Von der Galerie zum Café: Beanerys unendliche Geschichte

Weiden. Für viele ist das Beanery, vor allem in den Sommermonaten, wie ein zweites zu Hause. Da rückt man auch mal gern zusammen, wenn alles voll ist. Dass das Café vielleicht bald an einem anderen Ort sein soll, ist für viele Gäste fast unvorstellbar. Aber dass die Sitzplätze dann vor der Türe auch noch eingeschränkt werden sollen, ist noch viel schlimmer. 

Von Jasmina Vaskovic

Beanery Weiden Unterer Markt

Still wird es um das Café in Weiden auf keinen Fall. Erst dieses Jahr im Februar mussten die Besitzer und alle Beanery-Freunde zittern, als es hieß: Der Mietvertrag für das Beanery würde nach nunmehr 15 Jahren am Unteren Markt nicht weiter verlängert werden. Die Freude war bei allen Gästen und natürlich bei den Besitzern, Sabine Ingendorf und ihrem Mann Ulrich Eckhardt, besonders groß, als eine Unterschriften-Aktion Wunder bewirkte. Der Vermieter entschied sich in aller letzter Sekunde um und verlängerte den Mietvertrag doch noch einmal für ein weiteres Jahr.

Vorerst ist das Beanery also noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Aber spätestens im Sommer 2017 brauchen sie einen neuen Standort. Doch die Inhaber hätten dafür schon eine Lösung und ein Gebäude am Oberen Markt ins Auge gefasst. Die Rede ist von der ehemaligen „Galerie Recknagel“. Mittlerweile steht das Haus schon seit zwei Jahren leer.

Keine Außenbestuhlung am Oberen Markt

Ein einfacher Umzug ohne weitere Probleme ist aber wohl nicht in Sicht. Neben einem gescheiterten Antrag auf mehr Außenplätze, steht auch noch der Antrag auf Nutzungsänderung für das Gebäude aus. Einzelhandel und Stadt sind von den Plänen des Beanerys offensichtlich nicht so begeistert.

Vor einigen Wochen hatte Inhaberin Ingendorf einen Antrag beim Baudezernat in Weiden gestellt und schon mal eine größere Nutzungsfläche für die Außenbestuhlung beantragt. Der Bauausschuss hat den Antrag allerdings abgelehnt. Die Begründung:

Eine Genehmigung würde negative Folgen für die Attraktivität des Stadtbildes haben. Vor allem für den schönsten Platz der Stadt – mit der Westseite des Alten Rathauses als meistfotografiertes Motiv.

Außerdem sei der Obere Markt die einzige größere, zusammenhängende Veranstaltungsfläche in der Altstadt. Mit einer Genehmigung würde die Fläche am Oberen Markt nicht mehr der gesamten Bevölkerung gehören, so wie es vorgesehen ist, sondern nur noch den zahlenden Kunden des jeweiligen Gastronomiebetriebs, bestärkt der Bauausschuss seine Ablehnung.

Weiden Altes Rathaus
Ein überragender Blick auf die Altstadt in Weiden. Bild: Christian Höllerer

Wieso das Eiscafé im Alten Rathaus und das Marktcafé eine große Freischankfläche haben dürfen und das Beanery dies nicht genehmigt bekommt, hängt mit der Studie „barrierefreie Innenstadt“ zusammen. Die Warenpräsentation und der Freischank sollen räumlich unmittelbar mit dem Geschäft oder dem Gastronomiebetrieb zusammenhängen. Begrenzt werden die Flächen meist durch die vorhandenen optischen Grenzen wie die Baumreihen oder die Pflasterung. Ziel des Projektes war es durchgängige Gehbereiche zur Erleichterung der Orientierung Blinder und Sehbehinderter zu schaffen.

OB einer der wenigen Befürworter

Laut Bauausschuss kann Sabine Ingendorf am Oberen Markt einen drei Meter breiten Bereich entlang der Fassade für den Freischank und die Warenpräsentation nutzen. Wenn man das mit der Fläche vergleicht, die das Beanery zur Zeit am Unteren Markt hat ist das schon deutlich weniger. Schließlich lebt das Café im Sommer von der Außenbewirtung.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß war einer unter wenigen, der gute Argumente für die Genehmigung des Antrags aufgezeigt hat. Er plädierte für einen einjährigen Versuch:

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Kannibalisierung des Einzelhandels durch das Internet, muss man sich flexibel zeigen. Wer das nicht zulässt, darf sich nicht über Leerstände wundern! Ausnahmen müssen möglich sein.

Besitzerin bleibt optimistisch

Sabine Ingendorf will auf jeden Fall nicht aufgeben, auch wenn sie nach eigenen Angaben „jetzt erst mal den Ball flach halten wird“. Es klingt alles danach, als wäre der Umzug beschlossene Sache. Und das, obwohl die Beantragung der Nutzungsänderung für das Gebäude am Oberen Markt noch aussteht. Sie ist auf jeden Fall optimistisch:

Ich bin zuversichtlich, dass die Nutzungsänderung bewilligt wird, da vor der „Galerie Recknagel“ schon ein Gastrobetrieb in dem Gebäude war.

Ob sie zusammen mit der Nutzungsänderung auch noch einmal eine Anfrage für eine größere Freischankfläche stellen will, lässt die Beanery-Besitzerin erst mal offen. Bleibt abzuwarten, wie es mit dem Stammcafé in Weiden in Zukunft weitergeht. Mit der Unterstützung der Gäste kann das Beanery aber bestimmt auch in Zukunft weiter rechnen.

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