Stromtrasse dominiert Bürgerversammlung in Schirmitz
Stromtrasse dominiert Bürgerversammlung in Schirmitz

Volles Haus bei der Bürgerversammlung in Schirmitz: Rund 40 Bürger verfolgten im Bürgersaal des Rathauses die Ausführungen von Bürgermeister Ernst Lenk. Er zog Bilanz über das vergangene Jahr, erläuterte abgeschlossene Investitionen und gab einen Ausblick auf anstehende Projekte. Auch Fragen aus dem Publikum kamen zur Sprache. Besonders die geplante Erneuerung der 110-Kilovolt-Stromleitung zwischen Schirmitz und Weiden-Forst sorgte für Gesprächsstoff.
Solide Zahlen und Millioneninvestitionen.
Zu Beginn präsentierte Lenk die abgeschlossenen Haushaltszahlen. Der Verwaltungshaushalt erreichte rund 5,3 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt überschritt die Marke von 3,3 Millionen Euro. Die Einwohnerzahl entwickelte sich leicht positiv und lag bei 2.157. Der Bürgermeister schlüsselte die Bevölkerungsentwicklung nach Zu- und Wegzügen, Geburten, Sterbefällen und Eheschließungen auf.
Zu den größeren Investitionen zählte die Generalsanierung der Mehrzweckhalle. Sie kostete rund 3,5 Millionen Euro. Eine Förderung von 1,1 Millionen Euro entlastete dabei die Gemeinde. Auch bei der Erschließung und Vermarktung von Baugrundstücken im Gwend informierte Lenk über die angefallenen Beiträge für Straßenbau, Kanal und Wasserversorgung.
Investitionen in Infrastruktur
Weitere Ausgaben verursachten Arbeiten an Kanal, Wasserleitung und den Oberflächen in der Naabstraße und im Schulweg. Für diesen Bereich nannte der Bürgermeister eine Summe von rund einer Million Euro. Die Sanierung der Brücke zum Flutkanal blieb mit etwa 70.000 Euro im vorgesehenen Kostenrahmen.
Helfer sichern den Schulweg.
Eine gute Nachricht hatte Lenk für die Eltern schulpflichtiger Kinder: Für den Schulweghelferdienst fanden sich erneut Freiwillige. Damit ließen sich im laufenden Schuljahr beide Übergänge täglich absichern. Der Bürgermeister würdigte das Engagement und machte deutlich, wie wichtig die Unterstützung für die Sicherheit der Kinder sei. Zugleich richtete er eine Bitte an die Grundstückseigentümer. Überhängende Äste und zu weit wachsende Sträucher könnten Verkehrsschilder verdecken oder Straßenlaternen beeinträchtigen. Dem Ordnungsamt lägen dazu immer wieder Beschwerden vor. Lenk appellierte deshalb an die Anwohner, ihre Pflanzen rechtzeitig zurückzuschneiden. „Bitte selbstständig zurückschneiden, wenn Verkehrsschilder verdeckt werden, das gilt auch bei Straßenlaternen“, forderte er.
Grüngutentsorgung und Winterdienst
Auch bei der Grüngutentsorgung gelten klare Vorgaben des Landratsamts. An den Sammelstellen dürfen ausschließlich Grüngut, Schnittblumen, Rinde und Sträucher landen. Sperriges Material müssen die Bürger zuvor zerkleinern. Sägemehl, Asche, Kehricht, sonstige Abfälle und Fremdstoffe gehören nicht hinein. Plastiksäcke sollen ebenfalls nicht an den Sammelstellen abgestellt werden. Mit Blick auf den Winter erinnerte Lenk außerdem an den bevorstehenden Räum- und Streudienst. Die Bürger sollten darauf achten, dass parkende Fahrzeuge und andere Hindernisse die Räumfahrzeuge nicht behindern.
Sportplatz und Ortsgestaltung stehen auf der Agenda.
Bei den kommenden Vorhaben rückte der Schulsportplatz in den Mittelpunkt. Die Gemeinde plant dessen Generalsanierung mit kalkulierten Kosten von rund 420.000 Euro. Außerdem beschäftigte sie sich mit der Idee eines „Ganztagsraums Natur“, der sowohl der Schule als auch der Nachmittagsbetreuung dienen könnte. Ein weiteres Projekt betrifft den fünften Bauabschnitt der Städtebauförderung in der Naabstraße und der Bauerngasse. Vorgesehen ist die Neugestaltung des Bereichs zwischen der Schule und dem ehemaligen Hofmeisterhof. Damit wolle die Gemeinde das Ortsbild weiter aufwerten und zugleich die Infrastruktur modernisieren.
Windrad blieb eine offene Frage.
Aus dem Publikum kam die Frage nach einem möglichen Windrad am Berg in Richtung Bechtsrieth. Lenk stellte klar, dass die Ausweisung als Windvorranggebiet nicht automatisch Baurecht schaffe. Zwar hätten in der Vergangenheit zwei Vorhabenträger Interesse an einer Verwirklichung von Windenergieanlagen geäußert, derzeit seien der Gemeinde aber keine entsprechenden Bauanträge beim Landratsamt bekannt. Die Errichtung sei maßgeblich von der Bereitschaft der Grundstückseigentümer abhängig. Der Gemeinderat lehne Windenergieanlagen an dieser Stelle ab und habe dazu bereits beschlossen, keine gemeindeeigenen Grundstücke für derartige Vorhaben zur Verfügung zu stellen, weder für die Anlagen noch für einen notwendigen Leitungsbau. Ob und in welcher Form ein solches Vorhaben weiterverfolgt werde, bleibe daher abzuwarten. Ein weiterer Bürger erkundigte sich nach Ladestationen für Elektroautos. Die Gemeinde wolle künftig über ihre App Auskunft zu Standorten in der Umgebung geben. Konkrete Projekte im Gemeindegebiet seien bislang jedoch nicht zustande gekommen. Interessierte Betreiber hätten bisher von einem Bau abgesehen, auch weil keine wirtschaftlich interessanten Standorte gefunden wurden. Die Gemeinde selbst könne nicht als Betreiber auftreten.
Stromtrasse sorgte für deutliche Kritik.
Besonders ausführlich diskutierten die Besucher die geplante Erneuerung der 110-Kilovolt-Leitung zwischen Schirmitz und Weiden-Forst. Die Bayernwerk Netz GmbH plane, die rund sechs Kilometer lange Leitung, die derzeit mitten durch besiedeltes Gebiet führt, zu erneuern. Zunächst wurden drei verschiedene Möglichkeiten für den künftigen Verlauf untersucht. Neben einem Ersatzneubau auf der bisherigen Strecke sei eine Erdverkabelung außerhalb der Wohngebiete sowie eine Freileitungsvariante östlich von Weiden und Schirmitz geprüft worden. Nach dem Vergleich der Varianten bewertete der Netzbetreiber den Ersatzneubau entlang der bestehenden Trasse als die verträglichste Lösung.
„Doch dieser vom Bayernwerk bezeichnete Ersatzneubau ist vielmehr eine technische Aufwertung“, so Lenk. Die Masten würden rund zehn Meter höher und vier Meter breiter. Daher müsse nach Meinung Lenks eine neue Trasse um das Gemeindegebiet herum gefunden werden. Zwar bleibe die Spannungsebene weiter bei 110 kV, durch die geplante höhere Übertragungsrate vergrößerten sich aber das Magnetfeld und die Auswirkungen auf die Menschen vor Ort.
Die Pläne der Bayernwerk Netz GmbH stoßen auch bei den betroffenen Anliegern auf deutlichen Widerspruch. Sie kritisierten, dass die Leitung weiterhin durch bewohnte Bereiche verlaufen solle und die Auswirkungen auf die Menschen vor Ort nicht ausreichend berücksichtigt würden. Ein Zuhörer verlangte, die Nähe zu den Wohnhäusern und den Schutz der Bevölkerung stärker in die Bewertung einzubeziehen. „So wie es jetzt läuft, ist es nicht akzeptabel“, machte er seinen Unmut deutlich.
Auch der Ruf nach einer Klage wurde laut.
Die Gemeinde prüfe derzeit die Möglichkeit, juristisch gegen das Vorhaben vorzugehen. Auch einige betroffene Anwohner äußerten, sie wollten sich anwaltlich vertreten lassen. „Wir lehnen die Pläne des Bayernwerks entschieden ab und werden alles versuchen, den Neubau auf der bestehenden Strecke zu verhindern“, so Lenk. „Bis heute wurden mir trotz mehrfacher Bitte keine Unterlagen zur Verfügung gestellt, die eine Abwägung der Trassenvarianten nachvollziehbar machen. Die von den Planern zugesagte Transparenz habe die Gemeinde bisher nicht erfahren“, kritisierte er.
Damit zeigte die Bürgerversammlung nicht nur, welche Investitionen Schirmitz bereits bewältigt hatte und welche Vorhaben anstanden. Sie machte auch deutlich, dass insbesondere bei der geplanten Stromtrasse noch Gesprächsbedarf besteht.
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