Stiftlandtag belebt Holzrad-Handwerk in Tirschenreuth

Stiftlandtag belebt Holzrad-Handwerk in Tirschenreuth
Kaum eine Erfindung hat das Leben der Menschen so nachhaltig verändert wie das Rad. Es erleichterte den Transport, machte größere Entfernungen überwindbarer und wurde zum Ausgangspunkt für unzählige technische Entwicklungen:
Handwerkskunst beim Stiftlandtag in Tirschenreuth
Wie viel Handwerk in einem Holzrad steckt, wurde am 6. September beim Stiftlandtag in der „Alten Wagnerei“ in Tirschenreuth deutlich. Rund 90 Minuten lang nahm Schreinermeister Horst Schafferhans die Besucherinnen und Besucher mit in eine Zeit, in der Fuhrwerke, Kutschen und Leiterwagen zum Alltag gehörten und der Wagner dafür sorgte, dass die Räder zuverlässig liefen.
Vom Rohholz zum Rad: Herstellung Schritt für Schritt
Im Mittelpunkt stand die Herstellung eines Holzrades. Schafferhans erklärte Schritt für Schritt, wie aus einzelnen Holzteilen ein stabiles und funktionierendes Rad entsteht. Dabei ging es um die Auswahl und Bearbeitung des richtigen Holzes ebenso wie um Nabe, Speichen und Radkranz. Was heute auf den ersten Blick einfach erscheint, erforderte früher wie heute viel Erfahrung, handwerkliches Geschick, findiges Werkzeug und ein gutes Gespür für das Material.
Dabei reicht die Geschichte des Holzrades weit zurück. Die ersten Räder waren massive Holzscheiben. Erst nach und nach setzte sich das Speichenrad durch: Die Nabe wurde über Speichen mit dem Radkranz verbunden. Dadurch wurde das Rad leichter und konnte zugleich größer gebaut werden – ein entscheidender Fortschritt für Fuhrwerke und Kutschen.
Stete Weiterentwicklung über Jahrtausende
Die Geschichte des Rades ist damit auch eine Geschichte des stetigen Ausprobierens und Verbesserens. Über Jahrtausende wurde Bewährtes weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst. Aus der schweren Holzscheibe entstand das leichtere Speichenrad, später kam der schützende Eisenreifen hinzu. Neue Erkenntnisse und Erfahrungen machten das Rad somit Schritt für Schritt leistungsfähiger und langlebiger.
Wie genau die einzelnen Teile zusammenspielen müssen, damit ein Rad rund läuft und den Belastungen standhält, erläuterte Schafferhans anschaulich und detailliert. Dabei wurde sehr deutlich, wie viel praktisches Wissen hinter einem handwerklich gefertigten Wagenrad steckt.
Traditionelles Handwerk lebendig präsentiert
Bei „Das Rad neu erzählt“ ging es deshalb um mehr als die Herstellung eines Gebrauchsgegenstandes. In der Alten Wagnerei wurde ein Handwerk lebendig, das aus dem früheren Alltag kaum wegzudenken war. Der Wagner fertigte und reparierte Räder und Fuhrwerke und sorgte damit dafür, dass landwirtschaftliche Wagen und Pferdefuhrwerke ihren Dienst tun konnten.
Passender hätte der Ort für diese Zeitreise kaum sein können: In der ehemaligen Völkl-Scheune arbeitete einst der letzte Tirschenreuther Wagner. Heute erinnert Horst Schafferhans im restaurierten Anwesen an dieses Handwerk und an eine Zeit, in der ein Rad noch mit viel Können, praktischer Erfahrung und Geduld gebaut und repariert wurde.
Außenstelle Alte Wagnerei im MuseumsQuartier
Außenstelle „Alte Wagnerei“ im MuseumsQuartier Tirschenreuth, Regensburger Straße 6c, 95643 Tirschenreuth.
Öffnungszeiten: jeden ersten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr.
Kontakt
Kontakt über das MuseumsQuartier | Tel. 09631 – 6122
IKom Stiftland – Museumsfachstelle – Stefanie Schreiner, Hochwartstraße 3, 95643 Tirschenreuth.
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