Malia - "One Grass Skirt To London"
MALIA
Malia (geboren 1978 in Malawi) ist eine in Paris lebende Jazz-Sängerin.Malias am Cool Jazz orientierter Gesangsstil kokettiert erfolgreich mit Stilen der 1960er- und 1970er-Jahre. 2004 wurde Malia für den deutschen Musikpreis Echo in der Sparte Jazz-Produktion des Jahres national/international nominiert.
Als Malia zum ersten Mal im Radio die Stimme von Billie Holiday hörte, war es um sie geschehen: „Das hat mich umgehauen. Es war, als ob der Himmel mir diese Musik geschickt hätte – ich hatte so etwas ja vorher noch nie gehört. Diese Musik eröffnete mir eine neue Welt.“ Prompt brachte Malia sich selbst zwanzig Jazz-Standards bei, engagierte einen Pianisten und trat in ihrer Wahlheimat London in Kneipen auf. Das war vor zehn Jahren. Heute ist die 30-Jährige mit ihrem leicht angerauhten Timbre selbst eine der ausdrucksstärksten und vielseitigsten Sängerinnen am souligen Jazz-Himmel.
Malia wuchs in Malawi auf, ihre Mutter war schwarz, ihr Vater ein weißer britischer Ingenieur. Malawi war eine ehemalige britische Kolonie und stark von Segregation und Rassimus geprägt, dass ihre Eltern zusammenlebten war nicht vorgesehen und brachte Probleme mit sich. Das Leben in der Ex-Kolonie beschreibt Malia als geschlossen und weltfremd, vom Westen abgeschottet, „wie in einer Blase“. Erst als sie nach London umzog – Malia war damals vierzehn – öffnete sich die Welt. Als sie dort später in einem Jazz-Restaurant arbeitete, lernte sie die Musik lieben, die sie heute selbst singt. Sie entdeckte die guten Platten und Billie Holiday, Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald wurden ihre Lehrerinnen. Jazz wurde zu ihrer Musik, die Jazz-Community zu einer neuen Heimat. „Songs wie ‚Strange Fruit’ und ‚Young, Gifted and Black’ lehrten mich, stark und stolz zu sein. Ich brauchte Duran Duran nicht, für mich wurde der Jazz zum Soundtrack meines Lebens.“
Wenn Malia heute Nina Simone singt, hat das auch damit zu tun, dass sie in sich selbst jetzt diese gewisse Reife spürt, ein tiefes Verstehen, das weit über die Sprache hinausreicht. Es entspricht ihrer Lebenserfahrung, der Mentorin auf diese Weise Dank zu sagen. Die Geschichten, die Simone sang und überlieferte, spielen bei Malias Interpretationen die Hauptrolle, Malia bewahrt jene Melodien von minimalistisch berauschender Größe und spitzt sie mit eindeutigen, beschwörenden Rezitationen noch zu. Wenn Malia heute Nina Simone singt, denkt sie an eine schwarze Orchidee. „Selten, schön, mächtig, mystisch, außerirdisch schwarz, überwältigend.“
Malia wird mit einem Pianisten zum Gastspiel nach Sulzbach-Rosenberg kommen.
Karten im Vorverkauf bei den bekannten Stellen.
MALIA’S – ONE GRASS SKIRT TO LONDON (MPS/Edel)
One Grass Skirt To London ist eine Reise über 8.200 Kilometern, von Malawi nach London, wohin Malia als Jugendliche ausgewanderte. Eine musikalische, geografische als auch zeitliche Reise. Doch vor allem ist es eine sentimentale Reise, da die 14 sorgfältig ausgewählten Songs auf diesem Album von einem unschätzbaren persönlichen Wert sind. Fast alle Cover stammen aus Filmsoundtracks, von „Everybody’s Talkin’“ aus Midnight Cowboy bis „Take My Breath Away“ aus Top Gun, von „Pure Imagination“ aus Charlie und die Schokoladenfabrik bis „Here on My Own“ aus Fame. Jeder dieser Songs hat die einzigartige Fähigkeit, durch die Musik und die von ihm hervorgerufenen Bilder, eine Emotion wiederherzustellen, die Malias eigene I d entität geprägt hat. Dies half ihr Herausforderungen im Leben zu bestehen und sich als Künstlerin weiterzuentwickeln. Es ist also nicht verwunderlich, dass man in Malias Stimme, manchmal sogar in ein und demselben Lied, das kleine Mädchen, die Jugendliche, die Frau, aber auch, wie durch eine faszinierende Wirkung der vokalen Transmigration, die Seele derjenigen hört, die nicht mehr da sind. Die kompromisslose Freiheit, die sie im Laufe ihrer Karriere mit mehreren Alben unterschiedlichster, aber oftmals klaren Ausrichtungen erworben hat, prädestinierte sie mehr als jede andere Interpretin dazu, neue Wege zu gehen und Songs zu erarbeiten, zu denen sie eine so starke persönliche Verbindung aufgebaut hat. Smooth Jazz, glamouröse Romantik, Electro Pop, Soul, Balladen, Music-Hall, Gospel Blues und sogar Reggae in einer erstaunlichen Version von Lee Marvins „Wand‘rin‘ Star“ – Malia gelingt es, einige der schönsten Themen der Filmgeschichte neu zu interpretieren, ohne dass man dahinter ein konzeptionelles Anliegen oder den Wunsch nach einem strategischen Rückzug ins Stilistische erkennen könnte. Was sie in diesen 14 Titeln vermittelt, sind entscheidende Momente ihres Lebens, intensive Emotionen, intime Offenbarungen, die sie im Halbdunkel der Kinosäle von Blantyre (Malawi), Putney im Süden Londons oder vor dem Familienfernseher erlebt hat. Durch die Filmmusik zollt sie auch ihrem Vater mit „When I’m Cleaning Windows“, das 1936 von George Formby für den Film Keep Your Seat Please geschaffen wurde, einen bewegenden Tribut. „Hinter jedem dieser Lieder steht entweder eine Erinnerung, eine persönliche Erfahrung oder das Gefühl, einen Teil von mir selbst weitergeben zu können. Ich bin mir bewusst, dass dieses Album verschiedene Genres umfasst. Aber wenn es ein bestimmtes Bild von mir vermitteln soll, dann das einer Musikliebhaberin im weitesten Sinne des Wortes. Wenn mich eine Musik berührt und bewegt, spielt es keine Rolle, welchem Genre sie angehört.“ Wie gewohnt, griff sie bei ihrer Band auf ein Trio, bestehend aus dem Pianisten Alexandre Saada, dem Bassisten Jean-Daniel Botta und dem Schlagzeuger Laurent Sériès zurück, mit dem Malia seit Black Orchid zusammenarbeitet. Mit ihnen zusammen schafft sie es, dieses Album zu einem der persönlichsten ihrer Diskographie zu machen. Francis Dordor
(Fotos by Tim Jäger)


