Moderne Kasernen ersetzen Baracken in den Feldlagern
Moderne Kasernen ersetzen Baracken in den Feldlagern
Erstklassige Einrichtungen sind der Schlüssel zur Einsatzbereitschaft
ORTC steht für „Operational Readiness Training Complex“, einen Campus für die nach Grafenwöhr zur militärischen Ausbildung kommenden Truppen der US-Armee und der NATO Partner. Innenminister Joachim Herrmann legte beim Spatenstich zu den ersten zwei Bauphasen den Grundstein für das Projekt.
„Erstklassige Einrichtungen sind der Schlüssel zur Einsatzbereitschaft der US-Streitkräfte sowie unserer Verbündeten und Partner“, stellte Oberst Daniel Kent, Kommandeur der US-Armee Corps of Engineers, Europe District, bei der Ansprache zur Grundsteinlegung heraus.
Schon Elvis schlief in den alten Barracken
Rund 12.000 US-Soldaten sind in Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels fest stationiert. Die Übungseinheiten und rotierenden Truppen sind in den Feldlagern Aachen, Algier und Normandie sowie im Zeltlager Kasserine untergebracht. Die Lager bestehen aus gemauerten Steinbaracken, die wenig Komfort bieten. Gebaut wurde in den 1950er Jahren für rund 15.000 Mann in Festunterkünften. Große Schlafsäle, in denen bis zu 60 Soldatinnen und Soldaten unterkommen. Prominentester Manöversoldat war 1958 und 1960 Elvis Presley, er hauste in einer Baracke im Camp Algier. Zu den einzelnen Zeilen der Baracken gehören abgesetzte Versorgungseinheiten mit Feldküchen und Speisesälen, Toiletten und Duschen. Dies entspricht schon lange nicht mehr dem heutigen Standard. Eine Koste-Nutzen-Analyse zeigte auf, dass diese Gebäude nicht mehr kosteneffektiv und nachhaltig saniert werden können und so wurde schon seit geraumer Zeit für den Neubau geplant.
40 neue Gebäude mit 11 neuen Anlagentypen für rund 5.000 Soldaten
Oberst Daniel Kent, stellte beim Spatenstich Details des ORTC-Projekts vor: „Es werden 40 neue Gebäude mit 11 neuen Anlagentypen errichtet. Wir reden über alles, was eine Brigade zum Leben und Handeln während ihrer Einsätze benötigt“. Gebaut werden ein Dutzend neue, moderne Kasernen, viergeschossige Gebäude für Soldatinnen und Soldaten der Übungseinheiten. Dazwischen stehen eingeschossige Brigade-, Bataillons- und Kompaniehauptquartiersgebäude sowie zweigeschossige Offiziersunterkünfte. Eine neue Klinik sowie eine Diningfacility mit brandneuem Speisesaal und ein großes Fitnesscenter sind auch in der Planung enthalten. Eine Shopette soll für die Deckung des täglichen Bedarfs gebaut werden. Westlich der Unterkunftsgebäude schließen sich die Fahrzeugabstellflächen mit Werkstatthallen an, von dort ist direkt die Auffahrt auf die Panzerstraße möglich. „Wir sprechen von genügend Einrichtungen und Infrastruktur, um 5000 rotierende Soldaten mit all ihrer Ausrüstung und Fahrzeugen unterzubringen, mit einer Stoßkapazität von bis zu 9500, falls es erforderlich sein sollte“, so Kent. Oberst Kent dankte ausdrücklich seinem Team für die Vorbereitung und Planung sowie der US-Armee-Garnison Bavaria und den deutschen Partnern vom Staatlichen Bauamt Amberg Sulzbach mit seinem neuen Leiter, dem Gmünder Tobias Bäumler.
325 Millionen für die ersten zwei Baupahsen und “Zukunftsvisionen”
Große Schautafeln visualisieren bei der Grundsteinlegung die Ansicht auf die neuen Gebäude und Einrichtungen. Ein möglicher Entwicklungsplan zeigt auch die komplette Überbauung der jetzigen Lager Aachen und Algier auf, eine „Zukunftsvision“ für die nächsten Jahrzehnte, wie Architektin Andrea Hösl, die Leiterin der Planungs- und Bauabteilung der US-Armee Garnison Bavaria auf Anfrage mitteilt. Im Focus liegt jetzt der ausgewiesene ORTC-Bereich für eine Trainings-Brigade mit sieben Bataillonen, das Gesamtvolumen wird in den Unterlagen auf rund 900 Millionen US-Dollar beziffert. Unterteilt ist das Projekt in sieben Phasen, die Planungen für die ersten zwei Phasen sind beauftragt und haben ein Volumen von rund 325 Millionen US-Dollar.
Umweltverträglichkeitsprüfung und Rodung für erste Bauabschnitte
Seit 2021 wurde geplant, parallel dazu lief das Waldumwandlungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung nach den entsprechenden Bundesgesetzen. Verfahrensträger ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Zentrale Sparte Bundesforst in Nürnberg. Forstdirektor Axel Schulze-Bierbach erläuterte beim Spatenstich Innenminister Herrmann und Bürgermeister Edgar Knobloch die Verfahrensschritte. Bis zum 28. Februar diesen Jahres wurden 14,5 Hektar Wald gerodet, die Gesamtfläche des ORTC-Bereichs beträgt rund 22 Hektar. Greifvogel-Attrappen schweben seitdem zur Vergrämung von Bodenbrütern über dem gerodeten Baufeld. Es folgen nun die Entstockung und Baufeldfreimachung, notwendig ist auch eine Erkundung und Untersuchung nach möglichen Blindgängern und Munitionsresten. Der Auftrag für die Baufeldfreimachung und teilweise Erschließung hat die Firma Markgraf.
Vergeben werden dann auch die weiteren Aufträge, die Bauausführung für die ersten zwei Phasen ist von 2024 bis 2028 vorgesehen, weitere Phasen werden ab dem Finanzjahr 2026 geplant.








