Kulinarische Lesung beim Rotary Club Stiftland begeisterte

Kulinarische Lesung beim Rotary Club Stiftland begeisterte
Die Idee zu diesem besonderen Abend mit einer kulinarischen Lesung stammte von RC-Stiftland-Clubmitglied Christian Schönberger. Für die kulinarische Umsetzung gewann er seinen Sohn Moritz Schönberger, einen gelernten Koch. Gemeinsam mit Rotarier Hubert Heinzl, der sich insbesondere um die Nachspeise kümmerte, und einem engagierten Serviceteam sorgte er für den passenden Rahmen einer genussvollen Zeitreise.
Erika Eichenseer und Martin Stangl begeistern mit Geschichten
Für den literarischen Teil der kulinarischen Lesung zeichneten Erika Eichenseer und Martin Stangl (Rotary Club Weiden) verantwortlich. Die beiden Autoren des Kochbuchs „Schuxn, Schoitln, Schlosserboum – Traditionelle Oberpfälzer Rezepte vo fröia“ präsentierten zwischen den einzelnen Gängen Wissenswertes, Kurioses und Heiteres aus der Oberpfälzer Küchengeschichte.
Die 1934 geborene Erika Eichenseer ist weit über die Region hinaus als Autorin, Märchenforscherin und Bewahrerin der Volkskultur bekannt. Besonders verdient gemacht hat sie sich um die Wiederentdeckung der Märchensammlung von Franz Xaver von Schönwerth. Mindestens 500 weitgehend unbekannte Märchen spürte sie im Archiv des Historischen Vereins in Regensburg auf.
Auch beim Bayerischen Rundfunk wirkte Eichenseer über viele Jahre mit, unter anderem bei Volksmusiksendungen und als Gesprächspartnerin bei Bayern 2. Im Jahr 2026 wurde sie für ihre herausragendes Lebenswerk mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
Wie gut sich die beiden Autoren ergänzen, zeigte sich während ihrer abwechselnden Wortbeiträge. Eichenseers Gedichte und Stangls humorvolle Betrachtungen sorgten immer wieder für spontanen Applaus.
Vom Mongdratzerl bis zur Erdäpflsuppn
Den Auftakt machte ein „Mongdratzerl“, ein kleiner Appetithappen, der den Magen – auf Oberpfälzisch „Mong“ – ein wenig necken soll. Gereicht wurde würziger Zoiglbieraufstrich auf kräftigem Schwarzbrot. Damit durfte das traditionelle Zoiglbier, das in der nördlichen Oberpfalz seit Jahrhunderten für Geselligkeit und Gemeinschaft steht, ausnahmsweise vom Glas auf den Teller wechseln.
Als Vorspeise folgte eine geriebene Kartoffelsuppe mit geschmalzenen Zwiebeln, Brotwürfeln, Schnittlauch und Majoran. Dazu erfuhren die Gäste, welche Bedeutung die Suppe früher im bäuerlichen Alltag hatte. Oft war sie morgens oder abends die einzige Mahlzeit.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Erdäpfl, dem wohl wichtigsten Grundnahrungsmittel der traditionellen Oberpfälzer Küche. Erika Eichenseer stimmte dazu gemeinsam mit dem Publikum ein altes Volkslied an: „Erdäpfl homma gestern g’habt, Erdäpfl homma heit“ – eine musikalische Liebeserklärung an die vielseitige Knolle.
Ein französischer Braten wird zum Oberpfälzer
Beim Hauptgang der kulinarischen Lesung wurde es festlich: Oberpfälzer Boeuf à la mode mit Kartoffelstampf, gelben Rüben und übergossenem Wirsing stand auf der Speisekarte.
Hinter dem französischen Namen verbirgt sich ein traditioneller Schmorbraten, der in Bayern unter anderem als „Böfflamott“ bekannt ist. Die Autoren erläuterten die Geschichte des Gerichts und erinnerten daran, dass Fleisch früher keineswegs selbstverständlich auf den Tisch kam. Ein Schlachtfest war vielmehr ein Ereignis, auf das sich ganze Dorfgemeinschaften wochenlang freuten.
Geschichten über den „Saustich“, den Brandmetzger und die sogenannten Wurstsuppenfahrer ließen eine Zeit lebendig werden, in der gemeinsames Arbeiten, Essen und Feiern eng miteinander verbunden waren.
Herbstliche Erinnerungen und süßer Abschluss der kulinarischen Lesung
Passend zur Jahreszeit las Erika Eichenseer Gedanken über den Herbst vor. Sie erinnerte an die Vorratshaltung früherer Generationen, an Kartoffelmieten, eingelagertes Gemüse, Sauerkrautfässer und die Fischernte in der Tirschenreuther Teichlandschaft.
Zum Dessert servierte die Küche Zwetschgenknödel auf Zwetschgenröster. Die süße Spezialität bot den Autoren Gelegenheit, über die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Zwetschge zu erzählen – vom Datschi bis zum Powidl.
Zum Abschluss überraschte das Autorenduo die Gäste mit einem typisch oberpfälzischen Schnaps, dem „Märchendudler“. Ein besonderer Dank galt Koch Moritz Schönberger, Hubert Heinzl und dem überaus freundlichen Serviceteam, das den Abend mit viel Engagement begleitet hatte.
Das abschließende Lob fiel ganz nach Oberpfälzer Art aus. Denn wo andere von einem fantastischen kulinarischen Erlebnis schwärmen würden, genügt dem zufriedenen Oberpfälzer ein anerkennendes Nicken und der Satz: „Kamma loua.“
Ein bescheiden klingendes Kompliment, das in diesem Fall kaum größer hätte ausfallen können.




