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MSR Bertelshofer
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KLB-Reisegruppe erkundet Polen - den unbekannten Nachbarn

Regensburg. Faszinierende UNESCO-Welterbestätten, pulsierende Tourismushochburgen, prächtige Basiliken und Pilgerstätten, aber auch einen bewegenden Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und herzliche Wiedersehenstreffen mit „alten Freunden“ bot die siebentägige Reise zum „unbekannten Nachbar Polen“, die vom Verband der Katholischen Landvolkbewegung KLB organisiert wurde. Fotos: KLB

KLB-Reisegruppe erkundet Polen - den unbekannten Nachbarn

Reisegruppe gemeinsam mit polnischen Partnern – Marietta Hutter
Stadtführung in Krakau. Marktplatz mit Tuchhallen und Marienkirche: Foto: Maria Reitinger
Ein Biergarten ist ein Biergarten Foto: Maria Reitinger
Kurzbesuch in Breslau Foto: Marietta Hutter
Abschließende Andacht an der Friedenskirche Foto: Maria Reitinger

Vergangenheit trifft auf Zukunft und Freundschaft

Reisebericht von Maria Reitinger – KLB Regensburg

So machten sich 31 erwartungsvolle Teilnehmer aus der ganzen Diözese, die in Cham, Nabburg und Vohenstrauß in den bequemen Reisebus zustiegen, in der letzten Augustwoche auf in das östliche EU-Land, mit dem seit 1987 über den KLJB-Kreisverband Cham ein gegenseitiger Jugendaustausch stattgefunden hatte. Über eine „gewöhnliche“ Studienreise hinaus wollte man auch die polnischen Freunde wieder treffen, die seit fast 40 Jahren persönliche Beziehungen in den Landkreis Cham pflegen.

Anreise

Am Anreisetag machte die Gruppe einen Zwischenstopp in der tschechischen Kleinstadt Telč. Das geschlossene historische Ensemble des Marktplatzes gehört seit 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe und bot an diesem Tag zufällig eine wunderbare Kulisse für das historische Stadtfest mit seinem bunten Treiben, Spielen, Musik und Handwerksständen.

Auschwitz

Das erste Nachtquartier bezog die Gruppe im Dialogzentrum in der polnischen Stadt Auschwitz, das direkt neben dem Gelände der KZ-Gedenkstätte als Unterkunft und Begegnungsstätte gebaut wurde, als nach der Öffnung der Grenzen in den 1990er Jahren der Besucherstrom enorm angewachsen war.
Nach dem Abendessen trafen auch die polnischen Freunde Christoph, Bogdan, Agnieszka, Anna und Jurek ein, denn einige der Reiseteilnehmer waren schon vor Jahrzehnten beim Austausch dabei und alle freuten sich auf ein Wiedersehen. KLB-Kreisseelsorger Pfarrer Ambros Trummer hatte 1987 bei einem Besuch in Polen fünf Studenten einer polnischen katholischen Jugendgruppe in seinen Pfarrhof nach Lohberg eingeladen. Für die Polen erzählte Christoph Gadzina, welches Abenteuer die Reise mit dem Zug durch den Eisernen Vorhang damals darstellte und wie sie es schafften, als völlig Fremde von Böhmisch Eisenstein nach Lohberg zu kommen. Einige lustige polnische und deutsche Lieder rundeten das erste Treffen an dem Abend ab.

Am Tiefpunkt der deutschen Geschichte

Am Sonntagmorgen stand die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau auf dem Programm. Eine Führerin begleitete die Gruppe durch das riesige Areal mit den erhaltenen Gebäuden, den bedrückenden Dokumenten und persönlichen Gegenständen – Zeugnisse des ehemaligen deutschen nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers. Sie beschrieb eindrücklich Aufbau und Funktionsweise und wie schwierig das Überleben in diesem Umfeld war. Ein Shuttlebus brachte die Gruppe zum 3 km entfernten Außenlager Auschwitz II, wo von 1940 bis 1945 über 1,1 Mio. Menschen, vor allem Juden, ermordet wurden. Etwa 900.000 davon gingen direkt nach ihrer Ankunft in die Gaskammern. Die Größe des Lagergeländes und der Monstrosität der Verbrechen, die hier Alltag waren, erschütterte die Besucher tief. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst mit den polnischen Freunden, den Pfarrer Ambros Trummer im Dialogzentrum zelebrierte, brach die Gruppe auf ins 70 km entfernte Krakau und bezog dort direkt im Stadtzentrum ein schönes Hotel für die nächsten vier Übernachtungen.
Der folgende Tag stand ganz im Zeichen der alten Königsstadt. Der deutsche Stadtführer Jan, der schon jahrelang in Krakau lebt, wusste viel zu berichten über die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner, zu denen auch der inzwischen Heilige Papst Johannes Paul II. gehört, der hier als Priester, Bischof und Kardinal, aber vor allem als Mitkämpfer im politischen Umbruch der 1980er Jahre wirkte und an den viele Gedenktafeln und Denkmäler erinnern. Im Innenhof der ältesten polnischen Universität aus dem 14. Jh. erwartete die Gruppe mit hunderten Touristen das „Männlein-Laufen“ und auf dem größten mittelalterlichen Marktplatz Europas lauschte sie dem Trompeter, der jede volle Stunde vom Turm der Marienkirche seine Melodie spielt, bevor sie in der prächtigen Marienbasilika Zeuge war, als der riesige gotische Flügelaltar des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß geöffnet wurde.

Die Schönheit Krakaus begeisterte

Man sah fein restaurierte, historische Fassaden und versteckte Innenhöfe und nach einer ausgiebigen Mittagspause in einem typischen Café führte die Tour hinauf zum Wawel-Schloss und zur Stanislaus-Kathedrale, in der sich fast alle polnischen Königsgräber und -gruften befinden. Über enge Treppen gings hinauf in den Turm zur großen Sigismundglocke aus dem Jahr 1520 und nach einem Abstecher in den arkadengeschmückten Schlosshof fand die erlebnisreiche Tour beim Feuer speienden Wawel-Drachen ihr Ende. Durch die zentrale Lage des Hotels konnten die Reiseteilnehmer bei herrlichem Wetter die Freizeit noch nutzen für ein Eis oder einen Kaffee. Oder man besuchte nach dem Abendessen einen der vielen Jazz-Keller, denn Krakau hat die größte Kneipendichte in Bezug auf Einwohner weltweit.

Witron – Koch und Servicekraft gesucht
Witron – Koch und Servicekraft gesucht

Krakauer Vorort Lagiewniki

Am Dienstagvormittag sorgte leichter Regen für eine Abkühlung, was der Stimmung keinen Abbruch tat, denn mit dem Bus wurden die Pilgerstätten im Krakauer Vorort Lagiewniki besucht. Das von 1999 bis 2002 errichtete moderne Sanktuarium kann bis zu 5.000 Gottesdienstbesucher fassen und steht ganz im Zeichen der Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit, die auf die Visionen der 2000 heiliggesprochenen Schwester Faustina zurückgeht. Im Kloster nebenan wird die Zelle der 1938 verstorbenen Schwester sowie in der Klosterkirche ihre Reliquien und das Bild des erschienen Jesus verehrt. Gemeinsam mit der vor zehn Jahres fertig gestellten Wallfahrtskirche zu Ehren des Hl. Johannes Paul II. bildet sie inzwischen nach Tschenstochau die zweitgrößte Wallfahrtsstätte Polens mit jährlich vielen hunderttausend Pilgern aus bis zu 100 Ländern. Mit dem Aufzug auf den rund 70 m hohen Kirchturm hinauf, bot sich eine herrliche Aussicht auf die Umgebung.
Im Bus fuhr die Gruppe ein paar Kilometer weiter nach Wieliczka zu einem der ältesten und größten Salzbergwerke der Welt. Hier wurde über 700 Jahre lang Steinsalz abgebaut, bevor vor gut 30 Jahren der Bergbau weitgehend eingestellt wurde. Die riesigen unterirdischen Hallen, die sich über viele Ebenen verteilen, sind nun Ziel von Touristen und Kurgästen und stehen seit 1978 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Aus Salz gefertigte Skulpturen erinnern an die Geschichte des Salzabbaus und des Landes und sorgten für Kurzweil während der mehrstündigen und anspruchsvollen Führung unter Tage. Zum Abendessen hatte man schließlich mit den polnischen Familien ein nettes Restaurant gebucht, wo sich die große Gruppe bei polnischen Spezialitäten austauschen und feiern konnte.
Am Mittwoch wartete wieder Reiseführer Jan in der Hotelhalle und begleitete mit der Tram die deutschen Gäste ins jüdische Viertel Kazimierz. Jahrhundertelang war es kulturelles und religiöses Zentrum der Juden von Krakau und Polen. Nach dem Holocaust wurde das Viertel Jahrzehnte lang vernachlässigt. Seit dem Film „Schindlers Liste“ ist Kazimierz und die nahe Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler Ziel von Touristen aus aller Welt. Viele Synagogen zeugen noch heute von der Vielfalt der jüdischen Gemeinde und dienen nach wie vor als Ort des Gebets, teils werden sie anderweitig genutzt als Café oder Laden.

Auch Breslaus Zentrum beeindruckte

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Krakau und es ging weiter in die schlesische Metropole Breslau. Ein Stadtführer zeigte den Marktplatz mit dem prächtigen mittelalterlichen Rathaus, schmale Gassen mit kleinen Geschäften, die neu renovierte Elisabethkirche, die Universität und auf der anderen Seite des Oderflusses die Dominsel und erzählte dabei viel über die ältere und jüngere Stadtgeschichte, denn Breslau war nach Ende des Zweiten Weltkrieges zu 90 Prozent zerstört. „Zaungäste“ waren dabei immer wieder Breslauer Zwerge, inzwischen über 1.000 kleine Bronzefiguren, auf die man überall in der Stadt trifft. Den letzten Abend der einwöchigen Reise nutzten die Gäste für ein letztes polnisches Bier am Marktplatz und am Morgen brach man dann auch schon wieder die Heimreise an.

Zurück in die Heimat

Nach kurzer Fahrt wurde nochmals ein Zwischenstopp eingelegt, um die evangelische Friedenskirche von Schweidnitz zu besuchen. Die größte Fachwerkkirche Europas entstand nach dem 30-jährigen Krieg und bot Platz für etwa 7.500 Menschen. Mit einer kurzen Andacht ging es durch malerische Landschaften des Riesengebirges und weiter über Prag zurück in die bayerische Heimat. Sieben Tage Polen waren wie im Flug vergangen. Dem bisher unbekannten und oft ein wenig skeptisch beäugten Nachbarland war man trotz der großen Entfernung ein wenig näher gerückt, die Gespräche mit den alten Freunden und die gesammelten Eindrücke hatten dazu beigetragen und ein Gegenbesuch ist voraussichtlich in zwei Jahren geplant.