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Naturfreunde Weiden gedenken in Flossenbürg der NS-Opfer

Weiden. Naturfreunde aus Weiden besuchten die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg. Vor Ort ging es um Fakten, Erinnerungskultur und das späte klare Bekenntnis des Bundestags von 2020.

Weiden. Naturfreunde aus Weiden besuchten die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg. Vor Ort ging es um Fakten, Erinnerungskultur und das späte klare Bekenntnis des Bundestags von 2020.
Gruppe vor dem Gebäude am Plattenberg. Foto: Sebastian Flaschel

Naturfreunde Weiden gedenken in Flossenbürg der NS-Opfer

Niemand war „zu Recht“ in einem Konzentrationslager!

Besuch der Gedenkstätte Flossenbürg

Gemeinsam mit einigen Naturfreunden aus Nürnberg verbrachten Mitglieder der Naturfreunde aus Weiden einen Tag auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg. Unter fachkundiger Begleitung durch einen pädagogischen Mitarbeiter der Gedenkstätte informierten sie sich am authentischen Ort über das menschenverachtende Programm der Nationalsozialisten „Vernichtung durch Arbeit“. Dies steht in totalem Widerspruch zur Werthaltung des Verbandes für nachhaltigen Tourismus, betonte Lisa aus Nürnberg, denn „Naturfreund sein heißt Mensch sein“.

Aufarbeitung und Anerkennung der Opfergruppen

Neben der Vermittlung von Fakten befassten sich die Teilnehmenden vor allem mit dem Ringen um einen angemessenen Umgang mit den Relikten am Ort und den verschiedenen Interessenlagen im Ort, bei den Überlebenden und ihren Angehörigen oder in der staatlichen sowie zivilgesellschaftlichen Erinnerungskultur. Erst 75 Jahre nach Kriegsende gab es den wichtigen Beschluss des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2020: „Niemand war ‚zu Recht‘ in einem Konzentrationslager, auch keine sogenannten ‚Berufsverbrecher‘ oder ‚Asozialen‘.“ Mit grünen Winkeln wurden angebliche Berufsverbrecher gebrandmarkt, die mehrheitlich Kleinkriminelle aus Not waren. Als „Asoziale“ wurden unter anderem Wanderarbeiter und Mittellose stigmatisiert, die auf ihrer Kleidung schwarze Winkel tragen mussten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg können drei Phasen unterschieden werden: (Phase 1) Bis 1988 unterstand ein kleiner Teil des ehemaligen Lagergeländes der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Vergessen und mit Bäumen zuwachsen lassen standen im Vordergrund. Ein großer Teil befand sich in wenig geplanter Nachnutzung für Wohngebäude oder Wirtschaftsbetriebe. (Phase 2) Ab 1988 lag die Zuständigkeit beim Bayerischen Kultusministerium; in dieser Phase geschah auch kaum etwas. Ein wichtiger Impuls kam im Jahr 1997, als die französische Firma Alcatel die Produktion im ehemaligen Häftlingsbad und der Wäscherei einstellte. Davor hatte auch die Kabelfabrik ke-autoelectric als Automobilzulieferer zahlreiche Arbeitsplätze im Ort ermöglicht.

Vergleich Lagerkomplex April 1945 und heute. Foto: Astrid Müller
Guide und Gruppe. Foto: Dieter Weidhas

Erhalt und Bildungsarbeit seit 2003

(Phase 3) Seit 2003 befindet sich der Erinnerungsort unter dem Dach der Bayerischen Gedenkstättenstiftung. Jetzt sind dort rund 50 Mitarbeitende für wissenschaftliche und pädagogische Aufgaben beschäftigt. Auch fließt viel Geld in den Erhalt der Gebäude. Neben den beiden Ausstellungen konnte die Gruppe auch den ehemaligen NS-Granitsteinbruch und das Verwaltungsgebäude von außen besuchen. Der SS-eigene Betrieb DEST (Deutsche Erd- und Steinwerke) lieferte unter anderem „deutschen Stein“ für Treppenstufen für die SS-Wewelsburg in Nordrhein-Westfalen, einen Schulungs- und Versammlungsort der SS.

Nach der Rückkehr ins Wanderheim in Trauschendorf setzten sich die angeregten Gespräche über die Erfahrungen des Besuchs des ehemaligen Konzentrationslagers fort. Hier standen Fragen des Ringens um die Deutungshoheit und die Narrative privater Initiativen wie der Evangelischen Jugend Oberfranken oder der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges Konzentrationslager Flossenbürg e. V. (ArGe) der DGB Jugend Oberpfalz im Mittelpunkt. Herbert Schmid als Vorsitzender der ArGe und der Naturfreunde Weiden erklärte, dass die ArGe im Jahr 2026 ihr 40-jähriges Gründungsjubiläum feiern kann.

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