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Storchenhorst am Kommunbrauhaus verbindet Natur und Kultur in Eslarn

Eslarn. Über dem Kommunbrauhaus wachsen derzeit drei Jungstörche heran. Sie stehen für das Miteinander von Naturschutz, Tierschutz und Brautradition und machen die Symbiose von Kultur und Natur sichtbar.

Eslarn. Über dem Kommunbrauhaus wachsen derzeit drei Jungstörche heran. Sie stehen für das Miteinander von Naturschutz, Tierschutz und Brautradition und machen die Symbiose von Kultur und Natur sichtbar.
Auch in diesem Jahr bereichern drei Jungstörche des Weißstorch-Pärchens die Eslarner Idylle. Foto: Karl Ziegler

Storchenhorst am Kommunbrauhaus verbindet Natur und Kultur in Eslarn

In der Marktgemeinde Eslarn verbinden sich Naturschutz, Tierschutz und jahrhundertealte Brauttradition auf bemerkenswerte Weise. Hoch über dem historischen Kommunbrauhaus ziehen derzeit zwei Altstörche erfolgreich drei Jungvögel groß. Der Storchenhorst auf dem stillgelegten Schornstein des Brauhauses ist längst mehr als nur ein Brutplatz geworden – er steht symbolisch für das harmonische Miteinander von Natur und Kultur.

Störche auf dem Kommunbrauhaus: Natur und Kultur in Eslarn

Der Weißstorch zählt nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützten Tierarten Deutschlands. Nicht nur die Vögel selbst, sondern auch ihre Horste genießen gesetzlichen Schutz. Gleichzeitig besitzt das Eslarner Kommunbier einen besonderen Stellenwert. Der Begriff „Kommunbier“ ist seit 2004 als Marke geschützt, während die Oberpfälzer Zoiglkultur als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. Beide Schutzgüter – die traditionsreiche Braukultur und der Weißstorch – treffen sich ausgerechnet am Kommunbrauhaus.

Erfolgreiche Brutsaison in Eslarn

Mit drei Jungstörchen kann die Marktgemeinde erneut auf eine erfolgreiche Brutsaison blicken. Die Altvögel versorgen ihren Nachwuchs zuverlässig mit Nahrung aus den Wiesen, Feldern und Feuchtgebieten der Region. Die Brutzeit dauert von März bis Mitte Mai, die Aufzucht der Jungvögel erstreckt sich gewöhnlich bis in den August. Die drei Jungstörche entwickeln sich prächtig. Schon bald werden sie ihre ersten Flugübungen auf dem Horstrand unternehmen, ehe sie zu ihren ersten Rundflügen über Eslarn starten. Im Herbst wartet dann die große Reise nach Afrika.

Der Storchenhorst auf dem Kommunbrauhaus zählt zu den erfolgreichsten Brutplätzen im Landkreis Neustadt/WN. Seit Beginn der Aufzeichnungen wurden dort insgesamt 53 Jungstörche flügge. Allein zwischen 2012 und 2026 konnten Storchenfreunde die Aufzucht von 29 Jungvögeln dokumentieren. Besonders erfolgreich verliefen die Brutjahre 2012, 2020 und 2024, als jeweils vier Jungstörche das Nest verließen. Auch 2016, 2018 und nun 2026 konnten jeweils drei Jungvögel erfolgreich aufgezogen werden. Damit übertreffen die Eslarner Störche regelmäßig den Landkreisdurchschnitt, der meist bei ein bis zwei Jungvögeln pro Horst liegt.

Das historische Kommunbrauhaus und der Storchenhorst prägen das Ortsbild von Eslarn. Foto: Karl Ziegler
Das historische Kommunbrauhaus und der Storchenhorst prägen das Ortsbild von Eslarn. Foto: Karl Ziegler

Zuwachs der Storchenpopulation in Bayern

Die positive Entwicklung spiegelt den bayernweiten Erfolg des Artenschutzes wider. Nach einem historischen Tiefstand von lediglich 58 Brutpaaren im Jahr 1988 hat sich die Storchenpopulation in Bayern eindrucksvoll erholt. Heute leben rund 1.600 Brutpaare im Freistaat. Allein im Jahr 2024 wurden etwa 1.300 Brutpaare registriert – der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.

Der Erfolg der Störche beruht nicht allein auf dem gesetzlichen Artenschutz. Ebenso wichtig ist der praktische Tierschutz vor Ort. Ehrenamtliche Naturfreunde beobachten die Brutplätze, melden Gefahrenquellen und setzen sich für den Erhalt geeigneter Lebensräume ein. Zu diesen engagierten Menschen gehört auch Hans Zierer vom örtlichen Vogelzuchtverein. Von seinem Wohnhaus aus hat er den Horst seit Jahren mit dem Spektiv im Blick. Seit mehr als vier Jahrzehnten engagiert sich der Natur- und Vogelfreund für den Schutz der heimischen Vogelwelt. Aktuell wünschen ihm seine Freunde und Weggefährten eine baldige Genesung.

Witron Zoiglbrotzeit
Witron Zoiglbrotzeit

Brautradition und Zoiglkultur am Kommunbrauhaus

Die Geschichte des Eslarner Kommunbiers reicht bis ins Jahr 1528 zurück. Noch heute lassen rund 60 Familien ihr eigenes Bier nach traditionellen Rezepturen im Kommunbrauhaus brauen. Das naturtrübe Bier wird in Eslarn schlicht „d’Kommune“ genannt und gilt als wichtigstes Wahrzeichen der Marktgemeinde. Wenn beim Brautag weißer Dampf aus dem Kamin aufsteigt, wird dieser von Einheimischen gerne schmunzelnd mit dem weißen Rauch bei einer Papstwahl in Rom verglichen. Als unmittelbare Nachbarn beobachten dieses Schauspiel die Störche scheinbar unbeeindruckt. Ob Zoiglfeste, Brautage oder andere Veranstaltungen – die gefiederten Bewohner verfolgen das Leben rund um das Brauhaus aus luftiger Höhe.

Die Verbindung zwischen Storchenhorst und Kommunbrauhaus kann durchaus als kulturell-ökologische Win-win-Situation bezeichnet werden. Die Störche finden einen sicheren Brutplatz auf einem markanten Gebäude, während sie gleichzeitig das Ortsbild bereichern und Besucher anziehen. Das Klappern der Weißstörche gehört inzwischen ebenso zu Eslarn wie Kirchturm, Wirtshaus und Kommunbrauhaus. So entsteht eine einzigartige Symbiose aus Natur und Tradition: Ein streng geschützter Vogel baut sein Nest auf einem Gebäude, das selbst ein Zentrum geschützter Braukultur ist. Beide zusammen prägen die Identität des Marktes weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus.

Blick auf Zugrouten und Zukunft der Eslarner Störche

Noch verbringen die drei Jungstörche ihre Tage im sicheren Horst auf dem Kommunbrauhaus. Doch schon bald werden sie ihre ersten Flugversuche unternehmen und den Himmel über Eslarn erkunden. Im Herbst beginnt schließlich die große Reise in den Süden. Welchen Weg die Storchenfamilie wählen wird, bleibt offen. Manche Weißstörche folgen der Ostroute über den Nahen Osten bis nach Ostafrika, andere nutzen die Westroute über Frankreich und Spanien nach Westafrika. Welche Strecke die Eslarner Störche einschlagen werden, bleibt ihr Geheimnis.

Sicher ist jedoch eines: Das Klappern der Weißstörche wird auch künftig zum Klangbild Eslarns gehören. Als lebendige Wahrzeichen erinnern sie daran, dass Naturschutz, Tierschutz und gelebte Kultur keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bereichern können.

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