Drei tote Wölfe in einer Woche: Unfallserie rund um den Manteler Forst

Drei tote Wölfe in einer Woche: Unfallserie rund um den Manteler Forst
Drei tote Wölfe innerhalb einer Woche: Im westlichen Landkreis Neustadt/WN hat sich eine ungewöhnliche Unfallserie ereignet. Zwei der Tiere wurden auf der B470 von Autos erfasst, ein weiteres auf einer Kreisstraße. Ob sie alle aus dem Wolfsrudel im Manteler Forst stammen, ist noch unklar.
An der B470 von Weiden nach Pressath liegt der Manteler Forst. Dort lebt seit mehreren Jahren ein Wolfsrudel. Es handelt sich um eines der etablierten Wolfsgebiete in der Nordoberpfalz. Auch für das Monitoringjahr 2025/26 ist Nachwuchs bestätigt.
Dieses Rudel ist möglicherweise etwas dezimiert worden. Hans Lehner, Beauftragter für Große Beutegreifer, war nach den ersten beiden Unfällen vor Ort. Der erste Zusammenstoß mit einem Auto ereignete sich an einem nebligen Morgen auf der Kreisstraße NEW 21 zwischen Mantel und Hütten. Getötet wurde dabei eine junge Fähe, also ein weiblicher Wolf.
Zum zweiten Unfall kam es am Freitag auf der Bundesstraße B470 bei Grub bei Eschenbach. Es handelte sich um einen jungen Rüden. Und schon am Samstag wurde Hans Lehner der dritte verunfallte Wolf gemeldet. Dieses Tier lief einem Autofahrer ebenfalls auf der B470 ins Auto, gleich nach dem Ortsteil Brandweiher, der noch zum Stadtgebiet Weiden gehört.
DNA-Proben sollen Aufschluss geben
Von allen drei Wölfen wurden DNA-Proben entnommen, die Aufschluss über ihre Abstammung geben können. „Ich bin gespannt“, sagt Lehner. Die Wölfin GW2370f, das Muttertier des Rudels im Manteler Forst, konnte er anhand von Losungsproben bereits mehrfach nachweisen.
Die Kadaver werden entsorgt, sollte der Jagdberechtigte sie nicht haben wollen. Vor einigen Jahren war das Prozedere noch weit aufwändiger. Da wurde noch jeder Totfund eingefroren und an das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin-Friedrichsfelde geschickt.
Wolfsmonitoring wechselt die Zuständigkeit
Änderungen gibt es auch beim Monitoring: Bayerns Jagdminister Hubert Aiwanger hat im August angekündigt, dass das Wolfsmonitoring künftig beim Jagdministerium, also dem Wirtschaftsministerium, angesiedelt werden soll. Stellenausschreibungen sind schon gelaufen.
Polizei: 500 bis 600 Wildunfälle im Jahr
Zurück zur Unfallserie: Die Autos sind alle beschädigt, verletzt wurde aber niemand. Die Polizeiinspektionen Neustadt/WN und Eschenbach waren mit der Unfallaufnahme betraut. Hier sieht man die Wolfsunfälle gelassen. „Wir haben täglich Wildunfälle, pro Jahr rund 500 bis 600“, sagt ein Beamter der PI Eschenbach. Und nur „seltenst“ sei ein Wolf dabei, zu „95 bis 98 Prozent“ handle es sich bei den getöteten Wildtieren um Rehe.
Die letzte Serie dieser Art liegt schon einige Jahre zurück. Nach den Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) wurden im Jahr 2021 vier Wölfe aus dem Manteler Forst bei Verkehrsunfällen getötet.
Der letzte Wolf von Kulmain – ein historisches Foto von 1882
Ein außergewöhnliches Fundstück hat der Weidener Stadtarchivar Dr. Sebastian Schott zufällig in seinem Archiv entdeckt: eine historische Fotografie aus dem Jahr 1882. Sie zeigt eine Jagdgesellschaft mit dem letzten Wolf, der damals bei Kulmain in der Nähe von Kemnath erschossen wurde.
An den Abschuss am 21. Juli 1882 erinnert bis heute die sogenannte Wolfssäule im Fichtelgebirge. Sie wurde 1907 am Scheibenberg errichtet. Der Verein Freundeskreis freilebender Wölfe dokumentiert die Geschichte dieses Ereignisses auf seiner Internetseite.
Weitere Informationen: Die Wolfssäule im Fichtelgebirge




