Haltepunkt Weiden Nord: Will die Bahn uns Gutes?

Weiden. Da waren sich die Stadträte ziemlich einig: Ein neuer Haltepunkt sollte nicht oberste Priorität sein – viel wichtiger sei ein barrierefreier Hauptbahnhof. Dennoch wurde in der gestrigen Sitzung über das weitere Vorgehen zum Haltepunkt diskutiert.

Von Yvonne Sengenberger

Wir wissen alle, die Barrierefreimachung ist uns lieber als ein neuer Haltepunkt,

kommentierte Baudezernent Hansjörg Bohm den Tagesordnungspunkt – nicht ohne dafür zustimmendes Klopfen aus dem Stadtrat zu ernten. Denn da waren sich einmal wirklich alle einig. „Trotzdem kann es ja klug sein, das Geld des Freistaats und der Eisenbahngesellschaft erst einmal anzunehmen. Dann haben wir vielleicht bei der Bahn was gut – das können wir für den barrierefreien Bahnhof gebrauchen“, so Bohm weiter.

OB: Haltepunkt ist „Nice to have“

So sollte also darüber abgestimmt werden, ob weitere Untersuchungen und Kostenrechungen erstellt werden sollten. Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß hält den Haltepunkt nicht unbedingt für notwendig: „Über die Sinnhaftigkeit kann man hier streiten. Es ist ’nice to have‘ aber es gibt in Weiden durchaus wichtigere Dinge.

Dazu gehört mit Sicherheit der Hauptbahnhof!

Dem stimmten eigentlich alle anderen Fraktionen zu. Auf Seiten der CSU hieß es, man wolle mit den Mandatsträgern sprechen, um dafür zu sorgen, dass endlich die wichtigen Mittel und Förderungen für einen Ausbau des Hauptbahnhofes nach Weiden flössen. So erklärte Hans Blum: „Die Begeisterung hält sich auch in unserer Fraktion in Grenzen. Sie haben Recht, wir könnten die Mittel, die für einen neuen Haltepunkt zur Verfügung gestellt werden durchaus sinnvoller nutzen.“ Allerdings sei das ein anderer Zuschusstopf.

Es nützt alles diskutieren nichts, wenn es für die Barrierefreiheit keine Gelder gibt,

so Blum. Er brachte die Hoffnnung auf, dass ein neuer Haltepunkt vielleicht die Güterzüge etwas ausbremsen könnte.

Vor- und Nachteile des Haltepunktes

Auch Roland Richter (SPD) fragte sich, ob es das wirklich brauche. „Die öffentliche Diskussion ist da schon viel weiter. Wir im Stadtrat sind uns nicht sicher, wo liegen die Vor- und Nachteile?“ Prinzipiell fände er es aber gut, wenn weiter ausgebaut wird. Für eine Entscheidungsgrundlage müsse aber jeder Haltepunkt genau geprüft werden. Nur so gäbe es eine gute Entscheidungsgrundlage. Und nur so könnten die Bürger vernünftig informiert werden. „Aber ganz klar: Die Priorität sollte am Bahnhof liegen!“

Rainer Sindersberger von den Freien Wählern regte noch an, eine Umfrage in den betroffenen Gebieten zu machen und einen Mikrozensus zu erstellen, um auch die Meinung der Bürger einholen zu können und zu wissen, ob sich die Sache lohnt. Stephan Gollwitzer (CSU) warf gegen Ende der Diskussion noch ein: „Die Bahn macht das nicht, weil sie uns etwas Gutes tun will, sondern als neue Offensive gegen die Konkurrenz der Fernbusse.“ Besonders ärgerlich findet er auch, dass man oft nichts mitbekommt und die Bahn alles so heimlich schleichend mache.

Aber wir müssen Lösungen finden. Wir werden versuchen auf die Mandatsträger bezüglich der Barrierefreiheit weiter einzuwirken!,

so Gollwitzer. Am Ende stimmten 16 Stadträte – quer durch die Fraktionen – gegen weitere Maßnahmen, 22 stimmten dafür.

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