Wunderbar: St. Josef Weiden öffnet seine Schatzkammer
Wunderbar: St. Josef Weiden öffnet seine Schatzkammer
Zum 125-jährigen Jubiläum der Stadtpfarrkirche St. Josef Weiden öffnete die Pfarrei am Mittwoch Bereiche, die Besuchern sonst weitgehend verborgen bleiben. Pfarrer Markus Schmid, Mesner Alexander Panzer und zahlreiche ehrenamtliche Helfer stellten sich den Fragen der Besucher. Bei der Veranstaltung „Blick hinter die Kulissen“ konnten Interessierte an mehreren Stationen liturgische Kostbarkeiten, historische Paramente und besondere Stücke aus dem Besitz der Pfarrei entdecken.
Ergänzt wurde die Ausstellung durch Videos über die Glocken und die Orgel sowie Informationen zur Geschichte des imposanten Gotteshauses. Damit rückte nicht nur die Architektur der Jugendstilkirche in den Mittelpunkt. Vor allem Gegenstände, die gewöhnlich nur bei besonderen Gottesdiensten oder Prozessionen verwendet werden, erzählten von mehr als einem Jahrhundert gelebter Kirchengeschichte in Weiden.
Die Michaelsmonstranz als besonderer Schatz
Unübersehbarer Mittelpunkt der Ausstellung war die große Michaelsmonstranz am Hauptaltar. Das rund 110 Zentimeter hohe Kunstwerk besteht aus Silber und ist teilweise vergoldet. Statt eines gewöhnlichen Schaftes trägt die Monstranz eine Darstellung des Erzengels Michael. Er erscheint gerüstet mit Panzer und Schwert. Am Fuß sind Wolken und Engelköpfe gestaltet, über dem Erzengel befindet sich die Bundeslade. Die Monstranz entstand um 1700 und stammt aus dem Kloster Waldsassen. Damit reicht ihre Geschichte deutlich weiter zurück als diejenige der Josefskirche. Zugleich verbindet sie St. Josef mit der älteren katholischen Geschichte Weidens. Die Monstranz gilt als bedeutendster und materiell wertvollster Weihegegenstand der Pfarrei. Heute kommt sie wieder bei der Fronleichnamsprozession durch die Stadt zum Einsatz und ist außerdem am Michaelstag zu sehen.
Kelche, Reliquien und historische Messgewänder
Vor dem Hochaltar präsentierte die Pfarrei mehrere Kelche in Vitrinen. Interessante Beschriftungen informierten über Alter und Besonderheiten der einzelnen Stücke.
Auch der wertvollste Kelch der Pfarrei war zu sehen. Im liturgischen Alltag bleibt er eine Ausnahme: Er wird nur an Ostern, Weihnachten und Pfingsten verwendet.
Im linken Seitenschiff widmete sich eine weitere Ausstellung historischen Messgewändern in verschiedenen liturgischen Farben. Erläuterungstafeln ordneten die Paramente zeitlich ein und erklärten ihre Bedeutung. Der Bestand entstand sowohl durch Anschaffungen der Pfarrei als auch durch Nachlässe von Priestern. Darunter befindet sich das Primizmessgewand von Pfarrer Markus Schmid.
Zu sehen waren überdies Reliquien. Kleine Knochenteile, die Heiligen zugesprochen sind, wurden in kunstvoll gestaltete Tafelschreine eingebettet. Die Beschriftungen nennen unter anderem S. Mauri, S. Bonifacius M. und S. Candidae. Rote textile Unterlagen, Drahtarbeiten, Glassteine und sorgfältig gefasste Partikel bringen diese Gegenstände in ein ganz besonderes Licht.
Restaurierter Baldachin erzählt eine überraschende Geschichte
Ein weiterer Blickfang stand im rechten Seitenschiff: ein restaurierter Baldachin aus der Anfangszeit der Pfarrei. Engel und florale Elemente zeigen deutlich die Sprache des Jugendstils. Eine niederbayerische Paramentenstickerei restaurierte den sogenannten „Himmel“ sorgfältig, ersetzte fehlende Quasten und erneuerte das Deckfutter. Noch heute wird der Baldachin bei der jährlichen Fronleichnamsprozession eingesetzt.
Einen ungewöhnlichen Hinweis auf sein Alter lieferte ausgerechnet die kürzlich erfolgte Reparatur. In der Halterung einer der vier Tragestangen fand sich ein Opernprogramm aus dem Jahr 1906, das als Unterfütterung verwendet worden war. Deshalb lässt sich die Entstehungszeit ziemlich genau eingrenzen.
Rauchmantel und lebendige liturgische Tradition
Unter dem Baldachin zeigte die Pfarrei einen historischen „Rauchmantel“ aus der Anfangszeit von St. Josef. Auch dieses Gewand wurde vor zwei Jahren restauriert. Der halbkreisförmige, vorne geschlossene Umhang gehört zu den prächtigen liturgischen Gewändern der Josefskirche. Verwendung findet er beispielsweise bei Prozessionen, feierlichen Andachten, Segnungen oder bei der Aussetzung des Allerheiligsten.
Die Ausstellung machte damit deutlich, dass viele historische Gegenstände in St. Josef keine reinen Museumsstücke sind. Nach dem erklärten Anliegen von Pfarrer Markus Schmid sollen liturgische Gegenstände nicht nur hinter Glas präsentiert, sondern weiterhin ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprechend genutzt werden.
Auch das Pfarrheim wird zum Ausstellungsraum
Die Präsentation setzte sich im Pfarrheim fort. Historische Zeitungsdokumente erinnerten an wichtige Jubiläen der Pfarrei. Videos und Schautafeln vermittelten Details zur Orgel und zu den Glocken.
Interessante Architekturzeichnungen und Querschnitte machten die Dimensionen des Kirchenbaus sichtbar. Neue Messungen beziffern die Höhe des linken Turmes auf 60,06 Meter, des rechten auf 59,80 Meter. Der Unterschied beträgt nach den im Pfarrheim ausgestellten Plänen lediglich 26 Zentimeter. Die Aufrisse verdeutlichten die präzise technische und handwerkliche Leistung hinter dem von 1899 bis 1901 errichteten Gotteshaus.
Festwoche in St. Josef nähert sich dem Höhepunkt
Nach zahlreichen Veranstaltungen ist am Wochenende der spirituelle Höhepunkt mit dem großen Festgottesdienst.
Das Hochamt mit Chor zum Abschluss der Festwoche ‚125 Jahre St. Josef‘ findet um 10.00 Uhr statt. Hauptzelebrant ist Stadtpfarrer Markus Schmid, Festprediger Dekan Roman Gerl.










