Die Klänge der Seele am Samstagabend in der Klosterkirche
Die Klänge der Seele am Samstagabend in der Klosterkirche
Absolventen und Studierende der Technischen Universität Lissabon verbreiteten am Samstagabend einen Hauch Völkerverständigung in die Klosterkirche. Nach einem Gewitterregen musste das vom Festival junger Künstler Bayreuth und von der Internationalen Begegnungsstätte Speinshart organisierte Konzert vom Innenhof des Klosters in die Klosterkirche verlegt werden.
Das Hörvergnügen bot auch im Kirchenraum eine wunderbare Möglichkeit, durch Musik und Gesang die Seele baumeln zu lassen. „Rituals“, das Generalthema des Festivals aufgreifend, zeitgemäß und zeitlos Neues zu wagen, unterstrich auch Bürgermeister Albert Nickl im Namen der Begegnungsstätte: „Singen und Tanz sind Ausdruck der Lebensfreude und gottgefällig.“ Eine Feststellung, die die außerordentliche Programmmischung des Chores eindrucksvoll bestätigte.
Ein Konzert mit viel Temperament
In Speinshart stellten das die 30 Künstler unter Beweis, abwechselnd bestimmten Harmonie und tänzerische Einlagen den Sommerabend. Anspruchsvolles Liedgut wechselte sich ab mit schmeichelnden Hymnen und mit einem bemerkenswerten Repertoire an Volksliedern. Ihr feuriges Temperament bewiesen die Akteure aus dem Land der Entdecker und des Fado mit vielen Beiträgen. Die jungen Herren fühlten sich wohl in Speinshart. Sinnlich und innig, dann wieder mit sprühender Lebenslust bestätigten die Akteure Platons Weisheit der großen „symphonia“.
Schon zu Beginn verriet der Chor sein studentisches Leben (Vida de Estudante). Es folgte ein großer Gefühlsausbruch mit „Lisboa nao sejas fancesa“. Einer Empfehlung an die Mädchen Lissabons, sich nicht französisch, sondern sanftmütig zu geben. Fortan wechselten sich gefühlvolle Gesänge und bezaubernde Choreografien ab. Auch die mit Abstand bekannteste portugiesische Musik musste sein: Fado de Sina hieß der Schicksalsgesang über den Seelenzustand der Portugiesen: dem Saudate, einer bittersüßen Mischung über Liebe, Heimat, Sehnsucht, Erinnerung und Hoffnung. Dieser Weltschmerz ist ein Teil der portugiesischen Volksseele. Die Umgebung prägte die Menschen in einem lange Zeit armen Land, eng mit dem Meer, der Seefahrt und dem Abschiednehmen verbunden.
Ein stimmungsvolles Feuerwerk portugiesischer Lebensfreude
Der zeitlose Welthit „Guantanamera“ aus dem Kubanischen stammend gehörte deshalb zum weiteren Programm, verbunden mit der Aufforderung, mit den Armen der Erde das Schicksal zu teilen. Weitere Beiträge erinnerten an die einzigartige Kultur und die rauschenden Feste in Portugals Hauptstadt, etwa mit dem „Marchas de Lisboa“. Eine entsprechende Zugabe war selbstverständlich ein Muss, das begeisterte Publikum verabschiedete den Chor mit stehenden Ovationen. Bei Klosterbier und Klosterwein setzte sich der völkerverbindende Charakter des Festivaltreffens fort.


