OTH Amberg-Weiden
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Moorschutz beginnt im eigenen Garten in Weiden

Weiden. Im vollbesetzten Wanderheim informierten die Naturfreunde über Moore zwischen Trinkwasser und Umwelt, mit Beiträgen der Biologen Mathilde Müllner und Philipp Glaab. Moorschutz beginnt im eigenen Garten.

Weiden. Im vollbesetzten Wanderheim informierten die Naturfreunde über Moore zwischen Trinkwasser und Umwelt, mit Beiträgen der Biologen Mathilde Müllner und Philipp Glaab. Moorschutz beginnt im eigenen Garten.
(Von links) Mathilde Müllner, Philipp Glaab und Herbert Schmid. Foto: Sebastian Flaschel

Moorschutz beginnt im eigenen Garten in Weiden

Nicht die Schauergeschichten über Sumpf, Irrlichter oder Moorleichen sollten heute im Vordergrund stehen, so eröffnete der Vorsitzende der Naturfreunde, Herbert Schmid, die Informationsveranstaltung im voll besetzten Wanderheim in Trauschendorf über die Welt der Moore im Spannungsfeld zwischen Trinkwasserversorgung und Umweltschutz. Der Vortrag von Mathilde Müllner und Philipp Glaab, beide vom Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald, bot einen faszinierenden Einblick in die Welt der heimischen Moore.

Bedeutung und Geschichte der Moore in der Region

Anhand einer historischen Moorkarte von 1914 und ihrer 35-jährigen Berufserfahrung erläuterte die Biologin Mathilde Müllner die Bedeutung ausgewählter verbliebener Feuchtgebiete wie das Teufelsmoor bei Pechhof und den Schießlweiher bei Schwarzenbach als Teil einer alten Weiherkette, die für die Hammerwerke im Haidenaabtal angelegt worden war.

Das Moor ist Lebensraum für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten: Moose, Bakterien, Viren, spezielle Ameisen, das schmalblättrige Wollgras, kleine Goldschrecken, Fieberklee, das Fettkraut, Moosbeere, weißes Schnabelried, Rosmarinheide, diverse Libellenarten, schneidiges Wollgras, Drachenwurz, Rauschbeere, Spirke und Moorbirke, Preiselbeere oder rundblättriger Sonnentau. Oft habe sie erkennen müssen: „Ich arbeite für fünf Prozent der Bevölkerung, wenn ich aber Flächen für den Erhalt der Moore brauche, bleibt nicht ein Prozent übrig“, so die engagierte Naturschützerin.

Moore als Kohlenstoff- und Wasserspeicher

Der Biologe Glaab erläuterte, dass Moore nach der letzten Eiszeit, vor circa 12.000 Jahren, entstanden und durch Moorbildner wie Torfmoose oder Riedgräser etwa einen Millimeter pro Jahr wachsen. Die verbliebenen Moore der Welt binden mehr CO2 als alle Wälder zusammen. Auch für den Hochwasserschutz erfüllen Moore eine wichtige Rolle, weil Torfmoose zu 90 Prozent aus Wasser bestehen und bei starken Regenfällen das Wasser wie ein Schwamm aufsaugen und nur langsam wieder abgeben. Durch Torfabbau, Austrocknung für Trinkwassergewinnung, Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen oder Zerschneidung durch Verkehrsflächen werden diese Biotope sehr schnell zerstört. Trockene Moore setzen dann jedoch wieder Kohlendioxid frei, welches davor im Laufe von Jahrhunderten gebunden worden ist. Damit können Moore ihrer Funktion als Klimaregulierer, Hochwasserschutz, Lebensraum für Fauna und Flora oder CO2-Speicher nicht mehr nachkommen.

Mit seinen 280 ha sei das Gebiet der Mooslohe westlich der Autobahn A 93 eines der größten Niedermoore der Oberpfalz. Aber die Anliegen der Trinkwassergewinnung für die Stadt Weiden und der Erhalt des einzigartigen Lebensraumes bilden ein scheinbar nicht auflösbares Dilemma.

Moorschutz im Alltag und lokale Initiativen

Moorschutz beginne im eigenen Garten; jeder könne einen Beitrag dazu leisten, indem Hobbygärtner darauf verzichten, torfhaltige Blumenerden zu kaufen. Auch die Renaturierung von toten Vorgärten, den in Mode gekommenen Schottergärten oder „Gärten des Grauens“ schaffe Versickerungsmöglichkeiten für Wasser und ermögliche Lebensraum für verschiedenste Lebewesen. Grundsätzlich solle deshalb darauf verzichtet werden, Gärten zu versiegeln. In der Schlussrunde rief Sebastian Flaschel zur Ertüchtigung des Torflehrpfades in der Schustermooslohe auf. Der beschilderte Rundweg war vor Jahren vom Oberpfälzer Waldverein angelegt worden, ist aber zwischenzeitlich kaum mehr begehbar. Interessierte sollen sich über die Webseite der Naturfreunde bei ihm melden.

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