Fortbildung der Gewässernachbarschaften - Seminar im Haus der Biodiversität in Tännesberg
Fortbildung der Gewässernachbarschaften - Seminar im Haus der Biodiversität in Tännesberg
Auf Einladung des Bay. Landesamtes für Umwelt und der Bayerischen Verwaltungsschule kamen am 18.05.2026 einundvierzig Gäste aus den Kommunen des Landkreises sowie der Stadt Weiden zur diesjährigen, von Dipl.Biologe Lothar Kroll organisierten Fortbildungsveranstaltung über eine ökologisch ausgerichtete Gewässer-Unterhaltung in das „Haus der Biodiversität“ nach Tännesberg.
Ein „Gewässer-Nachbarschafts-Tag“ ist eine seit 2002 bayernweit bestehende Einrichtung zur fachlichen Unterstützung der Kommunen bei ihrer gesetzlich festgeschriebenen Aufgabe der Unterhaltung der auf ihrem Gebiet fließenden Gewässer 3. Ordnung: das sind alle kleinen Gewässer (ungefähr die Größe eines Baches), die amtlich nicht namentlich als Fließgewässer 2. oder 1. Ordnung ausgewiesen sind. Die Gesamtstrecke aller Fließgewässer 3. Ordnung in kommunaler Obhut beträgt in Bayern gut 90.000 Km. Es ist nachvollziehbar, dass die Kommunen sich mit dieser Aufgabe größtenteils überfordert fühlen. Fachlich gesehen können kleine Fließgewässer die gleichen Probleme machen wie große. Ziele und Hintergrund der Gewässer-Nachbarschaften sind Erfahrungsaustausch, Praxisnahes Wissen und Wirtschaftlichkeit (wirksamer Einsatz öffentlicher Mittel).
Zur Begrüßung erläuterte Bürgermeister Ludwig Gürtler die Geschichte des Hauses, entstanden mit größtmöglicher staatlicher Unterstützung aus einem verfallenen, denkmalgeschützten Gebäude und ging auch auf die für die Gemeinde wartenden Aufgaben im Bereich der Biodiversität, insbesondere auf das Tännesberger Aushänge-Gewässer „Kainzbach“ ein, dessen ökologischer Zustand auf längere Sicht mit Beharrlichkeit verbessert werden muss.
Mit dem Sprichwort „Der Umgang mit dem Wasser zeigt den Grad der Zivilisation an“, eröffnete Kroll den fachlichen Teil des Seminars und zeigte an historischen Beispielen, dass ein fehlerhafter Umgang mit dem Wasser zum Untergang hochstehender Zivilisationen führen kann.
Mit dem Projekt „Leben findet Innen statt“ umriss Bürgermeister Rudolf Teblitzky die in Oberviechtach gemeinsam erarbeiteten Zielbeschreibungen, wohin und wie sich die Stadt bis 2030 entwickeln will. Darin wird der Umgang mit den örtlichen Fließgewässern und Dorfweihern eine ausgewiesen prominente Rolle zugewiesen.
Mit seinem Vortrag „Maßnahmen zum Wasserrückhalt in der ländlichen Entwicklung“ stellte Stefan Haupt vom Amt für Ländliche Entwicklung, Tirschenreuth, die vielen Möglichkeiten seines Amtes nicht nur für die konkrete Gefahrenabwehr von kleinräumigen Überschwemmungen auf dem Land vor, sondern auch vorbeugend sinnvolle Maßnahmen für einen naturverträglicheren und damit stabileren Landschaftswasserhaushalt. Da Starkregen und Dürren mit großer Wahrscheinlich häufiger auftreten werden, ist gerade der Wasserrückhalt in der Fläche – im Gegensatz zu Hochwässern in Bächen und Geländevertiefungen – mit angepassten Maßnahmen eine empfehlenswerte Vorgehensweise.
Der erfahrene „Muscheldoktor“ Dr. Martin Mörtl vom Landesamt für Umwelt, Hof, erläuterte am Beispiel des komplexen Lebenszyklus der Flussperlmuschel – eine in Bayern nur noch selten vorkommende Süßwassermuschel – welche Umwelteinflüsse ihren Fortbestand behindern. Er machte deutlich, dass insbesondere der Eintrag von feinem Schwemmmaterial in die Gewässer lebensfeindlich für alle im Fließgewässer lebenden Tierarten ist. Somit sei das leise Verschwinden unserer Süßwassermuscheln nur ein Indikator – aber der deutlichste – für den ökologischen Zustand unsere Gewässer.
Die positiven Seiten der Wiedereroberung unserer Gewässerlandschaft durch den Biber aber auch die damit einhergehenden vielfältigen Probleme zeigte Ullrich Menacher von der Flussmeisterstelle des Wasserwirtschaftsamtes Landshut auf. Eine angepasste Abstufung der Duldung mit einhergehenden Techniken der Verhinderung seiner intensiven Baumfällaktivitäten und Gewässeranstauungen führte er anschaulich aus. Gerade in der wichtigen Forderung nach natürlichen Ufergehölzen an unseren Fließgewässern zur Beschattung und zum Uferschutz ist aufmerksamer und zielgerichteter Umgang mit dem Biber vonnöten.
Mit dem seinem Vortrag „Auf zu lebenswerten Bächen“ machte Dr. Thomas Speierl (Leiter der Fischereifachberatung Oberfranken) den Teilnehmern Mut. Ausgehend von einem gleichnamigen Projekt in Oberfranken ging er auf die Problemfelder unserer Gewässer mit möglichen Lösungsansätzen ein. Organisationen wie ein Landschaftspflege- oder Wasserunterhaltungsverband könnten geeignete Akteure für die Umsetzung zu ökologisch wertvollen und klimaangepassten Bächen sein.
Das von Doreen Detzner (WWF) vorgestellte Projekt „Fluss.Frei.Rau“ zeigte neben allgemeinen Aktionen zur Revitalisierung unsere Fließgewässer die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Fließgewässer auf. Interessierte Kommunen mit geeigneten Objekten (z. B. funktionslose Wehre) können sich beim WWF, Weilheim, melden und Erstberatungen erhalten. Nach der Mittagspause ging es zum oberen Kainzbach, wo die Teilnehmer einen Einblick in das FFH-Gebiet bekamen und der Kainzbach selber auch noch einige Strukturmängel zur Behebung aufzeigt.







