NEW Perspektiven: Brennnessel, Giersch und Löwenzahn - grüne Schätze heben!
NEW Perspektiven: Brennnessel, Giersch und Löwenzahn - grüne Schätze heben!
Wer aufmerksam durch Wiesen, Wälder oder den eigenen Garten geht, entdeckt oft weit mehr als nur vermeintliches Unkraut. Zwischen Gräsern, am Wegesrand und unter Hecken wachsen Pflanzen, die unsere Vorfahren ganz selbstverständlich als Lebensmittel, Gewürze oder traditionelle Hausmittel nutzten.
Gertie Kreuzer kennt diese grünen Schätze. Als zertifizierte Kräuterführerin hat sie es sich zur Herzensaufgabe gemacht, das jahrhundertealte Wissen über heimische Wildkräuter lebendig zu halten und an andere Menschen weiterzugeben.
Eine fast vergessene Welt vor der Haustür
Löwenzahn, Brennnessel und Gänseblümchen kennt beinahe jeder. In vielen Gärten werden sie dennoch als störendes Unkraut betrachtet und mit großem Aufwand entfernt. Gertie Kreuzer sieht in ihnen dagegen wertvolle Geschenke der Natur.
Wildkräuter müssen weder ausgesät noch gegossen werden. Sie suchen sich ihren Standort selbst, passen sich ihrer Umgebung an und wachsen mit erstaunlicher Widerstandskraft. Viele von ihnen enthalten wertvolle Nährstoffe und lassen sich auf vielfältige Weise in der Küche verwenden.
Selbst die Samen der Brennnessel können genutzt werden. Getrocknet eignen sie sich beispielsweise als nussig schmeckendes Topping für Müsli, Salate oder Brotaufstriche. Um die kleinen Samen ranken sich zudem zahlreiche alte Geschichten. So soll ihr Sammeln in manchen Klöstern einst unerwünscht gewesen sein, weil ihnen eine anregende Wirkung nachgesagt wurde.
Ob Legende oder überlieferte Erfahrung: Die Geschichten zeigen, welchen Stellenwert Wildpflanzen früher im Alltag der Menschen hatten.
Naturwissen, das schon in der Schule begann
Die Liebe zu natürlichen Lebensmitteln prägte auch das Berufsleben von Gertie Kreuzer. Als Lehrerin für Ernährung und Gestaltung an der Mittelschule Vohenstrauß wollte sie ihren Schülerinnen und Schülern zeigen, wo Lebensmittel herkommen und wie unverfälschte Zutaten schmecken.
Dabei stellte sie immer wieder fest, wie weit sich viele Menschen von der Natur entfernt haben. Wenn die Jugendlichen im Schulgarten Petersilie oder Schnittlauch ernten sollten, erntete die Lehrerin nicht selten fragende Blicke. Was als Gewürzmischung aus der Tüte bekannt war, wurde als echte Pflanze direkt vor dem Klassenzimmer kaum erkannt.
Für Gertie Kreuzer waren solche Momente ein Ansporn. Sie wollte die Sinne der jungen Menschen schärfen und zeigen, wie groß der Unterschied zwischen stark verarbeiteten Produkten und frischen Zutaten aus Garten, Wiese und Wald sein kann.
Riechen, fühlen und schmecken
Heute gibt die Kräuterpädagogin ihr Wissen bei Führungen und Wanderungen weiter. Bücher und Apps können dabei eine erste Orientierung bieten. Wirklich kennenlernen lassen sich Pflanzen jedoch nur draußen in der Natur.
Wie fühlt sich ein Blatt an? Welcher Duft entsteht, wenn es vorsichtig zwischen den Fingern zerrieben wird? Welche Merkmale unterscheiden eine essbare Pflanze von einem ähnlich aussehenden Gewächs? Und wie verändert sich der Geschmack abhängig von Standort, Jahreszeit und Bodenbeschaffenheit?
Genau diese sinnlichen Erfahrungen machen eine geführte Kräuterwanderung so wertvoll. Dabei geht es nicht allein darum, Pflanzennamen auswendig zu lernen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickeln vielmehr einen neuen Blick für ihre unmittelbare Umgebung.
Wer auch im eigenen Garten mehr Wildkräuter entdecken möchte, für den hat Gertie Kreuzer einen angenehm einfachen Rat: öfter einmal wachsen lassen. Wer auf chemische Mittel verzichtet und der Natur Freiraum gibt, kann häufig schon bald Spitzwegerich, Giersch, Löwenzahn oder Brennnesseln entdecken. Giersch beispielsweise besitzt einen würzigen Geschmack, der an eine Mischung aus Sellerie, Petersilie und Karotte erinnert.
Jede Region besitzt ihre eigenen Kräuterschätze
Welche Pflanzen besonders gut gedeihen, hängt stark von Boden, Höhenlage und Witterung ab. Auch NEW besitzt seine ganz eigenen Kräuterlandschaften. Rund um Waidhaus und in Richtung Neustadt findet Gertie Kreuzer beispielsweise häufig die Wald-Engelwurz. Die markante Pflanze spielte in der traditionellen Kräuterkunde über viele Generationen hinweg eine wichtige Rolle. Ihre Wurzel wurde unter anderem für verschiedene Ansätze und Kräuterzubereitungen genutzt.
Solche Beispiele machen deutlich, dass Naturwissen immer auch Heimatwissen ist. Wer die Pflanzen einer Region kennt, erfährt zugleich viel über deren Landschaft, Böden, Geschichte und frühere Lebensweisen.
Geschichten, die im Landkreis verwurzelt sind
Mit Porträts wie dem von Gertie Kreuzer zeigt Gern.Land!, wie viele besondere Geschichten in NEW zu entdecken sind. Es sind Geschichten von Menschen, die Wissen bewahren, Traditionen weiterentwickeln und ihre Begeisterung für die Heimat mit anderen teilen.
Der Ausflug in die Welt der Wildkräuter verändert dabei nicht nur den Blick auf Brennnessel, Giersch und Löwenzahn. Er erinnert auch daran, wieder aufmerksamer durch die eigene Umgebung zu gehen.
Denn manchmal liegen die spannendsten Entdeckungen direkt vor unseren Füßen. Wir müssen nur wieder lernen, genau hinzusehen.
Gern.Land!
Alle Ausgaben der Gern.Land! gibt es online auch als Blätter-PDF.










