Jetzt Tickets für die kommenden Jahn-Spiele sichern!
Taxi-Zentrale Weiden
Taxi-Zentrale Weiden

IHK-Konjunkturklimaindikator: Krisenmodus als Dauerzustand für die regionale Wirtschaft?

Regensburg. Die IHK Regensburg meldet im Frühjahr 2026 Dauerkrisenmodus: Der Nahost-Konflikt bremst, der Klimaindikator sinkt. Bau erholt sich, Dienstleister halten Stand, Handel schwächelt, Tourismus hofft auf guten Sommer.

Regensburg. Die IHK Regensburg meldet im Frühjahr 2026 Dauerkrisenmodus: Der Nahost-Konflikt bremst, der Klimaindikator sinkt. Bau erholt sich, Dienstleister halten Stand, Handel schwächelt, Tourismus hofft auf guten Sommer.
Symbolbild: Pixabay/Geralt

IHK-Konjunkturklimaindikator: Krisenmodus als Dauerzustand für die regionale Wirtschaft?

Trotz der anhaltenden Nahost-Krise bewerten 28 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk Oberpfalz/Kelheim ihre Geschäftslage als gut, weitere 53 Prozent als zufriedenstellend. Nur 19 Prozent verzeichnen eine schlechte Situation. Seit 2020 befinden sich die heimischen Betriebe jedoch im Dauerkrisenmodus – zunächst durch die Pandemie, dann den Ukraine-Krieg und nun geopolitische Spannungen im Nahen Osten.

Diese Krisen verschärfen bestehende Probleme: Erhöhte Rohstoff- und Energiepreise (besonders bei Kunststoffen und Kraftstoffen) belasten alle Branchen und Wertschöpfungsketten. Nicht alle Unternehmen können diese Kostensteigerungen durch Vertragsklauseln oder schnelle Preisanpassungen an ihre Kunden weitergeben. Angesichts der zahlreichen Schocks halten sich Teile des Wirtschaftsstandorts wacker: Über ein Viertel aller Befragten verzeichnet eine gestiegene Kapazitätsauslastung – eine wichtige Entwicklung angesichts der Kostenbelastungen, die Umsatzsteigerungen neutralisieren.

Industrie, Bau und Dienstleistungen im Blick

In der Leitbranche Industrie konnte sich der leichte Aufwärtstrend zum Jahreswechsel nicht fortsetzen. 34 Prozent berichten von spürbaren Lieferkettenengpässen, etwa durch fehlende Vorprodukte infolge der Blockade der Straße von Hormus – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Zollhemmnisse bleiben erhöht, entspannen sich aber leicht gegenüber Jahresbeginn. Die Baubranche signalisiert Erholung und verlässt die Talsohle. Der Dienstleistungsbereich präsentiert trotz zunehmender negativer Lageberichte das positivste Branchenbild.

Exportwirtschaft

Während der Auslandsumsatz in den ersten Monaten des Jahres gestiegen ist, zeigt sich ab April insgesamt ein rückläufiges Auftragsvolumen außerhalb Deutschlands. 58 Prozent der Exportunternehmen konnten ihr Exportniveau halten. Die unplanbare Zollpolitik der USA und außenpolitische Unwägbarkeiten führen zu erheblichen Schwankungen bei Aufträgen aus Nord- und Mittelamerika, Osteuropa, Russland und der Türkei.

Beim Thema Handelshemmnisse durch Zölle zeigt sich eine Verbesserung: Der Anteil erheblich beeinträchtigter Industriebetriebe hat sich seit Herbst von 22 auf elf Prozent halbiert. Insgesamt berichten jedoch weiterhin 44 Prozent von negativen Auswirkungen. Die Erwartungen für die nächsten Monate mit Blick auf chinesische und asiatische Märkte bleiben rückläufig. Die erfolgreiche Diversifizierung der Exportunternehmen zeigt sich in der zunehmenden Anzahl von Betrieben, die Angaben zu mehreren Zielländern machen.

Investitionsklima und Finanzierung

Mit nur 15 Prozent der Industrieunternehmen mit steigenden Investitionsabsichten im Inland ist ein Tiefpunkt seit der Pandemiephase 2020 erreicht. Aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage sinkt auch der Anteil der Betriebe mit geplanten Auslandsinvestitionen auf 43 Prozent. Die Kostenbelastungen führen dazu, dass verfügbare Budgets auf Ersatzbedarf und Rationalisierung konzentriert werden. Immerhin plant ein Drittel der Auslandsinvestoren, ihre Kapazitäten dort auszubauen. Über alle Branchen gesehen bleibt das Investitionsklima kühl.

Grammer Solar
Grammer Solar

Energieeffizienzmaßnahmen schlagen trotz aktuell erhöhter Preise in den Investitionsplänen nicht stärker durch – die Unternehmen haben bereits in den vergangenen Jahren stark in ihre Einsparmaßnahmen investiert und hohe Standards erreicht.

Ausblick

Die Unkalkulierbarkeit politischer Entscheidungen und die Kostensteigerungen erschweren weiterhin unternehmerische Entscheidungen. Es fehlt an einer langfristigen Perspektive; dies führt angesichts fehlender wirtschaftsfreundlicher politischer Entscheidungen zu einer spürbaren Resignation bei den Firmen. 54 Prozent spüren direkte Auswirkungen der Wirtschaftspolitik der neuen Bundesregierung; davon berichten 34 Prozent von konkreten Nachteilen.

Die Angaben der Befragten zeigen: Eine Entlastung der Bürger ist wichtig für die Konsumlaune, kann aber nicht zu Lasten der Betriebe geschehen. Es ist zu erwarten, dass die aktuellen Preisschocks teilweise erst in den nächsten Monaten voll auf alle Wirtschaftsbereiche durchschlagen. Mit Ausnahme der Bauwirtschaft und im Tourismus prognostizieren alle Branchen angesichts schlechter Erwartungen einen Mitarbeiterrückgang. Damit verharren die Beschäftigungspläne seit Anfang 2024 insgesamt im negativen Bereich.

Wesentliche Risikofaktoren (seit 2025)

  • Finanzierungszugang: 34 Prozent der Unternehmen benötigen derzeit keine externe Finanzierung. Der Anteil mit gutem Kreditzugang ist seit 2025 von 34 auf 26 Prozent gesunken.
  • Ein Drittel der Unternehmen verspürt bereits konkrete negative Auswirkungen der neuen Bundesregierung auf den Geschäftsbetrieb; Wirtschaft fordert Reformen und Entlastungen durch Steuer-, Abgaben- und Energiepolitik.
  • Politische Rahmenbedingungen als Risikofaktor: Seit Herbst 2024 wieder deutlich angestiegen – 66 Prozent sehen die wirtschaftliche Entwicklung dadurch gefährdet.
  • Risikofaktor Energie- und Rohstoffpreise in der Industrie: Angaben steigen mit 80 Prozent auf den höchsten Wert seit der Ukraine-Krise.

Entwicklung der wirtschaftlichen Risikofaktoren (Angaben in Prozent): Energie- und Rohstoffpreise: 67,8 (Frühjahr 2026) gegenüber 45,8 (Frühjahr 2025); wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen: 66,2 gegenüber 63,5; Inlandsnachfrage: 60,5 gegenüber 57,6; Arbeitskosten: 57,4 gegenüber 58,0; Fachkräftemangel: 38,5 gegenüber 48,3; Auslandsnachfrage: 15,4 gegenüber 18,8; Finanzierung: 12,4 gegenüber 9,8; Wechselkurse: 2,8 gegenüber 3,0.

Stimmen aus der Wirtschaft

Reinhard Zott: „Die Investitionsbereitschaft in der Privatwirtschaft geht zurück, vor allem im industriellen Umfeld. Wir verlagern unsere Projektakquise aktuell bewusst Richtung öffentliche Hand und Stromversorgungsprojekte.“

Jürgen Walther: „Wir sind diversifiziert in Produkten, Industrien und Regionen. Durch diese Risikostreuung können wir Marktschwankungen besser ausgleichen.“

Reinhard Zott, Geschäftsführer Varoplan GmbH, Abensberg. Jürgen Walther, Werkleiter und Mitglied der Geschäftsführung SUSPA GmbH, Sulzbach-Rosenberg.

Branchenanalyse: Industrie

  • Geschäftslage: Keine Veränderung gegenüber der Vorumfrage.
  • Auftragsbestand: 56 Prozent bewerten diesen als zufriedenstellend.
  • Inlandsgeschäfte: Bei Investitions- und Vorleistungsgütern bei einem Viertel der Betriebe gestiegen.
  • Kapazitätsauslastung: zwölf Prozent mit voller Auslastung – niedrigster Wert seit 2009.
  • Erfolgreiche Industriebetriebe im Energiesektor bangen um Zulieferer und bauen Engpässen vor.
  • Harter Preiskampf: schwindende Kundenakzeptanz für höhere Kosten durch Nachhaltigkeitsmaßnahmen.
  • Geschäftserwartungen: Wieder im negativen Bereich; Konsumgüterindustrie erwartet Einbruch.

Branchenanalyse: Bauwirtschaft

  • Geschäftslage: Stimmungsaufhellung durch leicht gestiegene öffentliche Bauprojekte im neuen Haushaltsjahr.
  • Gewerbebau: Weiterer Rückgang aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage.
  • Energiekosten (vor allem Dieselkraftstoff) zwingen 58 Prozent zu Preiserhöhungen.
  • Liquidität: stabil gegenüber dem Vorjahr – 83 Prozent ohne Finanzierungsprobleme.
  • Geschäftserwartungen vorsichtig, Fokus liegt auf staatlichen und kommunalen Aufträgen.
  • Einzige Branche mit geplantem Beschäftigungsaufbau.
  • Risikofaktor Inlandsnachfrage: Von 64 auf 38 Prozent gesunken.

Branchenanalyse: Handel

  • Geschäftslage im Einzelhandel stabil auf niedrigem Niveau, im Großhandel meldet ein Drittel eine schlechte Situation.
  • Warenbestände: Händler kalkulieren vorsichtiger – 19 Prozent fahren Saisonbestände zurück.
  • Kaufkraftverluste durch Energiepreissteigerung bei Konsumenten spürbar; 80 Prozent sehen das Konsumklima als Risikofaktor für die weitere Entwicklung.
  • Hersteller-UVP vermindert bei bestimmten Warengruppen kurzfristige Preisanpassungen; gleichzeitig muss der Handel gestiegene Energie- und Logistikkosten einpreisen.
  • Apotheken: Starre Honorarsituation führt zur Ausrichtung auf alternative Gesundheitsangebote.
  • Angespannte Stimmung lässt Geschäftserwartungen bei vier von zehn Unternehmen zurückgehen.

Branchenanalyse: Dienstleistungen

  • Verschiebungen von guten zu schlechten Geschäftslagebeurteilungen lassen die Kurve absinken; 30 Prozent mit positiven Rückmeldungen.
  • Verkehrs- und Lagerbetriebe: Erfreuliche Entwicklung zu Jahresbeginn wieder gestoppt; Kostenexplosion bei Kraftstoffen in Einzelfällen existenzbedrohlich.
  • Unternehmensnahe Beratungsleistungen: Nachfrage deutlich rückläufig gegenüber dem Vorjahr; Auslastung sinkt bei jedem fünften Unternehmen.
  • Liquidität: 94 Prozent mit gutem oder befriedigendem Status.
  • Fachkräftemangel als Risikofaktor: Deutlicher Rückgang seit 2023 von 73 auf 40 Prozent.
  • Geschäftserwartungen: Saldo ausgeglichen – Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage.

Branchenanalyse: Tourismus

  • Stimmung in der Tourismusbranche bleibt im Frühjahr positiv, die Gastronomie überwindet die Durststrecke aus dem Jahresbeginn.
  • Auslastung: durchschnittlich 55 Prozent – leicht erhöht gegenüber dem Vorjahr.
  • Liquiditätslage seit Frühjahr 2025 verbessert, 42 Prozent mit guter Finanzsituation.
  • Beherbergungsgewerbe: Anstieg der Übernachtungs- und Verzehrpreise gebremst; 60 Prozent mit konstant bleibendem Preisniveau.
  • Iran-Konflikt destabilisiert die Reisebranche; Umsatzerwartungen sinken durch Unsicherheiten bei Kerosinverfügbarkeit, Kraftstoffpreisen und Flugverkehrsachsen.
  • Investitionsabsichten bleiben verhalten, in der Gastronomie jedoch Tendenz zu Kapazitätserweiterungen sichtbar.

Methode der IHK-Umfrage

Dreimal jährlich fragt die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim die konjunkturelle Entwicklung in der Region ab: Jahresbeginn, Frühjahr und Herbst. 275 Unternehmen unterschiedlicher Größe aus allen Branchen und Regionen des Wirtschaftsraumes Oberpfalz-Kelheim nahmen an der Umfrage zum Frühjahr 2026 teil.

Tipp: Wenn Du etwas googelst, bekommst Du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!