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Auf den Spuren von Charlie Chaplin: Eine Erinnerung aus Weidener Kindheitstagen führt nach Genf

Weiden. Eine Dame aus der Nachbarschaft erzählte früher, sie habe einst als Haushälterin bei Charlie Chaplin gearbeitet. Jahrzehnte später führte diese Geschichte an den Genfersee in das Museum "Chaplin’s World", das dem größten Star der Stummfilmzeit gewidmet ist.

Auf den Spuren von Charlie Chaplin: Eine Erinnerung aus Weidener Kindheitstagen führt nach Genf

Charlie Chaplins Markenzeichen. Foto: Helmut Kunz
Eine Kulissennachbildung aus dem Film „Goldrausch“. Foto: Helmut Kunz
„Chaplin’s World“ am Genfer See. Foto: Helmut Kunz
Charlie Chaplins Wohnhaus. Foto: Helmut Kunz
Eine Kulissennachbildung aus dem Film „Goldrausch“. Foto: Helmut Kunz

Am Nordostufer des Genfer Sees, oberhalb der Stadt Vevey, liegt ein Ort, der Filmgeschichte atmet. Hier, im ehemaligen Wohnhaus von Charlie Chaplin, erinnert seit 2016 ein Museum an das Leben und Werk des weltberühmten Komikers. Dass dieser Besuch überhaupt zustande kam, hat mit einer kleinen Episode aus der Oberpfalz zu tun.

Eine Geschichte aus der Nachbarschaft

Ende der 1960er Jahre lebte in einem Mehrfamilienhaus „Am Alten Dorf“ in Weiden eine nette Dame. In Gesprächen mit den Nachbarskindern erzählte sie gelegentlich aus ihrem Leben und dass sie früher als Chaplins Haushälterin gearbeitet habe. Für Kinderohren klang das damals wie ein Abenteuer aus einer anderen Welt. Chaplin war zu jener Zeit noch allgegenwärtig. Im Fernsehen liefen Stummfilmklassiker, etwa in der beliebten Reihe „Als die Bilder laufen lernten“, die zwischen 1965 und 1967 viele frühe Filmperlen zeigte. Dass jemand aus der eigenen Nachbarschaft tatsächlich einen Weltstar persönlich gekannt haben könnte, erschien zur damaligen Zeit kaum vorstellbar. 

Der Weg ins Schweizer Exil

Viele Jahre später rückte diese Geschichte wieder ins Bewusstsein. Beim Ansehen des Spielfilms “Chaplin”, in dem der großartige Schauspieler Robert Downey Jr. den berühmten Künstler verkörpert. Dabei wird auch deutlich, warum Chaplin schließlich in der Schweiz lebte. Während der politisch aufgeheizten McCarthy-Ära geriet der gebürtige Engländer in den USA unter Druck. Nach einer Reise nach London wurde ihm 1952 die Wiedereinreise verweigert. Chaplin entschied sich daraufhin für ein neues Leben in der Schweiz. Sein neues Zuhause fand er im „Manoir e Ban“, einem weitläufigen Anwesen mit Blick über den Genfer See. Hier lebte er gemeinsam mit seiner Frau Oona und seinen Kindern von 1953 bis zu seinem Tod im Jahr 1977.  

Ein Museum voller Filmgeschichte

Seit 2016 befindet sich auf dem Gelände das Museum „Chaplin’s World“. Schon bei der Anfahrt wird klar, wie präsent der Filmstar hier noch immer ist. Hinweisschilder weisen den Weg, im Ort erinnern Wandbilder an mehrgeschossigen Häusern an Szenen aus seinen Filmen, und im Kreisverkehr nahe dem Museum steht eine große Figur des berühmten „Tramps“. Der Rundgang beginnt in einem Studiobereich. Ein kurzer Film führt in Chaplins Leben ein, anschließend öffnen sich detailreiche Kulissen aus seinen berühmtesten Werken. Besucher können durch die schiefe Hütte aus „The Gold Rush“ gehen, vor den gigantischen Zahnrädern aus „Modern Times“ stehen oder Szenen aus „The Kid“ entdecken. Viele Figuren sind als Wachsmodelle dargestellt – darunter auch der Kinderstar Jackie Coogan

Ein Blick hinter die Kulissen

Nur wenige Schritte entfernt liegt das ehemalige Wohnhaus Chaplins. Bibliothek, Wohnzimmer und Speisesaal vermitteln einen Eindruck vom privaten Leben des Künstlers. In einer Bildergalerie begegnen Besucher zahlreichen Persönlichkeiten, denen Chaplin im Laufe seines Lebens begegnete – etwa Albert Einstein, Marlon Brando, Walt Disney, Peter Ustinov oder Mahatma Gandhi. Auch persönliche Gegenstände sind zu sehen: Chaplins Melone und Spazierstock, Filmrequisiten und seine Oscars. Der Künstler gilt bis heute als eine der prägenden Figuren der Filmgeschichte. Gemeinsam mit D. W. Griffith, Mary Pickford und Douglas Fairbanks gründete er 1919 das Filmstudio United Artists.

Kindheitserinnerung

Wie lange die ältere Dame aus dem Weidener Lerchenfeld tatsächlich im Haushalt Chaplins gearbeitet hat, lässt sich heute nicht mehr überprüfen. Sicherlich arbeitete sie nicht in Hollywood, sondern hier in Chaplins Schweizer Zuhause. Fest steht: Eine kleine Kindheitserinnerung aus der Oberpfalz hat viele Jahre später zu einer Reise an den Genfer See geführt.

WITRON – Osterferien
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