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Eine kluge Entscheidung: Ministerpräsident lobt Tirschenreuths neues Rathaus

Tirschenreuth. Zur Wiedereröffnung des historischen Rathaussaals und zur Einweihung des neuen Rathauses II konnte Bürgermeister Franz Stahl zahlreiche Ehrengäste begrüßen.

Eine kluge Entscheidung: Ministerpräsident lobt Tirschenreuths neues Rathaus

Der traditionelle Banddurchschnitt vor dem Rathaus II mit Markus Söder (Vierter von Links), Franz Stahl (Vierter von rechts) sowie Architekt Peter Brückner, Vizepräsidentin der Regierung der Oberpfalz Christiane Zürn, Landrat Roland Grillmeier, Christian Doleschal, MdEP, 1. Landtagsvizepräsidenten Tobias Reiß und Projektleiter Torsten Will von Brückner & Brückner Architekten (von rechts). Foto; Norbert Grüner

Mit dabei waren unter anderem Ministerpräsidenten Markus Söder, der Erste Landtagsvizepräsidenten Tobias Reiß, der Bürgermeister der französischen Partnerstadt La Ville du Bois Jean-Pierre Meur, die Architekten Thomas Sticht (Historischer Rathaussaal) und Peter Brückner (Rathaus II) sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Violinisten Julius Meier.

“Städtebauliches Vorzeigeprojekt”

In seiner Festrede im historischen Rathaussaal würdigte Franz Stahl den Neubau des Rathauses II als Projekt, mit dem aus einer Brache ein städtebauliches Vorzeigeprojekt wurde, für die Bürgerinnen und Bürger ein modernes Verwaltungszentrum entstand und der Brückenschlag von der Historie zur Moderne gelungen ist.

Bürgermeister Franz Stahl bei seiner Festrede. Foto: Norbert Grüner
Ministerpräsident Markus Söder bei seinem Grußwort im historischen Rathaussaal. Foto: Norbert Grüner

Markus Söder wiederum betonte in seinem Grußwort die gestalterische Einbettung des Gebäudes in die Altstadt. Die Sanierung des Areals sei „eine kluge Entscheidung“ und darüber hinaus für Tirschenreuth eine der bedeutendsten innerstädtischen Strukturmaßnahmen aller Zeiten gewesen.

Zudem sei ein modernes Rathaus kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, denn die Verwaltung werde damit schneller, effektiver und verschlankt. Dies, sagte der Ministerpräsident weiter, motiviere nicht nur die Mitarbeiter, sondern sei auch für die Bürger von Vorteil.

Neue Heimat für viele Abteilungen

Im Erdgeschoss des Rathauses II befinden sich künftig die Tourist-Information, ein auf dem modernsten Stand der Technik befindlicher Sitzungssaal, die Büros des Stadtförsters und der IT-Mitarbeiter sowie der Sitzungsaal des Stadtrates. Auch öffentliche Toiletten sind mit integriert.

Im ersten Stock befinden sich die Kämmerei und das Bauamt, im Dachgeschoss eine kleine, trotz aller Digitalisierung noch notwendige Registratur. Ebenso konnte auf der Rückseite des Gebäudes eine Tiefgarage mit 25 nicht öffentlichen Parkplätzen integriert werden. Der Bürgermeister und sein Büro, das Standesamt und das Bürgerbüro verbleiben im alten Rathaus.

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Zwei Erdwärmesonden und Fotovoltaik-Anlagen

Auf der Höhe der Zeit ist das Rathaus II ebenfalls beim Thema Energie und Ökologie. So erzeugt auf dem Dach eine Fotovoltaik-Anlage Strom für den Eigenbedarf des Gebäudes. Elf über 140 Meter tiefe Erdwärmesonden sorgen darüber hinaus für eine regenerative Heizung im Winter und Kühlung im Sommer.

Weitere Aspekte sind die Dreifach-Isolierverglasung sowie energiesparende LED-Beleuchtung und Deckendämmungen. Und: Was möglich war, wurde von der Substanz des Altgebäudes erhalten. Beispielsweise die historische Fassade – oder auch der alte Dachstuhl, der nach der Sanierung wieder eingebaut wurde. Ebenso wie der alte Holzfußboden des historischen Rathaussaals, der unter einer Schuttschicht wiederentdeckt, ausgebaut, aufgearbeitet und wiedereingebaut wurde.

Geschichtlicher Hintergrund

Das Gebäude des neuen Rathauses hat eine lange Historie. Es könnte viele Geschichten erzählen, so

  • vom Stadtbrand 1814, bei dem es, wie 95 Prozent der Stadt, vollständig zerstört und anschließend wiederaufgebaut wurde,
  • vom langjährigen Hausnamen „Hörmann“, benannt nach seinem 1847 im Kataster verzeichneten Besitzer Amadeus Hörmann, eines Kaufmanns und Zimmermanns,
  • vom aktuellen Hausnamen „Ruffing“, benannt nach dem Hauseigentümer Karl Ruffing, der 1924, also genau vor 100 Jahren, dort eine Kolonialwarenladen anmeldete und der nach dem Zweiten Weltkrieg viele Jahre Tirschenreuths Erster Bürgermeister war,
  • vom Einzelhandel, der 40 Jahre lang – von 1975 bis 2015 – im Gebäude beheimatet war: von ALDI über Schlecker bis hin zum Bücherhaus Rode
  • oder auch vom Ankauf des Anwesens durch die Stadt, die dieses von Ende 2019 bis Mai 2024 umbaute.

Symbolische Schlüsselübergabe

Nach einem Ortswechsel vom historischen Rathaussaal zum neuen Rathaus II, der musikalisch von der Stadtkapelle Tirschenreuth begleitet wurde, erfolgte am Eingang des Gebäudes der traditionelle Banddurchschnitt. Anschließend überreichten Architekt Peter Brückner und Ministerpräsident Markus Söder den symbolischen Rathausschlüssel an Bürgermeister Franz Stahl.

Nach der anschließenden Segnung durch Stadtpfarrer Georg Flierl und Pfarrerin Stefanie Schön bestand dann für die Ehrengäste und zahlreich anwesenden städtischen Mitarbeiter die Möglichkeit, die neuen Räumlichkeiten persönlich in Augenschein zu nehmen – und sich bei einer anschließenden Brotzeit zum Geschehen auszutauschen.

Die Kosten

Die Sanierung des Rathaussaals hat 820.000 Euro gekostet, die Fördersumme beträgt rund 536.000 Euro. Das Rathaus II schlägt mit 13,4 Millionen Euro zu Buche, bei einer Förderung von rund 3,2 Millionen Euro.

2000 Besucher beim „Tag der offenen Tür“

Zu einer Besichtigung des neuen Rathauses waren am darauffolgenden Tag auch die Bürgerinnen und Bürger eingeladen. Rund 2000 nutzten die Gelegenheit, sich im Rathaus II umzusehen, auf dem Oberen Marktplatz mit Leberkäs’semmeln zu stärken, der Musik des Violinisten Julius Meier zu lauschen oder den historischen Tirschenreuth-Film aus dem Jahr 1974 anzusehen.

Vorführung des Tirschenreuth-Films aus dem Jahr 1974 im Sitzungssaal des neuen Rathauses beim Tag der offenen Tür. Foto: Mirko Streich

Bei sechs Aufführungen strömten geschätzte 600 Besucher in den neuen Sitzungssaal, in dem der Film auf einem großen Monitor lief. Richard Berndt, gebürtiger Tirschenreuther und Regisseur des Films, der eigens aus München angereist war, stand dabei ganztägig als Ansprechpartner zur Verfügung stand. Abgerundet wurde der Tag mit einem Kinderprogramm, bei dem das Team des Kinderhauses Kunterbunt und Zauberer Franz die Jüngsten begeisterten.