Eine Schnapszahl zum 55. Geburtstag - Seniorenclub Gretl Fastner der AWO Neustadt feiert
Eine Schnapszahl zum 55. Geburtstag - Seniorenclub Gretl Fastner der AWO Neustadt feiert
55 Jahre ist eigentlich keine klassische Jubiläumszahl. Für den Seniorenclub „Gretl Fastner“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Neustadt/WN passt die Schnapszahl aber bestens. Denn eigentlich hätte die Gruppe bereits vor fünf Jahren ihr 50-jähriges Bestehen feiern wollen. Corona machte den Senioren damals einen Strich durch die Rechnung. „Dann warten wir eben noch ein paar Jahre“, hieß es damals. Nun holt die Gemeinschaft die Feier nach.
Programm zum Jubiläum
Am 7. Oktober steht deshalb ab 11 Uhr das 55-jährige Bestehen im Mittelpunkt. AWO-Ortsvereinsvorsitzender Franz Witt und Seniorenclubleiterin Karin Rößler stellten gemeinsam das Programm zusammen. Neben Rückblicken und Festreden soll ausreichend Zeit für Gespräche und Erinnerungen bleiben. Nach dem Mittagessen geht es gemütlich weiter, ehe ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen auf die Gäste warten.
Gretl Fastner legte den Grundstein
Die Geschichte des Seniorenclubs begann 1971. Unter dem damaligen Vorsitzenden Sepp Eichinger und seinen Mitstreitern wurde der „Altenclub“ ins Leben gerufen. Im Gasthaus „Wieselbrunnen“ fanden die älteren Mitglieder ihr erstes Zuhause. Gretl Fastner übernahm die Leitung und gab dem Club später auch seinen Namen.
Die Gründung kam nicht von ungefähr. Der AWO-Ortsverein, der sich bereits 1946 wiedergegründet hatte, zählte zahlreiche ältere Mitglieder. Gleichzeitig stießen immer mehr jüngere Menschen zur Arbeiterwohlfahrt. Schnell füllte sich das Mitgliederbuch des Altenclubs mit mehr als 50 Namen.
Viele Jahre traf sich die Gruppe im „Wieselbrunnen“. Geselligkeit stand dabei stets im Mittelpunkt. Faschingsfeiern, Muttertag, Ostern und Ausflüge gehörten zum Jahresprogramm. Die Mitglieder saßen zusammen, erzählten, lachten und hielten den Kontakt untereinander.
Nach zwölf Jahren übergab Gretl Fastner die Leitung an Barbara Muckenschnabl. Sie gehörte bereits seit 1972 zur AWO und hatte die Gründerin unterstützt. Muckenschnabl engagierte sich besonders für ältere Menschen und half unter anderem bei zahlreichen Haussammlungen.
Nach ihrem Tod übernahm im Jahre 1986 zunächst Frida Widder übergangsweise die Aufgabe. Zum Jahresende wählten die Mitglieder schließlich Maria Freisleben zur neuen Leiterin. Unter ihrer Führung erhielt der Altenclub endgültig den Namen Seniorenclub „Gretl Fastner“.
Freisleben blieb elf Jahre
Freisleben hatte ursprünglich nur ein Jahr an der Spitze bleiben wollen. Daraus wurden elf Jahre. Auch unter ihrer Leitung blieb die Gemeinschaft aktiv. Neben den regelmäßigen Treffen standen Tanz und die 1989 gegründete Abteilung für Seniorengymnastik auf dem Programm. Dazu kamen Mehrtagesfahrten nach Schloss Schney und zahlreiche gesellige Veranstaltungen.
Das Jahr 1990 sollte auch für den AWO-Ortsverein ein Meilenstein in seiner Geschichte werden. Unter kräftiger Mithilfe von Erich F. Schmid, der im November 1975 Vorsitzender des Ortsvereins wurde, erwarb der AWO-Bezirksverband Niederbayern-Oberpfalz das ehemalige Gewerkschaftsjugendheim von der IG Chemie-Papier-Keramik. Schmid war zeit seines Lebens ein großer Förderer der älteren Vereinsmitglieder.
1991 verließ die immer größer werdende Gruppe schließlich das Gasthaus „Wieselbrunnen“ und zog in das AWO-Heim. Dort fand der Seniorenclub ein neues Domizil. Die Mitglieder konnten ihre Treffen nun in den eigenen Räumen fortsetzen.
1998 brachte eine weitere Veränderung an der Spitze. Uschi Benner übernahm die Leitung. Sie gehörte bereits seit 27 Jahren zur AWO und fand schnell ihren Platz in der Seniorenarbeit. 17 Jahre lang prägte sie den Club.
Benner machte aus den Treffen weit mehr als reine Kaffeerunden. Mit ihrem Team bastelte sie Gestecke, Ostersträuße und Adventsdekorationen. Zu Weihnachten entstanden handbemalte Acrylkugeln. Sie las den Senioren die Tageszeitung vor und hielt die Aktivitäten in einem Jahrbuch mit Bildern fest. Auch unter ihrer Leitung blieb die Gruppe eng mit dem AWO-Ortsverein verbunden, der unter anderem einen Kinderspielplatz mit Hausaufgabenbetreuung, „Essen auf Rädern“ und Seniorengymnastik anbot.
Rößler hielt die Gemeinschaft zusammen
2015 übernahm Ilse Lütkemeyer die Leitung des Seniorenclubs. Nach zwei Jahren folgte im August 2017 Karin Rößler. Sie führt die inzwischen kleinere, aber weiterhin aktive Gruppe bis heute.
Rößler engagiert sich daneben als Schriftführerin im AWO-Ortsverein und hatte zuvor das Amt der Kassiererin im Kreisverband inne. Besonders wichtig ist ihr der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. „Man schaut gegenseitig aufeinander, alle sind rege und kommen zweimal im Monat zusammen“, sagte sie.
Damit die Mitglieder wissen, was sie im Jahresverlauf erwartet, erstellt Rößler zu Beginn des Jahres einen Terminkalender. Der Seniorenclub startet mit einem Sektempfang ins neue Jahr. An Fasching kommen die Frauen verkleidet zusammen und lassen sich ein Heringsessen schmecken. Im Frühjahr folgen besondere Kaffeetafeln, Osterfeiern und weitere gemeinsame Nachmittage. Auch der Muttertag gehört zum festen Programm, was die Senioren dabei erwartet, bleibt allerdings traditionell eine Überraschung.
Nach der Sommerpause folgt ein Oktoberfest mit Leberkäse. Zur Kirchweih steht das traditionelle Entenbrustessen auf dem Programm. Zum Jahresende sorgt der Nikolaus mit seinen Pointen aus dem goldenen Buch für Unterhaltung. Bei der Weihnachtsfeier treffen sich die Mitglieder schließlich mit dem gesamten AWO-Ortsverein.
Die Gemeinschaft blieb der Mittelpunkt
55 Jahre Seniorenclub bedeuteten deshalb nicht nur fünf Jahrzehnte Kaffeetafeln und Veranstaltungen. Sie bedeuteten vor allem Begegnungen. Generationen von Frauen und einige Männer fanden im „Gretl Fastner“ Gesellschaft, Unterhaltung und Ansprechpartner. Viele Namen prägten die Geschichte: Gretl Fastner, Barbara Muckenschnabl, Maria Freisleben, Uschi Benner, Ilse Lütkemeyer und heute Karin Rößler. Jede Leitung setzte eigene Akzente, doch eines blieb über die Jahrzehnte gleich: Die Mitglieder hielten zusammen.
Das Jubiläum am 7. Oktober erinnert deshalb nicht nur an das Gründungsjahr 1971. Es schlägt zugleich die Brücke zur Gegenwart. Aus dem damaligen Altenclub entwickelte sich eine feste Gruppe und Bestandteil des AWO-Ortsvereins. Und die heutige Abteilung blickt trotz ihrer kleineren Mitgliederzahl zuversichtlich nach vorn.
Die 55 ist damit zwar eine Schnapszahl, für den Seniorenclub „Gretl Fastner“ aber ein guter Anlass, auf eine bewegte Geschichte zurückzublicken und gemeinsam weiterzumachen.
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