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Familienbrauerei Riedl feiert ihr 150. Jubiläum

Plößberg. Die familiengeführte Brauerei Riedl steht seit Generationen für handwerkliche Braukunst und großen Durchhaltewillen. 2026 feiert sie ihr 151. Jubiläum mit Führungen, Musik und Jubiläumsbier.

Familienbrauerei Riedl feiert ihr 150. Jubiläum

Aktuelles Bild von der Brauerei Riedl. Foto Josef Bauer.jpg
Foto: Josef Bauer

Gerade in der heutigen Zeit des Massenkonsums werden kleine Familienbrauereien immer weniger. Sie werden überholt von den großen und ganz großen Braustätten und gehen in diesem Massenkonsum unter. Dass aber auch oder gerade die kleinen Brauereien ein hervorragendes Bier brauen, noch dazu aus einheimischen Zutaten, wird durch die Werbung der großen Unternehmen überspielt und vergessen. Für solche gute Braukunst ist die Familienbrauerei aus Plößberg ein leuchtendes Beispiel.

Familienbrauerei Riedl: Qualität trotz Massenkonsum

Der Weg dahin war bei Gott nicht leicht und nur durch Fleiß und Verzicht zu bewältigen. Der Stammbaum der Familie Riedl lässt sich bis ins Jahr 1654 zurückverfolgen. Ein Johann Bäumler und dessen zweite Frau (die erste Frau verstarb bereits mit 39 Jahren) begründeten die Brauerei 1875. Durch verschiedene Geburten und Hochzeiten ging der Name ab dem späten 19. Jahrhundert in den Familiennamen Riedl über. Die Zeiten, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, waren niemals leicht.

Brand 1952 und Wiederaufbau

Im Jahr 1952, am 11. Februar, passierte dann eine Katastrophe: Die Brauerei brannte nieder. Bedingt durch viel Schnee und hohe Schneewehen konnte keine benachbarte Feuerwehr helfen. Der Gesamtschaden wurde damals auf 400.000 DM geschätzt. Zu allem Unglück war das Anwesen nicht hoch genug versichert! Aber was wäre die Familie Riedl, wenn sie sich dadurch unterkriegen ließe? Bereits 1953 wurde mit dem Neubau begonnen. Aufgrund des Mangels an Baumaterial, auch mit einfachsten Mitteln und unter Mithilfe der Bevölkerung, vorrangig der Familie Kriegermüllner, begann bereits im Frühjahr desselben Jahres der Wiederaufbau. Jedoch erkrankte auch noch in diesem Jahr die Ehefrau Anna schwer. Gezeichnet von den ständigen Mühen, Plagen und dem ewigen Kummer starb sie mit nur 46 Jahren im Mai 1953. Vier Kinder im Alter zwischen zehn und 23 Jahren hatten keine Mutter mehr. Es musste überall gespart werden. Einige Wirte sprangen von der Brauerei ab, andere hatten beim Riedl noch Schulden. Der Braubetrieb konnte im April 1953 wieder aufgenommen werden.

Da man sich auf neue Einnahmequellen besinnen musste, entschloss sich Hans Riedl schließlich, mit dem Hausieren anzufangen. Er kaufte sich einen gebrauchten blauen Hanomag 1,2 t und fuhr damit von Haus zu Haus, um seine Erzeugnisse zu verkaufen. Vor allem in Flossenbürg und seinen Steinbrüchen – die Steinmetze entwickelten durch den ständigen Staub einen gesunden Durst – konnte er pro Woche für einen Steinbruch etwa 30 bis 40 Kästen Bier absetzen. Eine Kiste kostete damals sieben DM, Märzen: 7,50 DM.

Generationenwechsel und Schicksalsschläge

Hans heiratete 1956 das zweite Mal. Leider entpuppte sich die zweite Ehefrau – auch sie hieß Anna – als eine Stiefmutter, wie sie im Bilderbuch steht. Sie war völlig überfordert. Doch das Schicksal holte erneut aus, und so erkrankte Hans noch im selben Jahr schwer. Er verstarb kurz vor Weihnachten 1957.

Im Oktober 1964 begann sein Sohn, der 1940 geboren wurde und auch Hans hieß, an der Doemens Meisterschule in München das Wintersemester. Ende März 1965 legte er die Meisterprüfung ab und im Oktober desselben Jahres heiratete er seine Rita. Jetzt war der junge Braumeister Angestellter im Betrieb seiner Stiefmutter. 1966 wurde die Ehe durch die Geburt eines Sohnes, der natürlich auch Hans hieß, gesegnet. Bedauerlicherweise wurde dieser zwei Jahre später von einem Auto überfahren, als er über die Straße lief. 1967 wurde Tochter Claudia und 1969 Tochter Angela Riedl geboren. Anfang 1969 übergab dann die Stiefmutter den Betrieb an ihren Stiefsohn Hans. Das Anwesen war zu dieser Zeit verschuldet und wartete auf eine Wiederbelebung. Nur wenige Gäste verkehrten beim Riedl. Doch nach eingehender gemeinsamer Beratung entschloss man sich erneut zum Kampf.

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Foto: Josef Bauer
Foto: Josef Bauer
Foto: Josef Bauer
Foto: Josef Bauer

Modernisierung und Vereinsleben

Nach und nach bildeten sich beim Riedl Stammtische und auch der Fremdenverkehr lief besser. Zur ersten Kirwa im neuen Heim schluckten die Kirwaburschen die nie wieder erreichte Menge von 3,97 hl Bier, allein am Kirchweihmontag! 1973 wurde das Erdgeschoss komplett umgebaut und es erfolgte ein Anbau für die Toiletten. 1975 konnte das 100-jährige Bestehen zwei Tage lang gefeiert werden. 1978 stellte Hans auf „Euroflaschen“ um. 1978 wurde auch der Fasching wiederbelebt. 1979 entschlossen sich Hans und Rita zum Bau einer Kegelbahn auf dem alten Heuboden. 1980 wurden die Holzfässer durch Alufässer ersetzt, und weitere Modernisierungen erleichterten Hans das Handwerk.

1993 legte dann schließlich Angela Riedl nach zweieinhalb Lehr- und zweieinhalb Gesellenjahren und der zweijährigen Meisterschule in München die Meisterprüfung ab. Die Brauerei Riedl in Plößberg zählt zu den 100 besten Brauereien in Bayern, was eine Urkunde aus dem Jahr 2018 bescheinigt. Wie schon anfangs erwähnt, sind es oft die kleinen, familiengeführten Brauereien, die ein hervorragendes Bier herstellen. Aus gesundheitlichen Gründen musste Angela Riedl den Hausservice 2024 aufgeben. Selbstverständlich beliefert Frau Riedl noch gerne bei Bedarf. TelNr. 09636/236 oder 0175/4768286. Im selben Jahr wurde der Verein „Stammtischfreunde Plößberg e. V.“ gegründet, der zum Ziel hat, die Brauerei Riedl zu erhalten.

Foto: Josef Bauer
Foto: Josef Bauer
Foto: Josef Bauer

Jubiläum 150+1: Programm 2026

Ein großes Fest zum 150+1-Jubiläum findet am 12. und 13. September 2026 statt.
Am Samstag, 12. September, ab 16 Uhr kann man die Brauerei besichtigen. Die Kegelbahn und Livemusik sorgen für Unterhaltung.
Am Sonntag, 13. September: Kirche mit Kirchenzug zur Gaststätte Riedl, Weißwurstfrühschoppen, Mittagessen von der Sau. Es gibt dann ab 14 Uhr beim Cafe Car.Ros am großen Weiher in Plößberg Kaffee und Kuchen, eine Hüpfburg für Kinder, eine Bierolympiade in Teams und eine große Tombola. Nicht zu vergessen: Es gibt bei der ganzen Veranstaltung natürlich ein besonderes Jubiläumsbier.

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