Soldaten- und Reservistenkameradschaft Schirmitz endet nach 140 Jahren

Soldaten- und Reservistenkameradschaft Schirmitz endet nach 140 Jahren
Ein außergewöhnlicher Abend steht der Soldaten- und Reservistenkameradschaft (SRK) Schirmitz bevor: Am Freitag feiert sie ihr 140-jähriges Bestehen und verabschiedet sich zugleich als Verein. Um 18 Uhr treffen sich die Mitglieder und Gäste zu einem Zoiglabend im Vereinslokal Heigl. Nach 140 Jahren endet damit die Geschichte eines der traditionsreichsten Schirmitzer Vereine.
Der Abend soll trotz des Abschieds kein trauriges Ende sein. Die Mitglieder wollen noch einmal gemeinsam zurückblicken, Erinnerungen austauschen und auf die lange Geschichte der Kameradschaft anstoßen. Bei einer letzten Versammlung stehen außerdem eine kurze Ansprache und einzelne Ehrungen auf dem Programm. Einen besonderen Platz nimmt die Übergabe eines Schecks an den Förderverein zur Unterstützung der Arbeit mit Versehrten am Standort Warendorf (FUAV) ein.
Rückblick, Ehrungen und Spendenübergabe
„Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, blickt Vorsitzender Oberstleutnant a. D. Thomas Lewerenz auf die Entwicklung der Kameradschaft zurück. Besonders bedauert er, dass trotz eines Aufrufs keine jüngeren Männer und Frauen für eine Fortführung des Vereins gewonnen werden konnten. „Die Mitgliederzahl ist über die Jahre deutlich geschrumpft. Nachwuchs fehlt uns leider völlig“, erklärt Lewerenz.
Historie der Kameradschaft seit 1886
Die Gründung liegt 140 Jahre zurück, die Wurzeln der Schirmitzer Kameradschaft reichen bis zum 9. Februar 1886 zurück. Nur wenige Wochen später schlossen sich die Mitglieder dem Bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenbund an. Ein Protokoll aus dem Jahr 1892 vermittelt einen Eindruck vom damaligen Selbstverständnis solcher Vereinigungen. Patriotismus, Nationalbewusstsein sowie die Verbundenheit mit dem bayerischen Königshaus, dem Kaiser und dem Deutschen Reich prägten die damaligen Kriegerkameradschaften.
Gleichzeitig übernahmen die Vereinigungen wichtige soziale Aufgaben. Sie unterstützten bedürftige Kameraden sowie Witwen und Waisen und standen damit für einen ausgeprägten Solidargedanken. Diese Hilfe für Kameraden gehört bis heute zu den Aufgaben des Bayerischen Soldatenbundes.
Neugründung 1957 und gelebter Zusammenhalt
Nach zwei Weltkriegen und den gesellschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit entstand die Schirmitzer Kameradschaft 1957 erneut. Männer schlossen sich zusammen und führten die Tradition der gegenseitigen Unterstützung fort. Kameradschaft, Zusammenhalt und die Bereitschaft, füreinander einzustehen, standen dabei im Mittelpunkt.
Das 100-jährige Jubiläum blieb unvergessen
Besonders gerne erinnern sich die Verantwortlichen an die großen Jubiläumsfeiern. Das 100-jährige Gründungsfest markierte einen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Mehr als 70 Vereine beteiligten sich damals am Festzug und machten das Jubiläum zu einem großen Ereignis für die gesamte Gemeinde.
Auch das 125-jährige Bestehen feierte die Kameradschaft gebührend. Vorsitzender Thomas Lewerenz und sein Vorstandsteam freuten sich damals über die große Beteiligung und die Verbundenheit der Mitglieder und befreundeten Vereine. Heute fällt der Blick zurück deutlich nachdenklicher aus.
Denn die gesellschaftlichen Veränderungen machten auch vor der SRK nicht Halt. Der Wegfall des ursprünglichen Solidargedankens, das Aussetzen der Wehrpflicht und die allgemein rückläufige Bereitschaft, sich langfristig in Vereinen zu engagieren, hinterließen ihre Spuren. Die Kameradschaft fand trotz ihrer langen Tradition keine Nachfolger. Die Mitglieder diskutierten deshalb bereits vor Monaten bei einer Versammlung über die Zukunft des Vereins und entschieden sich, die SRK zum Jahresende aufzulösen. Damit endet zwar die Vereinsarbeit, doch nicht alle Aufgaben verschwinden.
Tradition soll weiterleben
Die Gestaltung des Volkstrauertages in Schirmitz und die jährliche Sammlung zugunsten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sollen auch künftig erhalten bleiben. Die Kameradschaft hat diese Aufgaben über Jahrzehnte getragen und will die Verantwortung nun gemeinsam mit der Gemeinde weiterführen – soweit dies möglich ist. Auch der letzte Abend steht deshalb für die Werte, denen sich die Kameraden verpflichtet fühlten. Der Leitspruch des Bayerischen Soldatenbundes „In Treue fest!“ soll nach den Worten von Lewerenz weiterhin gelten. Die Kameraden verstehen darunter heute vor allem die Verbundenheit mit den demokratischen Werten Deutschlands sowie den Einsatz für Frieden, Freiheit und gegenseitige Unterstützung.
Mit der Auflösung endet am 25. September zwar die Geschichte der SRK Schirmitz als Verein, die Erinnerung an 140 Jahre Kameradschaft, an gemeinsame Feste, Gedenktage und die Hilfe für andere soll jedoch bleiben. Der letzte Abend im Vereinslokal Heigl verbindet deshalb Rückblick und Abschied und lässt eine lange Schirmitzer Vereinstradition ausklingen.
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