Mit viel Geduld zum eigenen Dirndl-Unikat

Trachtennähkurs

Rotzendorf. „Das ist wirklich eine Errungenschaft unserer westlichen Welt“, sagt Hans Wax bei der Vorstellung der Dirndl, die 18 Teilnehmerinnen in einem Trachtennähkurs nach Vorlagen aus dem 19. Jahrhundert kreiert haben. Dass sich jede Dame ihr eigenes Kleid nach dem eigenen Geschmack nähen kann, sei nicht selbstverständlich. Noch bis zur französischen Revolution habe es strikte Kleiderordnungen gegeben.

Farben, Muster und Stoffe durften die Teilnehmer in dem zwölften von Maria Enslein organisierten Kurs weitgehend selbst aussuchen. Um eine Förderung vom Bezirk Oberpfalz zu erhalten, gilt es aber sich an den traditionellen Vorgaben zu orientieren. Die betreffen zum Beispiel die Länge. Ein Maßkrug Platz sollte höchstens zwischen dem Saum und dem Boden bleiben. Dank der Regeln würden sich die selbstgenähten Dirndl aber auch deutlich von Industrieware abheben.

Bei der Auswahl der hochwertigen Stoffe hilft Birgit Ettl aus Piesenkofen bei Regensburg. Die Farben würden dabei auf den Teint der Haut und die Augenfarbe abgestimmt, erläuterte Wax. „Wir legen Wert auf die Qualität und die Musterung“, bestätigte auch Tuchhändlerin Ettl. Durch den finanziellen Zuschuss, vor allem aber durch die eigene Arbeitsleistung bleibt das Kleid dennoch bezahlbar. „Diese Qualität würde man nie zu diesen Kosten bekommen“, sagte Enslein.

Weitere Trachtennähkurse im November

Drei Samstage hatten die Hobbynäherinnen jeweils von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr im beruflichen Schulzentrum in Neustadt zugebracht, um unter Anleitung von Kursleiterin Edeltraud Wild die richtigen Nähte, Falten und Bündchen anzufertigen. Ein zweiter Kurs hatte in Waldthurn stattgefunden. Geselligkeit und Kaffeetrinken gehöre da natürlich auch dazu, allerdings habe Wild durchaus auch mal streng sein können. „So ginge ich nicht auf die Straße“, habe die Nähspezialistin aus Gaisthal bei Schönsee schon mal kommentiert. „Dann weiß man, dass man es nochmal auftrennen muss“, lachte die Besitzerin eines neuen Dirndl-Unikats.

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Edeltraud Wild (rechts) stellte im Café Federkiel die Ergebnisse des Trachtennähkurses vor.

Viel Handarbeit und viel Geduld

Zu den drei Kurstagen kamen noch unzählige Stunden an Heimarbeit dazu. Eine Arbeit, die Heidi Bayer aus Waldershof nicht bereut hat. In den Singstunden des Kirchenchores hatte eine Bekannte immer wieder von den Nähkursen erzählt. Da sei sie neugierig geworden.

Ich habe es dann einfach mal ausprobiert und es hat gleich Spaß gemacht. Wir haben eine klasse Meisterin gehabt,

freut sich Bayer. „Wer mal eins genäht hat, will immer wieder eines nähen“, sagt Maria Enslein, die außerdem noch einen weiteren Vorteil der eigenen Handarbeit hervorhebt. „Das Praktische an unserem Gewand ist, dass man es auslassen kann, wenn man dicker wird, oder enger machen kann, wenn man dünner wird.“ Da sei man einfach nie falsch angezogen. Auch heuer werden wieder zwei Kurse vom Heimat- und Volkstrachtenverein stattfinden, die in der zweiten Novemberhälfte beginnen.

Dirndl Trachtennähkurs, Café Federkiel, Rotzendorf
Das sind die Ergebnisse der Trachtennähkurse in Neustadt und Waldthurn mit Edeltraud Wild.

Bilder: B. Grimm

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