Heißes Schlagerfeuerwerk in der Nordgauhalle abgebrannt
Heißes Schlagerfeuerwerk in der Nordgauhalle abgebrannt
Es wurde laut mitgesungen, geschunkelt, getanzt und geklatscht. Standing Ovations und vehemente Zugabe-Forderungen waren der gerechte Lohn für die beiden großartigen Künstler. Gemeinsam verfügen sie über 90 Jahre Bühnenerfahrung und produzierten mehr als 60 Studioalben. GG Anderson startete mit „Küss mich in den Himmel“ und spätestens bei „Sommernacht in Rom“ gab es auf den Sitzplätzen kein Halten mehr. Rührend sein Song „Du bist mein kleiner Diamant“, den er für seinen behinderten Sohn Philipp geschrieben hat. Der ihn Eschwege geborene Hesse, berichtete über seinen im Jahr 2021 erlittenen Schlaganfall mit Gesichtslähmung, den er zwischenzeitlich gut überstanden hat. Anderson schrieb mehr als 1000 Lieder, unter anderem auch für internationale Stars wie Laura Branigan, die Bellamy Brothers oder Audrey Landers.
Nach der Zugabe „Cheerio“ und einer kleinen Pause gehörte die Bühne dem witzigen und charmanten Entertainer Andy Borg. Immer auf Tuchfühlung mit dem Publikum verstand es der Österreicher mit witzigen Kommentaren („Meine Kollegen sind geschminkt, ich bin sandgestrahlt“, „Damals als ich noch 20 Kilo jünger war“) und seinen unvergleichbaren Hits, die Halle in kürzester Zeit in den Ausnahmezustand zu versetzen.
Ob „Angelo Mio“, „Cara Mia“, „Sarah“ oder „Die berühmten drei Worte“, die Halle befand sich schon lange im Steh-Klatsch-Modus. Jeder Groß-Chorleiter wäre bei der Mitsing-Resonanz von „Adios Amor“ wahrscheinlich vor Neid erblasst. Ähnlich wie bei seiner TV-Show „Schlagerspaß mit Andy Borg“ wurden vorher Karten an die Fans ausgehändigt, um ihren Lieblingstitel zu wählen, der als Abschlusslied vorgetragen wird. Mit „Dich gibt nur einmal für mich“ war der Final-Song eindeutig gefunden. Mit diesem Lied endete eine unterhaltsame, kurzweilige Veranstaltung, die den meisten Besuchern ein Lächeln auf die Lippen zauberte.
Werdegang Andy Borg
Andy Borg, mit bürgerlichen Namen Adolf Andreas Meyer, ist am 2. November 1960 in Wien-Floridsdorf geboren. Der bei Passau lebende Schlagersänger und Fernsehmoderator absolvierte nach dem Abschluss der Hauptschule eine Lehre als Automechaniker.
Anlässlich einer Show für neue Talente des ORF (Die große Chance) wurde er vom Musikproduzenten und Schlagertexter Kurt Feltz für das Schlagergeschäft entdeckt und sang zunächst in der volkstümlichen Szene. Auf Feltz’ Rat hin wählte er seinen Künstlernamen Andy Borg in Anlehnung an den populären Tennisspieler Björn Borg. Mit dem Nr.1-Hit „Adios Amor“ kam 1982 der große Durchbruch im Schlagergeschäft. Es folgten weitere Hits wie „Arrivederci Claire“, „Die berühmten drei Worte“ und „Ich will nicht wissen, wie du heißt“.
Ab 1996 moderierte er die Schlagerparade der Volksmusik in der ARD. 2006 bis 2015 moderierte Andy Borg als Nachfolger von Karl Moik die Eurovisions- sendung Musikantenstadl. Seit Dezember 2018 moderiert der zweifache Vater im Südwestrundfunk die Musikshow „Schlagerspaß mit Andy Borg“. In seiner Karriere als Schlagersänger veröffentlichte Andy Borg bislang 34 Alben.
Interview Andy Borg
OberpfalzECHO: Sie sind seit über 40 Jahren erfolgreich als Schlagersänger und Moderator im Showgeschäft tätig. Was hat sich Ihrer Meinung nach, im Laufe der Zeit in der Schlager- und Volksmusik-Branche sehr verändert?
Andy Borg: Musik hat immer etwas mit Gefühl zu tun. Was die Menschen berührt und bewegt – das wandelt sich mit der Zeit. Die Themen sind dieselben, nur in einem anderen Gewand auf den jeweiligen Zeitgeschmack zugeschnitten. Jeder findet das, was ihm gefällt. Wer Spaß am Schlager hat, der findet bei meiner Sendung und den Schlager & Spaß-Konzerten die ganze Kollektion von Oldies und Evergreens, aktuelle Hits und auch volkstümlichen Schlager. Auch die traditionelle Volksmusik, Chören und Blaskapellen laden wir in die Schlager-Spaß-Weinstube ein.
Musik ist auch ein Kulturgut, das muss man empfinden. Im Internet hat alles seinen Platz, ich vermisse manchmal, diese musikalische Vielfalt auch im Fernsehen wiederzufinden. Manche Lieder bedeuten mir etwas, andere Menschen berühren sie gar nicht. Ob das jetzt David Garrett ist, Pop, Rock, Klassik, Schlager oder volkstümliche Musik. Jede Generation erreicht man mit einer anderen Musikrichtung, die Welt dreht und entwickelt sich ja auch weiter. Schade wäre, wenn Kinder gar keinen Bezug mehr zu Musik hätten .
Mit 22 Jahren hatten Sie bereits mit „Adios Amor“ einen großen Hit. Wie groß war die Gefahr damals die Bodenhaftung zu verlieren und wie haben Sie es bis heute geschafft, dass Sie zwar Fan-Nähe gerne zulassen, aber noch nie Star-Allüren entwickelt haben?
Andy Borg: Musik kann etwas, was wir von ihr lernen können. Musik überbrückt Grenzen, manchmal auch generationsübergreifend. Weil sie uns ein gutes Gefühl gibt. Das ist der Boden, auf dem ich stehe und der mich seit über 40 Jahren trägt. Die Musik, mit der man aufgewachsen ist, mit der man besondere Ereignisse und Erinnerungen im Leben verbindet, die hören wir auch gerne.
Ich wünsche mir, dass Kinder weiterhin die Chance haben, Musik als Lebensbegleiter für sich zu entdecken und die dadurch zu einem Teil ihres eigenen Lebens werden – und dass sie für sich die große weite Welt erobern, die man in der Musik entdecken und wiederfinden kann. Ob das jetzt beim Chorgesang ist, beim Musizieren daheim, im Orchester, mit einer Kapelle oder Schülerband, bei Konzerten in Festzelten oder bei Gartenfesten mit Live-Bands.
Sie sind ein ausgesprochener Garten-Liebhaber, ist das der Ausgleich, den Sie brauchen? Was fasziniert Sie daran so sehr?
Andy Borg: Für meinen Beruf bin ich viel unterwegs und genieße es bei aller Leidenschaft für meine Arbeit sehr, an freien Tagen daheim zu sein. Ich werkele gerne im Garten und schau ihm beim Wachsen zu, wie er sich mit den Jahreszeiten verändert und manchmal haben wir auch tierische Besucher von den umliegenden Wiesen, Feldern und Wäldern. Rasenmähen macht mir Spaß und es entspannt mich – allein schon aus zwei Gründen: Das kann ich nur machen, wenn ich Zuhause bin und wenn das Wetter gut ist.
Sie waren so nett und haben meinen Eltern (87+85), die Riesen-Fans von Ihnen sind, zur Diamanten Hochzeit spontan eine Video-Botschaft zukommen lassen. Beide haben geweint vor Freude. Wie wichtig ist es Ihnen diese Kontakte mit betagten Menschen, die nicht mehr zu Ihren Live Auftritten kommen können, zu pflegen und wie oft werden Sie mit solchen Anfragen konfrontiert?
Andy Borg: Ihre Eltern waren das? Wie schön. Ja, es kommen viele Wünsche und einige mit so lieben Briefen und Geschichten dazu, da nehme ich mir gern die Zeit. Manchmal bekommen wir dann auch ein Dankeschön zurück. Es ist schön, was durch die Musik und Texte in Menschen anklingt, wie berührend eine Melodie sein kann und wie verbindend so ein Musikerlebnis.
Auch beim Schlager-Spaß bekommen wir ganz viele Zuschriften von Kindern und Enkeln, die sich für sich selbst oder auch für ältere Verwandte einen Evergreen, Schlager, volkstümlichen Titel oder traditionelles Liedgut wünschen, ganz einfach, weil sie damit Gefühle verbinden, einen freudigen Anlass feiern, eine liebe Erinnerung wecken oder schlicht und einfach Spaß haben.
Nur bitte jeweils nur einen Satz zu: Liebe, Religion und Politik
Andy Borg: Liebe finde ich in Liedern, in einem Lächeln, bei meinen Kindern und in der Partnerschaft – ich bin glücklich, dass ich alles, was ich als Zugabe meines Lebens erleben darf, mit Liebe tun kann.
Religion kann Freiheit, Geborgenheit und Frieden schenken. Mut machen und Trost spenden – solange man auf Augenhöhe bleibt und sich niemand anmaßt, wissen zu wollen, was für andere das Beste ist. Es ist wie bei allem, was „zu viel“ ist, es tut den Menschen nicht gut.
Politik bleibt bei meinen Auftritten draußen. Am 20. Dezember feiern wir Weihnachten mit Andy Borg in Ried im Innkreis im Keine-Sorgen-Saal – ein schöner Name und so passend für ein paar unterhaltsame Stunden zum Abschalten vom Alltag.








