451 Grabsteine erzählen die bewegende Geschichte der Juden in Floß

451 Grabsteine erzählen die bewegende Geschichte der Juden in Floß
Die jüdische Geschichte in Floß, die 1684 begann, als die ersten jüdischen Familien aus Neustadt/WN nach Floß kamen, stand im Mittelpunkt eines historischen Vortrags von Dr. Sebastian Schott, Leiter des Stadtarchivs Weiden. Mehr als 40 Teilnehmer, vor allem aus der Stadt Weiden, ließen es sich nicht nehmen, am Sonntag ins Flosser Amt zu fahren. Die Exkursion wurde von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Weiden organisiert, die mit dem Vorstandsmitglied Werner Friedmann vertreten war.
Begrüßung mit hebräischem Gebet
Friedmann hatte bei seiner herzlich gehaltenen Begrüßung ein Gebet auf Hebräisch und auf Deutsch gesprochen. Zugleich brachte er seine Freude über die Anwesenheit von Ehrenmitglied, Bürgermeister a. D. Fred Lehner, einem profunden Kenner der jüdischen Geschichte von Floß, zum Ausdruck.
Schott spannte einen weiten Bogen über die jüdische Geschichte im Markt Floß, den Aufbau einer jüdischen Gemeinde, ihre Höhen und Tiefen sowie über die Tatsache, dass es in Floß keine Juden mehr, schon gar keine jüdische Gemeinde, gibt. Dass der jüdische Kultus lebt, ist der Weidener Gesellschaft mit ihren großartigen kulturellen Veranstaltungen zu danken. Dazu gehört die Gemeinschaftsfeier der früheren „Woche der Brüderlichkeit“.
Erster Grabstein aus dem Jahr 1692
Nach der Ansiedlung der Juden war 1684 ein Grundstück für die Anlegung eines Friedhofs, der nach ritueller Vorschrift außerhalb von Floß zu errichten war, käuflich erworben worden. Der erste Grabstein stammt aus dem Jahr 1692. Erweitert wurde der Friedhof in den Jahren 1754, 1780, 1806 und 1811. Es gab einen „Friedhofsweg“, der vom Judenberg zum Friedhof über den Floßbach führte.
In Floß gibt es heute noch über 451 Grabsteine, wobei die Inschriften seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zweisprachig in Hebräisch und Deutsch verfasst sind. Nach verschiedenen Eigentumsverhältnissen ist heute der Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern rechtmäßiger Eigentümer der Friedhofsanlage.
Die letzte jüdische Beerdigung fand im Jahr 1946 statt. Im April 1945 wurden in einem Gemeinschaftsgrab 33 jüdische Häftlinge des nahegelegenen KZ Flossenbürg bestattet. Auf dem Friedhof wurde ein Gedenkstein errichtet. Seit vielen Jahren betreuen Schülerinnen und Schüler der Landwirtschaftlichen Berufsschule aus Neustadt/WN kostenlos die Anlage, die in der Denkmalschutzliste des Marktes festgeschrieben ist.
Synagoge: Brand, Zerstörung und Restaurierung
Schott ging auch auf den Aufbau einer jüdischen Gemeinde im heute 1078-jährigen Markt Floß ein. Anfangs gab es nur eine hölzerne Synagoge. Diese wurde beim Großbrand in Floß im April 1813 ein Raub der Flammen, ebenso wie der bebaute Judenberg. Der Aufbau der neuen Synagoge erfolgte unter dem Diktat des damaligen Bezirksamtmanns Karl Reisner Freiherr von Lichtenstern. Die Einweihung des Gotteshauses fand 1815 statt.
Der Nationalsozialismus mit Judenverfolgung und Holocaust bedeutete das Ende für die jüdische Gemeinde Floß. Die letzten Flosser Juden wurden 1942 ab Weiden in Konzentrationslager deportiert. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde auch die Synagoge zerstört.
Die erstrittene Sanierung und Restaurierung der Synagoge fand von 1972 bis 1980 unter der Bauträgerschaft des Marktes Floß mit Bürgermeister Fred Lehner statt. Heute präsentiert sich ein großartiges klassizistisches Baudenkmal, das 2005 ein zweites Mal saniert wurde. Auf der Frauenempore entstand eine Info-Stätte.
Schott verstand es auf seine Art, die Entwicklungen der Weidener Juden, deren Familien und Geschäfte in Kurzform zu schildern. Die Flosser jüdische Gemeinde war die „Muttergemeinde“ für die spätere Weidener Gemeinde. Ehrenmitglied Lehner ergänzte mit dem Hinweis auf die Selbstständigkeit der Judengemeinde mit über 72 Familien und 400 Personen. Er berichtete auch von seinen langjährigen Beziehungen und Kontakten zu Flosser Juden und ihren Nachfahren.
Führung durch die Friedhofsanlage
Die Führung in der Friedhofsanlage durch Schott und Friedmann, das Sammelgrab und die zweisprachigen Grabsteine ließen besonders nachdenkliche und eindrucksvolle Gedanken aufkommen. Fazit: eine Exkursion von hohem geschichtlichen und kulturellen Wert, für die die Teilnehmer überaus dankbar waren.
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