Gut Aiderbichl pflanzt für Artenvielfalt in Eslarn
Gut Aiderbichl pflanzt für Artenvielfalt in Eslarn
Die Sorge um den Verlust von Bäumen ist angesichts aktueller Entwicklungen in Deutschland und der Europäischen Union durchaus berechtigt. Die Situation ist vielschichtig und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. So wird insbesondere auch in deutschen Wäldern immer wieder Kritik am massiven Holzeinschlag laut. Kahlschläge und das Fällen alter, ökologisch wertvoller Bäume tragen zur Verschlechterung des Waldklimas und zum Rückgang der Artenvielfalt bei. Viele an Straßen und Feldern wachsende Buschreihen und gesunde Bäume verschwinden.
Ursachen und Entwicklungen beim Baumverlust
Gleichzeitig gilt der menschengemachte Klimawandel als Hauptursache für das großflächige Baumsterben: Anhaltende Trockenheit, extreme Hitze und Schädlinge wie der Borkenkäfer setzen den Beständen massiv zu und machen vielerorts Fällungen notwendig. Hinzu kommt eine steigende Nachfrage nach Holz. Studien zeigen, dass der Holzeinschlag in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Auch illegale Rodungen verschärfen die Lage zusätzlich.
Folgen für Natur und Ökosystem
Die Auswirkungen sind gravierend: Kahlschläge stören das empfindliche Ökosystem Wald, beeinträchtigen die Wasserspeicherfähigkeit der Böden und führen zu einem Rückgang der Biodiversität. Besonders problematisch ist, dass alte Bäume nicht kurzfristig ersetzt werden können – ihr Verlust wirkt langfristig.
Ein Gegenentwurf aus der Region: Zurück zur Natur
Während vielerorts Bäume verschwinden, geht der Begegnungs- und Gnadenhof von „Gut Aiderbichl“ in Eslarn bewusst einen anderen Weg. Unter dem Motto „Zurück zur Natur“ investiert Aiderbichl nicht nur Zeit und Engagement, sondern auch eine fünfstellige Summe, um aktiv neue Lebensräume zu schaffen. Auf einer Fläche von rund 15 Tagwerk pflanzten Gutsverwalter Michael Meckl und sein gleichnamiger Vater mit Mitarbeiterin Melanie Feiler etwa 70 Bäume. Die Familie Meckl setzte beim Ankauf bei der Baumschule Kahl in Plößberg gezielt auf heimische und ökologisch wertvolle Arten wie Kirschen, Äpfel und Zwetschgen.
Ergänzt wird die Pflanzung durch Douglasien sowie blühende Sträucher wie Schmetterlingsbüsche, die insbesondere Bienen und Insekten als Nahrungsquelle dienen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Schutz der jungen Bäume: Vier mit einem Drahtzaun umzäunte Holzpflöcke sollen einen Verbiss durch Tiere verhindern. So soll ein nachhaltiges Anwachsen gewährleistet werden.
Persönliche Motivation und Erinnerungen
Für die Familie Meckl, in Eslarn mit dem Hausnamen Pöiterlsimmer bekannt, ist das Projekt weit mehr als nur eine ökologische Maßnahme. Michael Meckl senior verbindet damit persönliche Erinnerungen: „Früher standen in der Nähe drei Birken – darunter haben wir als Kinder während der Feldarbeit unserer Eltern gespielt.“ Diese Bäume existieren heute nicht mehr. Umso wichtiger ist es ihm, nahe des ehemaligen Standortes wieder Birken zu pflanzen – als Symbol für Naturverbundenheit und als Stück wiedergewonnene Kindheit.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Realisierung der Pflanzaktion ist jedoch aufwendig. Neben einem detaillierten Pflanzplan waren laut Meckl auch Genehmigungen und Eintragungen beim Grundbuchamt erforderlich. Dabei zeigt sich ein bemerkenswerter Widerspruch: Während das Pflanzen von Bäumen häufig bürokratisch geregelt ist, lassen sich Fällungen oft vergleichsweise unkompliziert durchführen – ein Umstand, den die Familie kritisch sieht.
Ganzheitliches Nutzungskonzept
Die bepflanzte Fläche soll künftig nicht nur ökologisch, sondern auch landwirtschaftlich genutzt werden. Geplant ist die Beweidung mit rund 200 Schafen, die zur natürlichen Pflege der Wiesen beitragen. Schon jetzt zeigt sich die Fläche als artenreich: Im Frühjahr blühen zahlreiche Krokusse und bieten Insekten wichtige Nahrung.
Auch direkt am Hof von „Gut Aiderbichl“ engagiert sich die Familie seit Jahren für mehr Natur: Rund 20 Obstbäume, Flieder, Esskastanien sowie besondere Pflanzen wie immergrüne Erdbeerbäume wurden bereits gepflanzt.
Das Projekt der Außenstelle von „Gut Aiderbichl“ und der Familie Meckl zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltiger Umgang mit der Natur möglich ist. Während andernorts Bäume weichen müssen, entstehen hier neue Lebensräume.






