Bockboanig [ˈbɔkbaɪ̯nɪç]: Du bist, was du isst!
Bockboanig [ˈbɔkbaɪ̯nɪç]: Du bist, was du isst!
Man könnte doch einfach mal schwärmen von den Köstlichkeiten rund um den Globus, Feinem, Süßem und Deftigem aus aller Herren Länder. Das könnte man, aber leider leben wir in unserer Gesellschaft. Außer dem sinnleeren Schäumen gegen Veganer und Vegetarier ist da nicht viel. Abgesehen davon ist TK-Pizza doch auch ganz lecker und der Toast Hawaii ist seit vielen Jahrzehnten Sinnbild für den kulinarischen Blick über den Tellerrand.
Der Deutsche, der heimliche Goumet
Leute, die sich bis vor Kurzem noch von den eigenen Nasenrammeln ernährt und sich über die Kiwi beschwert haben, weil sie so im Hals kratzt, sind heute echte Feinschmecker, frei nach Günter Grünwald: „Die haben vor acht Wochen ihren Kartoffelbaatz noch mit dem selbergeschnitzten Holzlöffel aus der Blechschüssel gefressen, aber heute essen sie die Nudeln nur noch al dente.“
Warum also nicht mal tolle Lebensmittel selbst in der ebenso teuren wie stylischen Küche zubereiten? Das kann man schnell sowas von vergessen: keine Zeit, zu unpraktisch und außerdem der Habeck … Zudem werden die Lebensmittel immer teurer, hört man den deutschen Michel stetig weinen. Die, die diese Teuerung wirklich schmerzt, übrigens nicht.
Wenn der Verbrenner mal ein paar Tausender mehr kostet – so what, ist halt so, das sollte doch bei uns kein Problem sein. Aber aus der erhobenen SUV-Perspektive ist dem/der Einheimischen schon oft etwas anderes aufgefallen: Wo sind denn eigentlich die ganzen Metzgereien hin und der Bäcker um die Ecke mit dem sensationellen Bienenstich? Dann schaut mal auf die Parkplätze der Lebensmitteldiscounter, was da an überteuertem Blech steht. Noch Fragen?
Immer das ganz große Rad drehen
Genuss heißt doch eigentlich, auch mal die Fünf gerade sein zu lassen und sich einfach hinzugeben – und vielleicht in diesem wohligen Gefühl sogar ein bisserl Mensch sein, denn Genuss verbindet. Trotzdem wird’s natürlich bei uns auch beim Fressen politisch. Und der politisch engagierte Michel fährt mit seinem SUV direkt vom Supermarkt, wo er eingeschweißte Wurscht & Co. gekauft hat, zur Podiumsdiskussion im Rathaus zum Thema „Regionale Märkte stärken“. Hauptsache, das Maul wackelt, was man dann so reinschiebt, ist egal.
Salve pater patriae! Bivas, princeps optime!
Die Bayern und ihr Bier, eine ganz heikle Geschichte, ich werde an dieser Stelle niemandem in seine wohlverdiente Feierabendhalbe hineinmosern. Aber wir müssen über das Bier auf dem Oktoberfest sprechen. In diesem Jahr wird dort eine Maß zwischen 14,80 und 15,90 Euro kosten. Wer da anfügt, dass das doch für etwa einen Dreiviertelliter mittelmäßigen Biers vielleicht etwas viel ist, erntet einen Shitstorm, als ob es Diesel wäre.
Eine besondere Facette unserer Gartenzwergigkeit
Schatz, wir müssen reden – und zwar über den Deutschen und seine kulinarische Expertise. So wie wir nie skandinavisches Gesellschaftsverständnis (die glücklichsten Menschen, PISA-Topränge, starke Wirtschaftsdaten) erreichen werden, werden wir vermutlich auch nicht zu Genießern wie Italiener oder Franzosen. Also müssen wir wieder unseren eigenen Weg gehen und der lautet
- billig,
- günstig,
- im Angebot
- und 23 % reduziert.
Ein Schweiners, wie’s die Oma gemacht hat, eine fette Leberkässemmel aus der Metzgerei ums Eck oder selbstverständlich unser guter alter Zoigl – feine Sachen, die aber Zeit benötigen, vielleicht einen Tick mehr kosten und die man gerne auch mit anderen teilt – so schön kann doch das Leben sein. Mahlzeit!




