Seit drei Jahren schuldenfrei in Schlammersdorf

Seit drei Jahren schuldenfrei in Schlammersdorf
Seit drei Jahren schuldenfrei: Noch trotzt die Gemeinde Schlammersdorf dem allgemeinen kommunalen Wehklagen.
Finanzlage und Herausforderungen
Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben wird auch in einer der kleinsten Gemeinden des Landkreises größer. Eine negative Entwicklung, die Bürgermeister und Rat dank hoher staatlicher Förderungen für die Großprojekte der Gemeinde wettmachen.
Blitz und Donner kamen am Dienstagabend über den Gemeinderat. Ein Gewitter entlud sich während der wichtigsten Ratssitzung des Jahres über Schlammersdorf. Ein Zeichen schöpferischer Kraft? Vielleicht. Allerdings wäre dem Rat vermutlich statt des einsetzenden Gewitterregens beim Beleuchten des Haushaltsentwurfs der Gemeinde ein Geldregen lieber gewesen. Die klamme Kasse bestimmt auch Schlammersdorfs Gemeindeetat.
Verschuldung bei Null
Gleichwohl dürfen sich Bürgermeister Johannes Schmid, Rat und Kämmerer über eine Null besonders freuen. Der Schuldendienst liegt bei null und auch die Pro-Kopf-Verschuldung ist sagenhaft günstig. Es gibt keine! Ein Szenario, das die Ratsmitglieder trotz der bundes- und landesweit strukturellen Schieflage der Kommunen mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft blicken lässt.
Ein Blick in das Haushaltswerk zeigt: Höhere Umlagen und neue Pflichtaufgaben schränken den Handlungsspielraum der Gemeinde zunehmend ein. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei der Kreisumlage und bei der Beteiligung an den Kosten für die Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach. Eine Situation, die das Sparen in den Mittelpunkt rückt, so die Anmerkung des Bürgermeisters. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“ Diese Faustregel für den Notgroschen zeigt Wirkung. Schlammersdorf ist seit drei Jahren schuldenfrei und bleibt handlungsfähig, bilanzierte VG-Kämmerer Michael Eisner in seinem Vorbericht.
Kreisumlage gefährdet Handlungsspielräume
Ein Grundsatz, der Wirkung zeigt. Der Kämmerer präsentierte einen soliden Haushaltsentwurf mit vielen Frohbotschaften, aber auch mit steigenden Verpflichtungen. Den Verwaltungshaushalt beleuchtend, begrüßte Eisner besonders die gute Entwicklung beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer (647.000 €) und bei der Schlüsselzuweisung des Freistaats (501.000 €). Diesen Grundpfeilern einer geordneten Finanzwirtschaft stehen allerdings auch in Schlammersdorf deutliche Steigerungen bei den Überweisungen an den Landkreis in Form der Kreisumlage (492.000 €), an die Verwaltungsgemeinschaft (483.000 €) und bei den Personalkosten (218.000 €) gegenüber.
Investitionsbereitschaft ungebrochen
Die positive Nachricht: Trotz steigender Ausgaben „rettete“ Michael Eisner eine bescheidene Zuführung zum Vermögenshaushalt in Höhe von 57.500 €. Mit diesem „Startkapital“ planen Bürgermeister, Gemeinderat und Kämmerer optimistisch Investitionen in Millionenhöhe. Dank der Zuwendungen des Bundes und des Freistaats (1,03 Millionen Euro) und einer Rücklagenentnahme von 141.000 € sind im Vermögenshaushalt des Etats 2026 unter anderem Investitionen zur Verbesserung der Breitbandversorgung (289.000 €), ein Finanzierungsansatz von 160.000 € für den Radwegbau Schlammersdorf-Oberbibrach, die Neuanschaffung eines TSF-W für die Freiwillige Feuerwehr (150.000 €), eine Investitionszuweisung an den Abwasserzweckverband in Höhe von 106.500 € und Grundstückskäufe (100.000 €) möglich.
Mutig erscheinen auch die Zukunftsinvestitionen. Im Finanzplan und im Investitionsprogramm wird unter anderem auf die Sanierung der Kläranlage, auf Baugebietserweiterungen, auf die Erneuerung der Gemeindeverbindungsstraße Moos–Oberbibrach und auf die Beschaffung eines neuen Löschfahrzeugs für die Feuerwehr verwiesen. „Zukunftsprojekte ohne Luxus“, wie Bürgermeister Johannes Schmid mit Blick auf die nachhaltige Weiterentwicklung der Gemeinde betonte, um gleichzeitig einen Appell an die große Politik zu richten: „Wer den Kommunen immer neue Aufgaben überträgt, muss diese auch dauerhaft finanzieren. Nur so bleibt auch die Gemeinde Schlammersdorf handlungsfähig“.
Rücklagenpolster lässt hoffen
„Die Luft wird dünner“, warnte der Gemeindechef, um schließlich zu relativieren: „Noch können wir auf eine gute Rücklage bauen.“ Ein Finanzpolster, das voraussichtlich zum Jahresende 2026 „noch“ 358.000 € beträgt. Ein Thema, das auch Ratsmitglied Markus Seufert mit Blick auf die mittelfristige Finanzentwicklung Sorge bereitet, wenn die Ausgabenseite neue Rücklagenbildungen nicht mehr zulässt. Nach Vorberatungen in einer Sondersitzung billigte das Gremium das gesamte Haushaltswerk einstimmig.
Die Eckdaten des Gemeindehaushalts 2026
Gesamtvolumen 3,4 Millionen Euro (244.000 € mehr als im Vorjahr). Verwaltungshaushalt 2,17 Millionen Euro, Vermögenshaushalt 1,23 Millionen Euro. Pro-Kopf-Verschuldung null. Voraussichtliche Rücklage zum Jahresende: 358.000 €. 870 Einwohner zum 30. Juni 2025.
Allgemeine Zustimmung herrschte zum Antrag der Selbsthilfeorganisation „Gemeinschaft – Generationen Hand in Hand (GEHIH) im Kooperationsraum des Vierstädtedreiecks“ zur Erhöhung des Gemeindezuschusses. Mit viel Anerkennung für die wertvolle Arbeit des Vereins billigte das Gremium eine Erhöhung des Gemeindezuschusses von 50 auf 60 Cent je Einwohner. Derzeit sind 19 Schlammersdorfer Mitglieder des Vereins, davon sieben Helfer, ergänzte der Bürgermeister. Als weiteren Vertreter der Gemeinde zur Generalversammlung der NEW-Neue Energien West bestellte der Rat Zweite Bürgermeisterin Tanja Renner.
Wenn Du OberpfalzECHO als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Dich auf.
Füge jetzt OberpfalzECHO Deinen Quellen hinzu!




