OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

Kachelofengeschichten in Kastl: Erzählabend voller Humor, Musik und Dorfgeschichte

Kastl. Mit den „Kachelofengeschichten“ hat Bürgermeister Hans Walter in Kastl ein neues, stimmungsvolles Kapitel seiner inzwischen weit über die Gemeinde hinaus bekannten Erzählabende aufgeschlagen.

Kastl. Mit den „Kachelofengeschichten“ hat Bürgermeister Hans Walter in Kastl ein neues, stimmungsvolles Kapitel seiner inzwischen weit über die Gemeinde hinaus bekannten Erzählabende aufgeschlagen.
Winterliche Kachelofengeschichten begeistern in Kastl. Foto: Antonina Musiienko

Kachelofengeschichten in Kastl: Erzählabend voller Humor, Musik und Dorfgeschichte

Nachdem die „Lagerfeuergeschichten“ seit mittlerweile sechs Jahren fester Bestandteil des Kastler Veranstaltungskalenders sind und im August im Schlosshof von Wolframshof regelmäßig ein großes Publikum anziehen – im vergangenen Jahr waren es über 160 Besucherinnen und Besucher –, lud Hans Walter nun erstmals zu einer Winterausgabe ein.

Schauplatz war die gemütliche Wirtsstube im Schützenhaus Kastl, wo der prasselnde Kachelofen von Beginn an für eine warme, fast familiäre Atmosphäre sorgte und den idealen Rahmen für Geschichten aus vergangenen Zeiten bot.

Volle Wirtsstube und gespannte Zuhörer

Fast bis auf den letzten Platz gefüllt war die Wirtsstube, als sich über 60 Gäste aus Kastl und der Umgebung einfanden, um gemeinsam zu lachen, zu schmunzeln und in Erinnerungen einzutauchen. Vor dem Kachelofen las Hans Walter insgesamt zweimal vier Geschichten aus dem dörflichen Leben vergangener Jahrzehnte – aus Kastl, dem Steinwald und dem nördlichen Oberpfälzer Umland.

Viele Zuhörerinnen und Zuhörer erkannten dabei vertraute Orte, Typen und Situationen wieder oder konnten sich die geschilderten Szenen lebhaft vorstellen. Genau diese Nähe zum Erzählten machte den besonderen Reiz des Abends aus und sorgte immer wieder für herzhaftes Gelächter, zustimmendes Nicken und spontanen Applaus.

Musik zwischen den Geschichten – The Couch Acoustics

Musikalisch und atmosphärisch begleitet wurde der Abend von der Band „The Couch Acoustics“, bestehend aus Thomas Kneidl aus Kastl und Frank Unterburger aus Fichtelberg. Gemeinsam mit Hans Walter standen sie damit bereits zum sechsten Mal als eingespieltes Trio auf der Bühne.

Zwischen den einzelnen Texten sorgten Kneidl und Unterburger mit zahlreichen stimmungsvollen Liedern für fließende Übergänge, emotionale Ruhepunkte und musikalische Kontraste. Handgemacht, unplugged, mit Gitarre und zweistimmigem Livegesang reichte das Repertoire von ruhigen, nachdenklichen Stücken bis hin zu schwungvollen Klassikern, die zum Mitsummen und Mitsingen einluden. Die Musiker griffen dabei immer wieder die Stimmung der Geschichten auf und kommentierten diese augenzwinkernd – ganz im Stil eines geselligen Wirtshausabends früherer Tage.

OTH Amberg-Weiden
OTH Amberg-Weiden

Ein weiter Bogen durch Geschichte, Glauben und Dorfleben

Inhaltlich spannte Hans Walter einen weiten, abwechslungsreichen Bogen durch Geschichte, Glauben, Aberglauben und das alltägliche Dorfleben. Mit „Das Messer, die Drud und der liebe Gott“ führte er sein Publikum in die geheimnisvolle Zeit der Rauhnächte. Zwischen tief verwurzeltem katholischem Glauben und bäuerlichem Aberglauben erzählte er von Großeltern, die selbstverständlich ein Schlachtmesser unter dem Kopfkissen bereithielten, während Haus, Stall und Stodl gewissenhaft ausgeräuchert wurden. Eine augenzwinkernde Erinnerung an eine Zeit, in der man an Gott glaubte, die Drud fürchtete – und vor allem eines vermeiden wollte: dass zwischen den Jahren der Stodl in Flammen aufgeht.

Deutlich ausgelassener ging es bei „Dreikönig, der Heilige Geist und a sakrischer Rausch“ zu. Die Geschichte über das Sternsingen in Kastl erzählte von sorgfältig geschriebenem C + M + B, legendären Spenden, langen Wegen durch Schnee und klamme Finger – und von jugendlichem Übermut, der schließlich in einem nicht ganz nüchternen Dreikönigsabenteuer gipfelte. Eine warmherzige Erinnerung daran, dass Traditionen zwar ernst gemeint waren, aber dennoch immer vom echten Leben geprägt wurden.

Einen besonderen Höhepunkt bildete „Sitzt hier die Hölle?!“, in der Hans Walter mit viel Zeitkolorit den gesellschaftlichen Umbruch der 1970er-Jahre schilderte. Der erbitterte Kampf eines eifernden Paters gegen Minirock, Tanzlust und neue Freiheiten führte Kastl einst sogar unfreiwillig in die bundesweit bekannten St. Pauli Nachrichten. Heute sorgt diese Episode vor allem für schmunzelnde Rückblicke und lebhafte Stammtischgespräche.

Mystischer wurde es mit der Erzählung über die untergegangene Stadt Mirga am Barbaraberg. Sagen, Mythen, die Narisker, vermutete Handelswege, geheimnisvolle Funde, Geisterglocken und bewachte Schätze verschmolzen zu einem Panorama, das zeigte, wie lebendig regionale Geschichte auch dort bleibt, wo es keine endgültigen Antworten gibt.

Nachdenklicher, aber nicht minder unterhaltsam, war die Geschichte über die Rauhnächte, in der alter Glaube und Aberglaube mit einer Begebenheit aus einem Bauernhaus im Steinwald verbunden wurden. Der vermeintliche nächtliche Spuk entpuppte sich schließlich als ausgebrochener Ochse in der guten Stube – sehr zur Erheiterung des Publikums und als Erinnerung daran, dass hinter manchem Aberglauben oft ganz bodenständige Ursachen stecken.

Mit „Kreide, Gewehr und Menschenkenntnis“ zeichnete Hans Walter das Porträt des Kastler Lehrers März, der Nachkriegszeit, Jagdleidenschaft und Dorfalltag auf besondere Weise miteinander verband. Besonders die pädagogische Raffinesse, mit der der Lehrer Wilderei und Liebespaare „aufklärte“, sorgte für zahlreiche Lacher und anerkennendes Kopfnicken.

Derb, direkt und unvergesslich war „Der Odlmanscher“, die Geschichte eines harmlosen Lausbubenstreichs, der in einer unfreiwilligen Odl-Taufe endete und dem Betroffenen einen lebenslangen Spitznamen einbrachte. Spätestens hier bebte die Wirtsstube vor Gelächter.

Den Abschluss bildete „Wie ma in Kastl a heilige Sach g’richtet houd“, eine Erzählung voller Dialekt, Witz und bayerischer Lebensart, in der ein handfester Konflikt zwischen Pfarrer, Vater und Bürgermeister auf ebenso ungewöhnliche wie wirkungsvolle Weise gelöst wurde – mit gesundem Menschenverstand und einer wohlplatzierten Watschn.

Mehr als ein Erzählabend

Am Ende des Abends war eines deutlich spürbar: Die „Kachelofengeschichten“ sind weit mehr als nur eine Winterausgabe der Lagerfeuergeschichten. Sie sind gelebte Dorfkultur, gemeinsames Erinnern, Lachen und Nachdenken – getragen von Geschichten, Musik und einem warmen Kachelofen.

Viele Gäste blieben noch lange sitzen, tauschten eigene Erinnerungen aus und waren sich einig: Diese Form der Wintergeschichten hat großes Potenzial. Eine Fortsetzung am Kachelofen wäre mehr als willkommen.