Erfolgsautorin Lucy Fricke beschließt mit Lesung Weidener Literaturtage
Erfolgsautorin Lucy Fricke beschließt mit Lesung Weidener Literaturtage
Tscharli Häusler, der Held aus Helmut Dietls Kultserie “Münchner Geschichten”, hätte Lucy Frickes Schulabschluss als “Dreiviertelreife” bezeichnet. Und er hätte damit völlig richtig gelegen. Die Erfolgsautorin ist mit 16 von zu Hause ausgezogen und von der Schule geflogen. “Ich wohnte alleine und bekam kein Geld von Zuhause.” Die gebürtige Hamburgerin hatte nämlich lieber in St. Paulis Kneipen gekellnert, als Schulwissen zu büffeln. 165 Fehlstunden waren der Schulleitung einfach zu viele. Zwei Jahre lebte sie einer betreuten Wohngemeinschaft. “Es war eine turbulente Jugend.”
Fußpflege ein No Go
Ein Germanistikstudium lag vorerst auf Eis. Das Arbeitsamt schlug ihr eine Ausbildung zur Fußpflegerin vor. Weil sie im Fragebogen angestrichen hatte, dass sie etwas mit Menschen machen wolle. Für Fricke damals ein absolutes No-Go. Obwohl: Ihre Schriftsteller-Kollegin Katja Oskamp habe mit ihren “Geschichten einer Fußpflegerin” ein Buch geschrieben, das sogar verfilmt wurde.
Arbeit als Script-Continuity beim Film
Da arbeitete Fricke aber schon lieber als Script-Continuity beim Film, musste also auf die Anschlüsse zwischen zwei Szenen achten. Im Klartext: Sie zeichnete verantwortlich dafür, dass ein Auto, das durch den Regen fährt, auch in der nächsten Einstellung nass bleibt. Dennoch durfte sie am Literaturinstitut studieren. Auch ohne Abi. Da war sie dann allerdings schon 30. Die Zulassung zum Studium war ihrer Lebenserfahrung geschuldet, die sie später auch in ihren Romanen verarbeitete.
Buch über einen männlichen Jammerlappen
Am Sonntagabend las Fricke bei den Weidener Literaturtagen in der Regionalbibliothek aus ihrem Buch “Das Fest”. Der Roman beschreibt einen liebenswerten, männlichen Jammerlappen in der Midlife Crisis. Einen einst gefeierten Regisseur ohne Auftrag und Ideen, der seinen 50. Geburtstag feiert und von einer Freundin auf eine Reise durch sein Leben geschickt wird, wo ihm Menschen begegnen, mit denen er zu tun hatte, die er aber verloren glaubte. Es ist ein Buch über Verluste, über das Verzeihen und über Freundschaften.
Ironische Zwischentöne
Mit Buchhändlerin Maria Rupprecht saß eine geniale und versierte Gesprächspartnerin mit auf dem Podium. Beide sprachen nicht nur über den Inhalt des Buches, sondern über die Branche und das Leben einer Buchautorin, die 2018 für ihren Roman “Töchter” mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Mit “Die Diplomatin” schrieb sie einen Bestseller. Die Autorin mit einem Feingefühl für ironische Zwischentöne beschreibt ihren Stil selbst als humorvoll, inspirierend und maximal sarkastisch. “Zynisch möchte ich nicht sein.”
Schon im Backfischalter an Literatur interessiert
An Literatur sei sie schon als Backfisch interessiert gewesen. “Ich habe aber nie gedacht, dass ich Schriftstellerin werde. Das erschien mir größenwahnsinnig.” Inzwischen würden ihr fünfstellige Beträge überwiesen. “Man fängt mit diesem Beruf nicht an, weil man reich werden will”, sagte die Autorin. Die Leidenschaft treibe einen an. “Für mich ist Schreiben so etwas wie mein Zuhause. Es ist wie mit der Welt da draußen zu kommunizieren.” Es sei ihre Art, sich mitzuteilen. Sie sei schüchtern gewesen. “Mit einem Mikrophon in der Hand hier zu sitzen, hätte ich mir vor Jahren niemals zugetraut.”

Literaturtage 2025: Lesung mit Doris Dörrie ausverkauft
Weiden. Lange Schlangen versperrten vor dem Oberen Tor den Zugang zur Fußgängerzone. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Lesung warteten die meist weiblichen Zuhörer auf den Einlass in die Buchhandlung Rupprecht.




