte das Demokratie-Café der Omas gegen Rechts im Café Frieden.

Auch bei diesen Begegnungen geht es darum, Perspektiven zu wechseln, Fragen zu stellen und die eigene Haltung zu reflektieren. Denn Demokratie ist mehr als ein politisches System. Sie zeigt sich im täglichen Miteinander – darin, ob Menschen respektiert, unterschiedliche Meinungen ausgehalten und die Rechte aller geschützt werden.

Demokratiebildung beginnt bei den Kleinsten

Für eine Fachakademie für Sozialpädagogik ist das Thema von besonderer Bedeutung. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher werden später Kinder und Jugendliche begleiten und deren Vorstellungen von Gerechtigkeit, Gemeinschaft und Zusammenleben mitprägen. Demokratiebildung beginnt bereits in der Kita: wenn Kinder mitentscheiden dürfen, ihre Meinung ernst genommen wird und Konflikte fair gelöst werden.

Dazu gehört aber auch, Grenzen zu setzen, wenn Menschen abgewertet oder ausgegrenzt werden. Toleranz bedeutet nicht, menschenfeindliche Äußerungen widerspruchslos hinzunehmen.

„Wir bilden Menschen aus, die Verantwortung für andere übernehmen. Dazu gehört, Kindern vorzuleben, dass Menschenwürde nicht verhandelbar ist und dass man sich für andere einsetzen muss, wenn deren Rechte verletzt werden“, betont Neuber.

Und deshalb sollen in diesem Schuljahr und darüber hinaus noch weitere Aktionen zu diesem Thema folgen.

Hinschauen statt schweigen

Natürlich kann eine Theateraufführung allein keine Gesellschaft verändern. Doch sie kann irritieren, Fragen aufwerfen und bislang selbstverständliche Sichtweisen ins Wanken bringen. Vielleicht gelingt es, mit Aktionen wie der Aufführung von „SAD-88“ einige verschlossene Augen zu öffnen. Vielleicht trauen sich Studierende künftig, rassistischen Sprüchen zu widersprechen, statt aus Unsicherheit zu schweigen. Und vielleicht tragen sie diese Haltung später in ihre pädagogischen Einrichtungen und geben sie an die nächste Generation weiter.

Die Hoffnung der Schulleiterin ist, dass aus Betroffenheit eine Haltung entsteht: eine demokratische, tolerante und mutige Haltung, die sich nicht auf Lippenbekenntnisse beschränkt, sondern im Alltag sichtbar wird.

Denn es geht nicht nur darum, sich an das zu erinnern, was 1988 in Schwandorf geschah. Es geht auch darum, welche Konsequenzen wir heute daraus ziehen.

Hinschauen statt wegsehen. Widersprechen statt schweigen. Menschenrechte verteidigen statt Gleichgültigkeit zulassen.

Dafür steht das Demokratie-Schuljahr an der Caritas Fachakademie Weiden – und dafür sollen die angehenden Erzieherinnen und Erzieher auch künftig eintreten.

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