Krone, Killerkaninchen und grüner Glitzer: Das große Spamalot-Finale in Neunburg
Krone, Killerkaninchen und grüner Glitzer: Das große Spamalot-Finale in Neunburg

Drei Jahre lang hat das OVIGO-Ensemble mit Monty Pythons „Spamalot“ die Säle der Region zum Toben gebracht. Jetzt steht in der Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald der Abschied an: Vier Vorstellungen gibt es noch, dann fällt der letzte Vorhang. Vorher haben Schauspieler und Musiker dem ECHO verraten, was sich hinter den Kulissen abspielt und worauf man beim nächsten Besuch achten sollte.
Ein blinder Mann hat Michael Zanner nach einer Vorstellung in Neunburg erzählt, wie sehr ihn das Stück umgehauen hat. Die Musik habe ihn berührt, er habe Tränen gelacht. „Es gibt so viele Anekdoten“, sagt der Lappersdorfer, der seit drei Jahren König Artus spielt, „aber die ist mir ganz besonders im Kopf geblieben.“ Für ihn hat sich mit der Rolle ein Lebenstraum erfüllt: einmal in einem Musical mitzuspielen, das auf einem Lieblingsfilm seiner Kindheit basiert, den „Rittern der Kokosnuss“. „Ich bin sehr damit gewachsen.“
Mit dem Erfolg hatte trotzdem kaum jemand gerechnet. „Wir waren stets zuversichtlich, aber niemand hatte erwartet, was wir am Ende zur Premiere auf die Bühne gebracht haben“, sagt Zanner. Nach der Premiere lagen sich alle heulend vor Glück in den Armen. Bernhard Beer aus Amberg, der unter anderem Prinz Herberts Vater spielt, geht es ähnlich: „Ich erinnere mich an keine Vorstellung ohne frenetischen Applaus und ohne Standing Ovations.“
Das Stück hinter dem Stück
Was das Publikum nicht sieht, ist mindestens so spektakulär wie das, was auf der Bühne passiert. Bernhard Beer schildert es so: Garderobieren stehen bereit, wenn Kostüme in Windeseile gewechselt werden müssen, Maskenbildner schminken nach oder um, Tänzerinnen hetzen zur nächsten Position und bekommen im Vorbeigehen noch schnell eine Feder auf den Kopf gesteckt, Helfer bauen unter Zeitdruck das Bühnenbild um. „Und das alles bei laufender Vorstellung, ganz leise, damit das Publikum nichts davon mitbekommt.“
Für ihn hat sich durch Spamalot der Blick aufs Theater verändert. „Ein Gelingen liegt nicht nur an den Schauspielern und dem Bühnenbild. Es ist ein Gesamtkunstwerk.“ Finn Ebenschwanger aus Schwandorf, der Prinz Herbert spielt, hält die Leistung der Crew für rekordverdächtig: „Was hinter der Bühne mit Quick-Changes, Tape-Kleben und Requisiten-Zuwerfen geleistet wurde, gehört eigentlich ins Ovigo-Book-of-Records.“ Das Schönste sei gewesen, dass alle die besten Cheerleader füreinander waren. Hinter der Bühne wartet man auf bestimmte Szenen und amüsiert sich jedes Mal wieder darüber.
Worauf man beim zweiten Besuch achten sollte
Wer Spamalot schon gesehen hat, kann beim Wiedersehen gezielt auf die kleinen Dinge achten, an denen die Darsteller hängen. Bernhard Beer etwa legt Sir Robin bewundernd und verehrend eine Rose aufs Klavier. Sein Lieblingskostüm ist der rot-goldene Umhang des „verarmten Königs aus dem Sumpf“: „Sobald ich ihn anziehe, schlüpfe ich in die Rolle.“
Bei Michael Zanner ist es die Krone. „Sobald ich die aufhabe, bin ich Artus. Auch wenn das so ein windiges Ding ist und ich mich immer noch frage, wie sie den vielen Schweiß überstehen konnte. Aber sie hält.“ Finn Ebenschwanger schwört auf Herberts Frucht-Hut, der in einem seiner Lieblingssongs vorkommt und den er Sekunden vor dem Auftritt unter Adrenalin noch zehnmal kontrolliert. „Dank geht raus an Charlotte!“ Gemeint ist Regieassistentin Charlotte Bielefeldt.
Der Weidener Markus Pleyer, hier nicht als Radiomoderator, sondern als Gott und Historiker im Einsatz, hat eine klare Favoritin: die Spam-Dose. „Wann hat man schon mal die Chance, als Dose auf der Bühne zu tanzen?“ Das Zidane-Trikot und die Regenbogenfähnchen fand er aber „auch sehr nice“. Seine Bilanz nach drei Jahren als Allmächtiger: „Gar nicht so leicht, die Aufgabe.“
Und dann ist da noch das Killerkaninchen. Lena Kohl aus Nürnberg wird als Sir Bors von ihm angegriffen und muss das Plüschtier im richtigen Moment fangen. „Das klingt erst einmal nicht schwierig, wird aber in einem Kostüm, in dem man kaum etwas sieht und sich nur eingeschränkt bewegen kann, zur echten Herausforderung.“ Nach ihrem „Kopfverlust“ wirft sie es zurück. Ihr Fazit: „Eines muss man dem Kaninchen lassen: Es hat mich in drei Jahren noch nie im Stich gelassen.“
Grüner Glitzer und eine zweite Familie
Spuren hinterlässt Spamalot auch ganz wörtlich. Martina Baumer aus Oberviechtach, die in der Live-Band Keyboard spielt, findet noch Wochen nach der letzten Vorstellung grüne Glitzer-Flinserl vom Make-up: im Bad, an der Kleidung, „an Stellen, an denen man sich fragt: Wie zur Hölle ist das da hingekommen? Und jedes Mal: Ach ja … Spamalot.“ Ihr Gänsehautmoment waren die Standing Ovations bei der Premiere und 600 Menschen im Amberger ACC, die gemeinsam „Always Look on the Bright Side of Life“ sangen. Angefangen habe sie mit dem Ziel, in den Noten zu finden, wo die Band gerade ist. „Und plötzlich sitze ich da und spiele tatsächlich mit. Nehmt das, Selbstzweifel!“
Lena Kohl ist nach eigenen Worten selbstbewusster geworden und hat gelernt, sich auf andere zu verlassen. Finn Ebenschwanger hat beobachtet, wie aus jungen Schauspielerinnen und Schauspielern junge Erwachsene wurden und Regieassistenten plötzlich spontan mit auf der Bühne standen. Für Markus Pleyer war es das Spannendste, zu sehen, wie aus Menschen verschiedenen Alters, die sich teils noch gar nicht kannten, „ein Wahnsinnsteam“ entstand.
Gefragt, was sie am meisten vermissen werden, antworten alle dasselbe: die Menschen. „Spam-Family“ nennen sie sich inzwischen. „Das wird ein sehr schwerer Abschied“, sagt Pleyer. Michael Zanner nimmt es mit Artus-Würde: „Alles hat mal ein Ende. Ich bin unendlich dankbar für die Zeit.“ Wer diese Truppe noch einmal erleben will, hat dazu in Neunburg vier Gelegenheiten.
Von der Teddy-Kuh bis zur Tiefgarage
Bis die Ritter der Kokosnuss zum ersten Mal über die Bühne galoppierten, ist mehr passiert, als sich das Publikum vorstellen kann.
- Die fliegende Kuh der Franzosen war früher der Teddybär eines verflossenen Liebhabers.
- Das Killerkaninchen hat ein eigenes Training absolviert.
- Regisseur Florian Wein ließ sich in einer Pfreimder Tiefgarage in ein Banner einrollen,
- und für die große Burg ackerte das Team tagelang in einer Werkstatt in Andechs.
- Dazu kommen Tanzproben auf dem Parkplatz,
- eine Nähmaschine, die bei keiner einzigen Vorstellung fehlen durfte,
- und eine Technik-Crew, die sich als spanische Inquisition verkleidet hat.
Unsere Bildergalerie zeigt drei Jahre Spamalot so, wie sie das Publikum nie zu sehen bekommt. Und wer genau hinschaut, entdeckt beim nächsten Vorstellungsbesuch so manches Detail dieses spektakulären Mega-Erlebnisses wieder.
Spamalot – die letzten Vorstellungen
Termine: Samstag, 10. Oktober, 20.00 Uhr; Sonntag, 11. Oktober, 19.00 Uhr; Freitag, 16. Oktober, 20 Uhr; Derniere am Samstag, 17. Oktober, 20 Uhr (zum letzten Mal), jeweils Schwarzachtalhalle Neunburg vorm Wald
Karten: 19,50 bis 21 Euro, ermäßigt 13,50 bis 15 Euro (Schüler, Studenten, Schwerbehinderte, Begleitpersonen); Gruppenrabatt 12 % ab 10, 18 % ab 20, 22 % ab 30 Personen
Neunburg-Special: Neunburger Bürger und Mitglieder Neunburger Vereine zahlen 10,50 Euro pro Ticket bei Bestellung zwischen 2. und 17.10., per Mail mit Wunschtermin an tickets@ovigo-theater.de
Vorverkauf: online bei OK-Ticket, telefonisch oder per WhatsApp unter 0160 / 92 46 10 82 sowie an den Vorverkaufsstellen. Alle Infos: ovigo-theater.de/spamalot

























































