Kabarettistin Teresa Reichl begeisterte in Amberg mit einem Heldinnen-Epos
Kabarettistin Teresa Reichl begeisterte in Amberg mit einem Heldinnen-Epos
Der Ausflug in die Literatur mit einer gehörigen Portion Selbstreflexion sowie der Spagat zwischen moderner Sprache und altbewährter Vortragsform sorgten für einen unterhaltsamen, lustigen Abend in unnachahmlicher Art. Ein „Heldinnen-Epos“ par excellence, gefüllt mit Geschichten aus dem Leben einer 29-Jährigen mit Höhen und Tiefen. Die sympathische Haunersdorferin ging von Anfang an mit den Besuchern auf Tuchfühlung, verteilte Seitenhiebe an die Männerwelt und Politik, ohne jedoch in irgendeiner Weise die Grenze des guten Geschmacks zu überschreiten.
Sie berichtete unter anderem vom bestandenen Staatsexamen, ihrem Outing vor den Eltern und der Oma sowie einer schweren Kindheit mit unerkannten Depressionen ab dem zwölften Lebensjahr. „Amberg, lasst euch erleuchten“, ein Ausruf von ihr, der für den Abend charakteristisch war. Die Kabarettistin hat es verstanden, die Leute auf eine Reise mitzunehmen, die auch durch dunkle Täler ihres Daseins führte, aber immer rechtzeitig von Teresa mit viel Humor hell ausgeleuchtet wurde.
Ohne eine Pause einzulegen, endete eine beeindruckende eineinhalb-Stunden-Performance mit einer Gesangszugabe, die den ergreifenden Titel „Tief in mir sitzt ein Tampon, nicht wo es soll“ trug. „Das war einzigartig“, „Kabarett mal ganz anders“ oder „Teresa hat einfach einen Wiedererkennungswert, darum mag ich sie so“ waren nur einige Kommentare eines entzückten Publikums.
Lebenslauf Teresa Reichl
Eigentlich war Teresa Reichl schon auf dem besten Weg, Lehrerin zu werden. Sie absolvierte 2014 ihr Abitur am Gymnasium Landau an der Isar. Dort arbeitete sie anschließend ein Schuljahr lang als Lehrperson im Angestelltenverhältnis und unterrichtete unter anderem Deutsch als Fremdsprache. Parallel dazu trat Reichl regelmäßig bei Poetry-Slams auf. 2016 wurde sie zur bayerischen U-20-Meisterin in diesem Wettbewerb gekürt. „Das Lehramt hat auch etwas von einem Bühnenjob“, erklärt die in Haunersdorf aufgewachsene Niederbayerin. Man müsse in beiden Berufen frei vor Leuten sprechen und diese möglichst gut unterhalten können.
Ab 2020 spielte sie ihr erstes Kabarettprogramm „Obacht, i kann wos“. Seither war die Kabarettistin in verschiedenen TV-Sendungen wie „Vereinsheim Schwabing“, „schlachthof“ (BR), „Ladies Night“ (ARD) oder auch in Talkformaten wie „Auf der Couch“ (ZDF) oder „Karlsplatz“ (BR) zu sehen. Seit September 2024 spielt die ausgebildete Germanistin (inklusive Staatsexamen für Lehramt und Bachelor) ihr zweites Programm „Bis jetzt“. 2023 erhielt sie den bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie „Senkrechtstarter“, zwei Jahre später den deutschen Kleinkunstpreis.
Im März 2023 erschien Reichls erstes Buch „Muss ich das gelesen haben?“. 2024 folgte das Buch „But Make it Classy!“. Auch auf den Plattformen Instagram, TikTok und YouTube spricht sie regelmäßig über klassische Literatur. Seit August 2024 moderiert sie den Podcast „Lesen ist schwul“ mit Lena Krebs.
Interview Teresa Reichl
OberpfalzECHO: Liebe Teresa, zwei gute Freundinnen hatten Dich 2015 ohne Dein Wissen zu einem Poetry-Slam-Wettbewerb angemeldet. Du hast Dich der Sache gestellt und eine neue Leidenschaft war in Dir geboren. Wozu es letztlich geführt hat, zeigen nicht nur die ausverkauften Hallen bei Deinem Auftritt, sondern auch der Deutsche Kleinkunstpreis und der Bayerische Kabarettpreis wurden Dir verliehen. Wie dankbar bist Du heute Deinen damaligen Freunden und besteht der Kontakt zu ihnen noch?
Teresa Reichl: Zu einer Freundin habe ich tatsächlich leider keinen Kontakt mehr, aber natürlich bin ich beiden im Nachhinein sehr dankbar. Ohne deren Zutun wäre es wohl nie was geworden mit meiner Karriere.
Deine Eltern waren zu Anfang alles andere als begeistert, dass Du diesen Weg eingeschlagen hast. Wie ist die heutige Sichtweise von Papa und Mama?
Teresa Reichl: (lacht) Oh ja, aber jetzt finden sie es ganz toll, Leute zu kennen, die wir früher gemeinsam im Fernsehen gesehen haben. Es war nicht leicht für sie, als mein Bruder und ich gemeinsam verkündet haben, Gitarrist (er spielt in der Band „Tream“) und Kabarettistin zu werden.
Wer war oder ist Dein größtes Vorbild in der Kabarettszene?
Teresa Reichl: Eva Karl Faltermeier und Lara Ermer. Ich bewundere deren Arbeitsweise. Sie können einiges, was ich nicht kann. Aber ich bin nicht neidisch auf ihre Ideen. Denn was beide daraus machen, finde ich faszinierend.
Du bist nicht nur Kabarettistin, sondern auch Autorin. Deine beiden Bücher beschäftigen sich mit dem Umgang mit ernsthafter Literatur. Ein Anliegen von Dir ist es, besonders den Jugendlichen wieder Zugang zu diesem Schrifttum zu verschaffen. Wie ist da Deine Vorgehensweise und warum ist Dir das so wichtig?
Teresa Reichl: „Ich finde es wichtig, dass gerade junge Leute wieder einen einfachen, leichten Zugang zur Literatur finden.“ In vielen dieser Werke kann man lernen, wo wir herkommen und warum wir so sind, wie wir sind. Mit meinen Büchern will ich dazu Hilfestellung geben.
Wie würde von Dir jeweils ein charakteristischer Satz zu den Themen Religion, Liebe und Politik aussehen?
Teresa Reichl: Religion – muss jeder selber wissen; Liebe – so viel wie nur geht; Politik – uff
Welche Philosophie oder welchen Ratschlag kannst Du unseren Lesern und Deinen zahlreichen Fans mit auf den Weg geben?
Teresa Reichl: Manchmal sollte man einfach sein Selbstbewusstsein auslagern. Beispiel: Als ich erfahren habe, dass ich in Amberg vor 300 Leuten spielen soll, habe ich mich gefragt, ob wir das überhaupt vollbekommen. Ich habe aber den Profis vertraut, die mir das bejaht haben, und was soll ich sagen: sie haben recht behalten.







