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Theaterstück SAD-88 bewegt Publikum in Flossenbürg

Flossenbürg. Bei der Langen Nacht der Demokratie bewegte das OVIGO Theater mit SAD-88 in der KZ-Gedenkstätte die Besucher tief, nach stillen Minuten für die vier Opfer folgte großer Applaus.

Flossenbürg. Bei der Langen Nacht der Demokratie bewegte das OVIGO Theater mit SAD-88 in der KZ-Gedenkstätte die Besucher tief, nach stillen Minuten für die vier Opfer folgte großer Applaus.
Foto: Cora Wein / OVIGO Theater

Theaterstück SAD-88 bewegt Publikum in Flossenbürg

Die Besucher waren sich einig: Die Vorstellung von „SAD-88“ am vergangenen Sonntag war tief beeindruckend. Nach jeweils einer langen Schweigeminute, nachdem die Schauspieler von der Bühne gegangen sind und den vier Opfern den Raum gegeben haben, brandete großer Applaus auf. Ein Lohn für die erfolgreiche Umsetzung des schweren Stoffes, den das OVIGO Theater mittlerweile an mehreren Spielorten umgesetzt hat. Nun folgte ein ganz besonders geschichtsträchtiger Ort: die KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg. Veranstaltet wurde der Abend vom OVIGO Theater, dem Team der Gedenkstätte und des Museumscafés sowie der vhs Weiden-Neustadt, die „SAD-88“ in das Programm der „Langen Nacht der Demokratie“ aufgenommen hatte.

SAD-88: Szenen-Collage und Erinnerung an die Opfer

Sämtliche Aufführungen waren bislang ausverkauft. Auch an diversen Schulen sind die Theatermacher laufend zu Gast. „SAD-88“ wurde zu einer multimedialen Szenen-Collage, bei der es nicht nur um den rechtsradikalen Brandanschlag auf das Schwandorfer Habermeierhaus am 17. Dezember 1988 geht. Der stadtbekannte Neonazi und Berufsschüler Josef S. steckte damals das Haus in Brand und verschuldete damit den Tod von vier Menschen: Osman Can (50), Fatma Can (43), Mehmet Can (12), Jürgen Hübener (47). Vor Gericht lieferte er den Grund: Er hasste Ausländer.

Gedenken, Mahnung und aktuelle Bezüge

Lange Zeit tat man sich in der Stadt und der Region schwer, mit dem Geschehenen umzugehen und es aufzuarbeiten. „‚SAD-88‘ soll einen Beitrag leisten“, so Autor und Regisseur Florian Wein, der die verschiedenen Szenen zusammengesetzt hat. „So etwas darf nicht wieder passieren. Wir möchten gedenken, erinnern und mahnen. In unserem derzeitigen gesellschaftlichen Klima ist dies wichtiger denn je.“

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Foto: Cora Wein / OVIGO Theater

Uraufführung am Jahrestag – Hinterbliebene vor Ort

Das Stück wurde am Jahrestag des Anschlags – am 17. Dezember 2024 – uraufgeführt. Mit Leyla Kellecioglu war auch eine Hinterbliebene der Opfer vor Ort. Sie verlor beim Brandanschlag ihre Eltern und ihren zwölfjährigen Bruder. Unter Tränen dankte sie dem OVIGO Theater nach der Vorstellung für die Bühnenumsetzung des Themas.

Aktuelle Entwicklungen im Blick

Dabei wird auch der Bogen zu heute gespannt und bedenkliche Entwicklungen nicht nur in Deutschland aufgezeigt. „Es hört einfach nicht auf“ ist ein Satz, der im Stück immer wieder zu hören ist. Vor dem Hintergrund der letzten Wahlergebnisse und der Verbrechen, die sich am Spielort in Flossenbürg ereigneten, wirkte der Inhalt nur umso brutaler.

Zahlreiche Stimmen und Zeitzeugen

„Das Publikum darf nicht gleichgültig wieder nach Hause geschickt werden“, so Florian Wein, der auch selbst eine der vier Schauspiel-Parts übernommen hat. In „SAD-88“ kommen zahlreiche Stimmen aus Politik und Gesellschaft zu Wort. Dazu zählen neben den Hinterbliebenen und Überlebenden auch Politiker wie Franz Schindler, Michael Kaplitz oder Irene Maria Sturm, die jahrelang für ein angemessenes Gedenken gekämpft hat, damalige Feuerwehrleute, Ersthelfer oder der damalige Berufsschullehrer des Täters, Günter Kohl.

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Prominente Mitwirkung: Anna Maria Sturm

Als besonderen Coup hat das OVIGO Theater die bekannte Film- und TV-Schauspielerin Anna Maria Sturm für die Produktion gewonnen, die als Tochter von Irene Maria Sturm eh schon einen besonderen Bezug zur Thematik hat. „Ähnlich war es für sie auch schon im Film ‚Wackersdorf‘“, erzählt Florian Wein.

Die 42-Jährige hatte ihren Durchbruch mit den erfolgreichen Kinofilmen „Beste Zeit“ (2007), „Beste Gegend“ (2008) und „Beste Chance“ (2014) von Marcus H. Rosenmüller. Sturm spielte außerdem an der Seite von Matthias Brandt in der Krimireihe „Polizeiruf 110“ oder eine Hauptrolle in der „Tatort“-Folge „Nie wieder frei sein“. Als weitere Schauspieler sind in „SAD-88“ neben Sturm und Wein Lisamarie Berger und Daniel Adler zu sehen.

Schultour und weitere Termine

Das OVIGO Theater möchte das Stück „SAD-88“ auch in Zukunft an vereinzelten regulären Terminen anbieten. Ab sofort ist das Team mit dem Stück aber auch wieder auf großer Schultour und besucht bereits verschiedene Einrichtungen im gesamten Bezirk.

Alle Informationen zur Buchung findet man unter ovigo-theater.de.

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