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ERSC Amberg lehnt Boykott ab: Kritik an der Kaderpolitik bleibt

Amberg. Der Streit um die freiwillige Begrenzung ausländischer Spieler in der Eishockey-Bayernliga beschäftigt die Vereine. Der ERSC Amberg hält sich mit den US-Amerikanern Brendan Walkom und Cooper Fensterstock sowie dem Letten Roberts Baranovskis an die vereinbarte Grenze von drei Nicht-Deutschen. Am angekündigten Boykott der Medienarbeit wolle sich der Klub dennoch nicht beteiligen.

ERSC Amberg lehnt Boykott ab: Kritik an der Kaderpolitik bleibt

Beim ERSC Amberg ist man der Meinung, dass sich die Diskussion um die Nachwuchsförderung nicht allein auf die Zahl ausländischer Spieler beschränken darf. Foto: Jonas Löffler

Die Debatte um ausländische Spieler erreicht im bayerischen Eishockey die nächste Eskalationsstufe. Mehrere Klubs wollen bei Duellen mit bestimmten Konkurrenten künftig auf gemeinsame Pressekonferenzen und Interviews verzichten. Im Zentrum steht ein Streit, der die Bayernliga seit Monaten beschäftigt: Wie viele Kontingentspieler verträgt eine Liga, die sich auch als Talentschmiede für den regionalen Nachwuchs versteht? Der ERSC Amberg hat zu dem Vorgang eine differenzierte Meinung.

Vier Vereine gegen Selbstbeschränkung

Nach jedem Spiel gehört es normalerweise zum festen Ritual: Beide Trainer analysieren die Partie, beantworten Medienfragen – häufig live übertragen. Doch bei Begegnungen mit bestimmten Vereinen soll dieses Bild künftig fehlen. Auch Spieler der betroffenen Mannschaften sollen bei Drittelpausen-Interviews nicht mehr berücksichtigt werden. Hintergrund ist eine jahrelang praktizierte freiwillige Vereinbarung, das sogenannte „Gentlemen’s Agreement“. Die Klubs hatten sich darauf verständigt, höchstens drei Kontingentspieler im Kader zu haben. Vier Vereine tragen diese Selbstbeschränkung in der laufenden Saison nicht mit: der EHC Waldkraiburg, der ERV Schweinfurt, der EV Burgau und Aufsteiger ESC Dorfen. Waldkraiburg und Schweinfurt treten nach Medienberichten mit fünf Kontingentspielern an, Burgau sogar mit einer besonders großen Zahl an Importspielern.

Der ERSC Amberg stellt gemeinsame Regeln für die Liga nicht grundsätzlich infrage. Eine solche Vereinbarung könne jedoch nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten daran hielten. Das Gentlemans-Agreement sei aus Sicht des ERSC durchaus sinnvoll, verliere aber an Wirkung, wenn einzelne Vereine davon abwichen.

Nachwuchsförderung braucht mehr als eine Ausländerregel

Inhaltlich teilt der ERSC die Einschätzung des ESC Geretsried, der sich ebenfalls gegen die Protestaktion positioniert hat. Die Diskussion um die Nachwuchsförderung dürfe sich nicht allein auf die Zahl ausländischer Spieler beschränken. Auch erfahrene Akteure mit deutschem Pass, die aus höheren Ligen wechselten, könnten jungen Spielern wichtige Einsatzzeiten nehmen. Für die Nachwuchsentwicklung sei daher nicht nur entscheidend, welche Nationalität ein Spieler habe, sondern auch, wie die Vereine ihre Kader zusammenstellten.

Wenn erfahrene Spieler zu viele Plätze im Aufgebot und zu viel Eiszeit beanspruchten, erschwere das aus Sicht des ERSC die Entwicklung junger Talente. Eine solche Kaderpolitik stehe dem Anspruch entgegen, die Bayernliga auch als Ausbildungsliga zu verstehen und Nachwuchsspielern Perspektiven zu eröffnen.

Vereinbarung frühestens in der kommenden Saison

Eine verbindliche Begrenzung europäischer Spieler lasse sich allerdings nicht ohne Weiteres durchsetzen. Die Vorgaben des europäischen Arbeitsrechts schränkten eine Ungleichbehandlung von EU-Bürgern aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit auch im Berufsleben und im Sport stark ein. Das Gentleman’s Agreement beruhe deshalb auf freiwilliger Selbstverpflichtung. Weil sich mehrere Vereine nicht mehr an die Absprache hielten, werde es zunehmend schwieriger, eine gemeinsame Linie aufrechtzuerhalten.

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Für die laufende Saison sieht der ERSC kaum noch Möglichkeiten, die Einhaltung der Vereinbarung durch den Bayerischen Eishockey-Verband durchzusetzen. Für die kommende Spielzeit gebe es jedoch bereits Überlegungen und Planungen. Diese seien derzeit allerdings noch nicht so weit, dass sie öffentlich vorgestellt werden könnten.