Neue Gästeführer werden das Gesicht der Stadt Weiden
Neue Gästeführer werden das Gesicht der Stadt Weiden
Elf neue Gästeführer werden künftig Besuchern und Einheimischen die Geschichte Weidens näherbringen. Im Alten Rathaus überreichte Bürgermeister Jürgen Meyer am Donnerstagabend den Absolventinnen und Absolventen ihre Zertifikate und würdigte den großen Einsatz, den sie in den vergangenen Monaten geleistet haben. Mit dabei war Kulturamtsleiterin Sabine Guhl.
Hinter den Teilnehmern liegen zahlreiche Schulungsstunden und eine anspruchsvolle Abschlussprüfung. Sie eigneten sich historisches Wissen, Zahlen und Fakten zur Geschichte Weidens sowie Methoden der Gästeführung an. „Die Urkunden sind eine Anerkennung für Ihren Fleiß, Ihre Neugier und Ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Stadt und ihre Geschichten zu übernehmen“, sagte Meyer. Künftig seien sie „das Gesicht dieser Stadt“.
Organisiert wurde die Ausbildung vom Amt für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus mit Kevin Lorenz, Susanne Hirmer und Christine Kloos von der Tourist-Info. Den historischen Input gab Dr. Sebastian Schott, Leiter von Stadtarchiv und Stadtmuseum. „Wenn wir in Weiden ‚Lexikon‘ sagen, schauen wir zu Dr. Schott“, scherzte der Bürgermeister.
Das sind die elf neuen Gästeführer
Unterstützt wurde das Schulungsteam von der ehemaligen Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz, die über den Komponisten Max Reger und die Kirche St. Josef referierte, sowie von Museumspädagogin Regine Leipold von Cultheca aus Regensburg, die sich den Themen Pädagogik und Didaktik widmete.
Die Zertifikate erhielten Katharina Kühnelt, Monika Rottmann, Martina Krichenbauer, Irena Vacíková, Daniel Kroha, Stefan Schäffler, Karin Rittner, Elfie Cummings, Christine Hoffer, Christian Batsch und Anett Neumann. Eine Urkunde überreichte Meyer außerdem an Teilnehmerin Anke Reiß für ihr großes Interesse an der Geschichte der Stadt.
Exkursion zur NS-Geschichte
Auf Wunsch der Teilnehmer hatte Schott eine zweistündige Führung zu einem seiner Schwerpunkte vorbereitet. Thema: Judenverfolgung und Nationalsozialismus. Er führte an Orte der Innenstadt, die Schauplatz dieses bedrückendsten Kapitels der Stadtgeschichte waren.
Marina Jurowetzkaja von der Jüdischen Gemeinde ermöglichte eine Besichtigung der Synagoge, die 1938 in der Pogromnacht zerstört und erst nach dem Zweiten Weltkrieg von Displaced Persons – Überlebenden der Konzentrationslager, zumeist osteuropäischen Juden – wieder eröffnet wurde. Die Jüdische Gemeinde war damals bis zu 800 Personen stark. Die meisten warteten in Weiden auf eine Gelegenheit zur Auswanderung. Von diesen Träumen von Palästina zeugen bis heute Decken- und Wandmalereien von Jehuda Fefer.
Weitere Stationen waren ehemalige Geschäftshäuser jüdischer Weidener, wie das Kino Spitz (zuletzt Deichmann), das Kaufhaus Krell (jetzt Witt) und Nußbaum (Targobank). Ab 1933 waren jüdische Kaufleute systematisch ihrer Existenz beraubt worden. Historisches Bildmaterial zeigte Schott am Alten Rathaus, etwa die Machtübernahme. Am 11. März 1933 wurde die Hakenkreuzflagge auf dem Alten Rathaus gehisst. Die Teilnehmer gingen zudem zum jetzigen Finanzamt (damals Erbgesundheitsgericht) und zur Regionalbibliothek, die früher das Landgerichtsgefängnis war. Von hier aus wurden Sozialdemokraten und jüdische Männer in das Konzentrationslager Dachau gebracht.
Gästeführer über www.tourismus-weiden.de
Zum Abschluss überraschten die Gästeführerinnen Martina Krichenbauer und Irena Vacíková den Historiker mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Archivist“ („meine künftige Dienstkleidung“). Gleichzeitig bedankte er sich bei der Gruppe für einen „wunderschönen Kurs“: „Sie werden tolle künftige Stadtführer sein.“
Die Gästeführer können ab sofort „gebucht“ werden. Die Vermitlung läuft über die Tourist-Info der Stadt Weiden, die auf eine neue Website umgezogen ist. Sie ist jetzt unter www.tourismus-weiden.de zu finden.







