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Bockboanig [bɔkbaɪ̯nɪç]: Agent Orange, Joe DiMiaggio und ein Saures Lüngerl

Nordoberpfalz. Von wegen "staade Zeit", was über Weihnachten und im neuen Jahr bereits alles rund um den Erdball passiert ist, passt auf keine Kuhhaut und noch weniger in ein Glossenformat. Da hat sich viel angestaut, deshalb zum Jahresbeginn ein (un)fröhliches Synapsenknallen. Eine durch und durch verzweifelte Glosse bzw. ein grantiges Wimmelbild.

Bockboanig [bɔkbaɪ̯nɪç]: Agent Orange, Joe DiMiaggio und ein Saures Lüngerl

Beginnen wir bei aller Verzweiflung mit einem kleinen Hoffnungsschimmer: Mit dem, was der päsidentigste aller Präsidenten aus Übersee augenblicklich vom Stapel lässt, treibt er es inzwischen sogar für einige seiner Parteikollegen etwas zu bunt. Deshalb mein kleiner Tipp an den orangen Cäsaren: Geschichte kann sich wiederholen – vielleicht an den Iden des März Ansammlungen von Senatoren am Kapitol meiden. Nein, verdammt, Spoiler!

Willkommen im Plemplem-Land

Hier einfach ein paar Gedankensplitter der letzten Wochen…

Was soll man eigentlich von einem Ministerpräsidenten halten, der sich ständig beim Fleischkonsum fotografieren lässt und diese Bilder ins virtuelle Schaufenster hängt? Auch wenn der Post mit dem Sauren Lüngerl letztens aufgrund des verführerischen Motivs nicht verkehrt war, fragt man sich doch, welche Reaktion der Versender davon erwartet beziehungsweise für wie doof er uns hält. Zwischenzeitlich dürfen wir uns vom Kanzler noch wie Lehrer Lämpel aus Max & Moritz altklug belehren lassen, wie Arbeit funktioniert. „Mündige Bürger“ sieht anders aus.

Apropos plemplem, by the way: Mich würde mal interessieren, wie viele von den jungen Politjuppies, die zum Jahresende so über die Rentner hergezogen sind, brav am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag bei der Oma ihr bestens gefülltes Kuvertl abgeholt haben. Man stelle sich deren Gesicht vor, wenn es dieses Mal als Reaktion nur ein Paar gestrickte Socken oder ein Glasl selbstgemachte Marmelad‘ geben würde. Die können sie dann fotografieren und posten (nur Leberkäs‘-Posts sind in der Partei Chefsache).

Vorsicht, Geschichte kann sich wiederholen! Der Ruf nach Powerranchern wird auch in diesem unserem Lande immer lauter – Gewaltenteilung & Co., das ist doch alles demokratischer Schwachsinn – einfach voll drauf, auch bei uns, mich betriffts ja nicht! Wohin das führt, sieht man gerade jetzt in den USA, wenn Trumps Sturmabteilung wieder marodiert.

Wo sind die echten Vorbilder?

Unsere Gesellschaft, der Anstand, die Bildung, das Solidaritätsgefühl und so vieles Schönes mehr – mir scheint, dass das alles vor die Hunde geht. Was uns vielleicht helfen kann, wären echte Vorbilder, der Ruf danach ist nicht neu, allerdings scheint die Auswahl augenblicklich etwas dünn.

Zoigltermine
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Where have you gone, Joe DiMiaggio? Our nation turns its lonely eyes to you.

 Simon & Garfunkel, „Mrs. Robinson“

Für alle, die es (angeblich) gerne etwas zackiger haben, hier ein Auszug aus der deutschen Kaiserhymne: „Handlung und Wissenschaft hebe mit Mut und Kraft ihr Haupt empor!“ Und schon nölen sie wieder, die chronischen Nörgler und praktizierenden Deutschländer Würstchen – denn „Mut & Kraft“ haben sie nur im anonymen virtuellen Raum. Außerdem klingt natürlich dieser Appell nachgerade optimistisch, und das kann der echte Deutsche nun aber wirklich überhaupt nicht haben.

Deshalb Vorsicht – der Teufel ist ein Eichhörnchen – denn eine weitere Zeile lautet „heilige Flamme, glüh, glüh und erlösche nie, fürs Vaterland! Wir alle stehen dann mutig für einen Mann, kämpfen und bluten gern für Thron und Reich“. Da ist es ein sch(m)erzhafter Funfact, dass dieser Mann in der Schweiz in einer lesbischen Beziehung mit einer Asiatin lebt.

Oranger Schaum in den USA, brauner Schaum bei uns

Scheint es nur mir so oder haben wir alle immer mehr Schaum vor dem Mund? Wo wir einst nur etwas gackerten und dann war es aber auch wieder gut, wird inzwischen geschäumt und gebelfert, was das Zeug hält. Und ich werde nicht müde, mein Lieblingszitat aus Goethes Faust zu bemühen. Man möchte ihnen allen schließlich zurufen „Sey er kein schellenlauter Tor!“ Leider haben unsere Mitmenschen wohl kaum Zeit, über den Schellenlärm ihrer eigenen Torheit nachzudenken, denn wenn sie nicht gerade schäumen, glotzen sie in ihr Handy.

Hauptsache, wir können schäumen. Foto: OberpfalzECHO/Ann-Marie Zell

Da bleiben natürlich leider keine Kapazitäten frei für eine differenzierte Betrachtung von Problemstellungen. Apropos Schaum – immer mehr zeigt sich, wie sehr wir doch statt auf leistungsfähige Eiweiß-Biomasse unter der Schädeldecke lieber auf ein luftig-leichtes, schaumiges geistiges Soufflé an dieser exponierten Stelle setzen.

Der narrische Narrativ

Neben „Mama, kann ich Eis“, „am Ende des Tages“, „FYI“ und jeder Menge weiterer Sprachmutanten kommt mir bei einem Begriff inzwischen die Galle hoch (wie solls die Haare auch aufstellen): der Narrativ. Bedauerlicherweise laufen wir alle inzwischen dem Narrativ der Narren wie narrisch hinterher. Schade eigentlich, sollte im Land der Dichter und Denker eigentlich nicht sein. Mama, kann ich Goethe?

„Narrativ“ vom Blechdepp erklärt

Ein Narrativ (von lateinisch narrare, erzählen) ist eine sinnstiftende Erzählung, die Individuen, Gruppen oder Gesellschaften hilft, die Welt zu verstehen, sich zu orientieren und Identität zu bilden, indem sie Erlebnisse in eine zusammenhängende Geschichte mit Werten und Emotionen verpackt, wie zum Beispiel die „vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte; es geht nicht nur um Fakten, sondern um Deutung und Wirkung. Narrative finden sich in der Politik, Wirtschaft, Kultur und im Alltag und dienen als mächtige Werkzeuge zur Motivation und Meinungsbildung.

Der Blick auf die Uhr

„Jesus loves you more than you will know wo wo wo …“ Egal wo man theologisch steht, aber der Botschaft des coolen Hippies aus Nazareth bedarf es in Zeiten wie diesen mehr denn je. Denn ein Blick auf die Uhr lässt einen erschrecken – denn es ist definitiv fünf vor zwölf – und das ist noch optimistisch geschätzt. Wenn uns der Laden nicht sehr schnell um die Ohren fliegen soll, dann heißt es für alle anständigen Demokraten JETZT unterhaken – Politiker, Omas, Enkel, Ehrenamtliche, Hauptberufliche und Wohlwollende. Es geht um mehr als um Wärmepumpen, Diesel und persönliche Eitelkeiten – es geht um alles. Und um ein letztes Schäumen zu provozieren, möchte ich die Ex-Kanzlerin zitieren:

„Wir schaffen das!“

Und was bleibt, ist ein Saures Lüngerl – auch was Feines!