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Gartenfest in Neurunkenreuth bei Eschenbach zum 100. Jubiläum

Neurunkenreuth. Vom Hirthaus zur Siedlung: Der Eschenbacher Ortsteil feierte sein 100-jähriges Bestehen mit Dorfrundgang, alten Fotos und Gartenfest, während Gerhard Götzl die wechselvolle Geschichte eindrucksvoll erzählte.

Neurunkenreuth. Vom Hirthaus zur Siedlung: Der Eschenbacher Ortsteil feierte sein 100-jähriges Bestehen mit Dorfrundgang, alten Fotos und Gartenfest, während Gerhard Götzl die wechselvolle Geschichte eindrucksvoll erzählte.
Beim Dorfrundgang, geführt von Gerhard Götzl, wurden viele Erinnerungen wach. Bild: Robert Dotzauer

Gartenfest in Neurunkenreuth bei Eschenbach zum 100. Jubiläum

100 Jahre Neurunkenreuth 1926 – 2026

Vom Hirthaus zur Ortschaft Neurunkenreuth

Am Anfang war nur ein Hirthaus. Viele Wendungen führen schließlich zur Entwicklung des Eschenbacher Ortsteiles Neurunkenreuth.

Hirthäuser zeugen von einer besonderen ländlichen Sozialgeschichte. Sie waren einfache, oft gemeindeeigene Unterkünfte für Dorfhirten, die das Vieh der Bauern hüteten. Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein oblag in vielen ländlichen Gemeinden das Hüten des gesamten Weideviehs dem von der Kommune angestellten Hirten, der bei kärglichem Lohn, fragwürdigen Wohnverhältnissen und einem damit verbundenen Wohnrecht auf Zeit diese dörfliche Gemeinschaftsaufgabe übernahm. Meistens lebten die armen Dorfhüter mit ihren Familien bei freier Logis in bescheidenen Anwesen.

Ein Hirthaus, mit Sandsteinfundament und mit viel Holz errichtet, gab es auch in der Talsenke von Runkenreuth auf halbem Weg zwischen Eschenbach und Grafenwöhr. Dafür verantwortlich war die bis nach dem Zweiten Weltkrieg eigenständige Gemeinde Thomasreuth. Ein Blick auf den Hirten und seine „Hütte“ eröffnet eine Dorfgeschichte mit vielen Wendungen, der Gerhard Götzl nachging. Der ehemalige Rektor der Grund- und Mittelschule Grafenwöhr beleuchtet auf der Grundlage historischer Berichte in einer Dokumentation das Leben des Gemeindehirten Johann Stopfer im Runkenreuther „Hirthäusl“. Eine Behausung jenseits von Gut und Böse.

Undichtes Dach

1902 beanstandete deshalb eine Kontrollkommission aus Amberg erstmals den verwahrlosten Zustand des Gebäudes: „Auf dem Hirthaus sind die fehlenden Ziegel zu ergänzen. Das Haus ist im Inneren neu herzurichten“, protokollierte ein Beamter. Die Beanstandungen setzten sich in aller Regelmäßigkeit fort. 1908 hieß es bei einer weiteren Kontrolle: „Die Dachbodenbretterung ist miserabel. Durch das Strohdach dringt Regenwasser, die Umfassungswände aus Blockholz und Bretterverschalungen lassen viele Wünsche offen und auch die am Haus liegende Dungstätte sorgt für Beeinträchtigungen.“

Der Gemeinde wurde demnach auferlegt, ein neues Hirthaus zu bauen, das 1909 in Thomasreuth errichtet wurde. Infolge dessen verlor Johann Stopfer sein Zuhause. Sein Wunsch, nach seiner Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg gerne in Runkenreuth ein eigenes Haus zu errichten, kam nicht zustande. Ein dafür ausgewähltes Baugrundstück wurde ihm verweigert. Die Rettung für Johann Stopfer hatte schließlich einen Namen. Landwirt Schwemmer aus Trag überließ dem ehemaligen Dorfhirten ein kleines Stück Land südlich der damaligen Schotterstraße von Eschenbach nach Grafenwöhr an der Weggabelung zum Netzaberg.

Witron Bewerbertag 18.07.
Witron Bewerbertag 18.07.

„Ureinwohner“ Stopfer

In der Doku nennt Gerhard Götzl die Hintergründe des Entgegenkommens. Als Knecht und Magd arbeiteten die Eheleute Stopfer auf Schwemmers Bauernhof in Trag. Mit dieser Großzügigkeit beginnt auch die 100-jährige Geschichte Neurunkenreuths. Protokolliert ist in den Gemeindearchiven ein Bauantrag der Familie Stopfer mit Genehmigungsvermerk vom 2. März 1926. Nach der Planfertigung durch den Eschenbacher Maurermeister Prösl ging es an damals schon exponierter Stelle an den Häuslbau mit zwei Zimmern und Stall. Das Dachgeschoss diente als Lagerraum für Heu und Stroh.

Nach dem Tod der Eheleute im Jahr 1940 erbten das Anwesen Tochter Katharina Reger und ihr Ehemann Ulrich Reger. Für das Ehepaar wurden es schwere Jahre, wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht. Der Zweite Weltkrieg bedeutete für Ulrich Reger Wehrmacht und russische Kriegsgefangenschaft und für Katharina Reger harte Arbeit und die Versorgung von drei minderjährigen Söhnen. Ohne Nachbarn, ohne Strom und Wasser und mangels öffentlicher Verkehrsmittel war die Familie ohne Schutz des Familienvaters isoliert, auf sich allein gestellt und zudem den Drohungen des damaligen NS-Bürgermeisters ausgesetzt.

Trotz „Newtown-Nähe“ lässt es sich in der kleinen Neurunkenreuth-Siedlung ruhig und gemütlich wohnen. Viel Wert legen die Anwohner auf ein sauberes Gesamtbild des Ortsteiles. Bild: Robert Dotzauer
Ein Bild aus alten Zeiten, befestigt an einem Gartenzaun, erinnerte beim Jubiläum an den Gebäudeabbruch in der Ortschaft Netzaberg und an den Neuanfang in Neurunkenreuth. Bild: Robert Dotzauer

Netzaberger besiedeln Neurunkenreuth

Dieses Alleinsein auf weiter Flur sollte sich unvermittelt ändern, als mit der Übernahme des Truppenübungsplatzes durch die US-Army, spätestens 1947/48, die letzten Bewohner der benachbarten Ortschaft Netzaberg ihr Zuhause aufgeben mussten. Es folgten Umsiedlungen auf „kurzen Wegen“. Während die letzte Netzaberg-Wirtin Maria Meier eine neue Bleibe in Trag fand, errichteten die Familien Schmidt und Zitzmann mit Abbruchmaterial aus den Netzaberg-Quartieren neue Häuser gegenüber dem Anwesen Reger. Eine Baracke aus dem Lager Grafenwöhr wurde für die Familie Kennel zur Notunterkunft.

Damit verbunden begann ein neues Kapitel der Ortschaft Neurunkenreuth. Über Jahrzehnte wuchs der neue Ort, unter anderem durch das Bauinteresse und den Zuzug von Vertriebenen, zur heutigen Größe mit zwölf Häusern und 37 Einwohnern. Noch einmal zittern musste die neue Einwohnerschaft, als in den 1950er Jahren Überlegungen zur weiteren Ausdehnung des Truppenübungsplatzes bis zur Straßenverbindung Eschenbach–Pressath die Runde machten und damit verbunden Bauverbote in Richtung Truppenübungsplatzgrenze erlassen wurden. Planungen, die nach einiger Zeit auch zum Glück der Neusiedler wieder in den Aktenschränken der Militärstrategen verschwanden.

Gartenfest zum Jubiläum

Das Entstehen und die Rollen in der 100-jährigen Geschichte der Ortschaft waren für die heutige Einwohnerschaft und für ehemalige Bewohner des Eschenbacher Ortsteiles Anlass genug, in einer Erinnerungs- und Jubiläumsfeier, verbunden mit einem fröhlichen Familientreff, auf dem Gartengelände der Familie Dörner, der heutigen Besitzerfamilie des ersten Anwesens, auf das Werden von Neurunkenreuth zurückzublicken. Das Gartenfest entwickelte sich mit einer fundierten zeitgeschichtlichen Einordnung der Anfangsjahre der Ortschaft durch den gebürtigen Neurunkenreuther Gerhard Götzl zu einem Heimatleuchten. Die spannende Erinnerungsreise mit zahlreichen alten Bildern und Dokumenten endete mit einem ergänzenden Dorfrundgang und mit viel Harmonie beim fröhlichen Feiern und bereichernden Gesprächen über die „gute alte Zeit“.

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