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Geschichtspark Bärnau: Kalksymposium mit internationaler Besetzung

Bärnau. Tschechien, Schweiz und Deutschland waren die Herkunftsländer der Teilnehmer des simultan gedolmetschten Symposiums „Kalk in Denkmalpflege und Neubau: Ein altes Material neu entdeckt“.

Geschichtspark Bärnau: Kalksymposium mit internationaler Besetzung

Bärnau Naturdorf
Die Teilnehmer vor dem Naturdorf. Foto: privat

Als Baustoff ist Kalk alt und zugleich neu entdeckt. Seine Anwendung im modernen Baukontext wird in der Fachwelt heiß diskutiert. So ist der sogenannte „Römische Zement“ nicht zuletzt seit der Veröffentlichung der Studie des MIT und der Lüftung des Geheimnisses um den Kalkspatzenmörtel im Januar 2023 in aller Munde.

Anfang Oktober fanden sich Experten in den Räumlichkeiten des Geschichtsparks ein, um über ihre Projekte zu sprechen. Die Erkenntnisse waren für viele Teilnehmer erstaunlich. Das internationale Fachpublikum fand sich zusammen, um über Erfahrungen in der Herstellung und in der Anwendung von Kalk zu diskutieren.

Brennofen im Engadin

Delphine Schmid, Architektin Msc ETH Arch, und Joannes Wetzel, Kalkhandwerker und Sgraffitokünstler, vom Verein kalkwerk reisten aus der Schweiz an, um ihr Projekt zur Wiederbelebung des traditionellen Kalkbrennens im Unterengadin vorzustellen. Die Bilder ihres Brennofens, die sie zeigten, waren beeindruckend. Zu sehen war die bewachsene Engadiner Landschaft unter dem Sternenhimmel und ein riesiger, gemauerter Ofen, der vor Hitze glühte.

Dieser historische Ofen sei restauriert worden und könne 15 Tonnen Kalkstein fassen, erklärte Wetzel. Der Vorgang dauere eine Woche. In dieser Woche müssen die beiden Referenten und ihre Helfer den Ofen rund um die Uhr bewachen und nachschüren. Die Bärnauer Kalkbrenner konnten an der Stelle Parallelen ziehen und so gab es reichlich Gesprächsstoff nach dem Vortrag, einen Besuch am Ofen auf der Bärnauer Mittelalterbaustelle und schließlich eine gegenseitige Einladung zum gemeinsamen Kalkbrennen.

Auch Produkte mit Kalk vorgestellt

Jan Válek (Institut für Theoretische und Angewandte Mechanik an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik) warf einen Blick auf historische Kalktechniken. „Heiß und basisch – Kulturleistung und Potential der Heißkalktechnologie” war das Thema von Dr. Wanja Wedekind, Stuckateur, Restaurator und Lehmbauer. Beide Wissenschaftler stellten die außergewöhnlichen Eigenschaften von Heißkalk anhand von Beispielen heraus.

Auch Produkte mit Kalk wurden vorgestellt. Patrik Majringer von Noricum, Biohemp und Gastdozent der Technischen Universität in Brünn (CZ), sprach über „Bauen mit Hanf“ und seine Anwendung von Hanfkalk als Dämmstoff in neuen Bauprojekten und Sanierungen. Weitere Produkte waren Farberden und Kalk. Diese wurden durch Peter Kummermehr, Steinmetz, Steinbildhauer und Architekt vorgestellt. Er brennt den Kalk, welchen er benötigt, in kleinen Mengen durch ein modernes Verfahren ohne Holz, dafür mit einem elektrischen Ofen. Durch das Vermischen mit Farberden entstehen verschiedenste Wandanstriche.

Zoigltermine
Zoigltermine

Am Ende der ganztägigen Veranstaltung zeigten das Naturdorf Bärnau und die Bauhütte die historische Herstellung und die moderne Anwendung vor Ort in Bärnau. Mit diesem Input gingen die Gespräche bis in den späten Abend. Diese Veranstaltung wurde durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat gefördert. Ein Folgesymposium steht bereits in den Startlöchern: Im kommenden Frühjahr wird über Ethik im Bau referiert.

Eine Vorführung im Naturdorf. Foto: privat