Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum Amberg zum 100. Prechtl-Geburtstag

Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum Amberg zum 100. Prechtl-Geburtstag
Köpfe. Zeiten. Geschichte(n). Michael Mathias Prechtl zum 100. Geburtstag. 26. April 2026 bis 10. Januar 2027 im Stadtmuseum Amberg. Der in Amberg geborene Maler und Illustrator Michael Mathias Prechtl (1926−2003) hätte im April 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Das Stadtmuseum Amberg nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um das Werk des Künstlers im Rahmen der Sonderausstellung „Köpfe. Zeiten. Geschichte(n).“ aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und Einblicke in bisher noch wenig beachtete Aspekte zu geben. Die Ausstellung läuft bis einschließlich 10. Januar 2027.
Prechtl: Ein Oberpfälzer in Franken
Prechtl wurde 1926 in Amberg geboren und ist ebendort zur Schule gegangen. Seine Jugend wurde vom Zweiten Weltkrieg, seinem Kriegsdienst und der anschließenden Gefangenschaft maßgeblich geprägt. Nach seiner Rückkehr nach Amberg 1949 arbeitete er für kurze Zeit als Röhrengießer in der Luitpoldhütte, ehe er nach Nürnberg zog, um ein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste zu beginnen. Seine frühen Arbeiten entstammen der druckenden Kunst. Das sind vor allem Lithografien, Holzschnitte und einzelne Radierungen. Erst im Verlauf der 1950er-Jahre findet Prechtl zur Malerei, nimmt an Ausstellungen teil und entwickelt nach und nach seinen einzigartigen Stil. Der Mensch stellt sich dabei schon früh als sein bevorzugtes Bildmotiv heraus.
Internationale Bekanntheit erlangte Prechtl für seine Illustrationen für die „New York Times“, das „SPIEGEL“-Magazin und literarische Klassiker, die unter anderem von der Büchergilde Gutenberg und dem C.H.Beck-Verlag publiziert wurden. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet. Kurz nach seinem letzten offiziellen Auftrag, den er für seine Geburtsstadt Amberg ausführte, verstarb Prechtl 2003 in Nürnberg. Seine letzte Ruhestätte fand er wiederum auf dem Amberger Katharinenfriedhof.
Einmalige Zusammensetzung
Neben Werken aus dem im vergangenen Jahr durch die Stadt Amberg angekauften und im Stadtmuseum verwahrten künstlerischen Nachlass sind ebenso zahlreiche Leihgaben aus Privatsammlungen zu sehen, die entweder noch nie oder lange Zeit nicht ausgestellt waren. So treffen unter anderem das großformatige Gemälde „Der Traum Toledo“, eine Ansicht der Burg Prunn im Altmühltal und ein persönliches Jubiläumsgemälde auf die Entwürfe zur Ausmalung des Nürnberger Rathaussaals.
In seinen frühen Jahren war seine Ehefrau Frydl Zuleeg sein wichtigstes Modell. So entstanden einfühlsame und persönliche Bildnisse. Die Ausstellung beleuchtet die Beziehung zwischen Prechtl und seiner Ehefrau, die selbst ausgebildete Künstlerin war. Von dieser persönlichen Ebene aus schlägt sie einen Bogen zu der Frage, wie Prechtl Frauen in seinen Werken darstellt. Dabei werden Bezüge zu aktuellen Themen wie Gender, Identität und Selbstbestimmung hergestellt.
Die Ausstellung zeigt Prechtl auch als Persönlichkeit mit widersprüchlichen Seiten. Beleuchtet wird das Spannungsfeld zwischen dem anerkannten Meister und dem „Eigenbrötler“, zwischen dem international erfolgreichen „Provinzkünstler“ und dem Künstler, der mit der Absage zur Ausmalung des Nürnberger Rathaussaals rang.
Mehrere Medien- und Mitmachstationen laden zum individuellen Erkunden der Kunst ein, die dabei im wahrsten Sinne des Wortes auch ganz genau unter die Lupe genommen werden kann. Die Ausstellung umfasst zudem ein Tastmodell zu einem zentralen Werk der Sonderausstellung sowie Texte in Leichter Sprache und Deutscher Gebärdensprache.
Ergänzung zur Dauerausstellung
Die kommende Sonderausstellung bietet mit ihrer Vielfalt an Themen eine Ergänzung der bestehenden Dauerausstellung „A Tribute to Michael Mathias Prechtl“, welche einen Überblick über das Leben und Wirken des Künstlers gibt. An ausgewählten Stellen werden auch in der Dauerausstellung Werke tiefergehend betrachtet und in neue Kontexte gesetzt.
Rahmenprogramm in Kooperation
Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für alle Altersgruppen begleitet die Sonderausstellung. Neben regelmäßigen öffentlichen Führungen für Erwachsene sowie Kunst-Snacks zur Mittagspause gibt es eine Vielzahl an Formaten. Es beginnt mit Angeboten im Bereich der frühkindlichen Bildung für Kinder ab zweieinhalb Jahren, über kreative Werkkantinen für Kinder ab sechs Jahren und Ferienprogramme zu den verschiedenen Druck- und Collagetechniken des Künstlers bis hin zu einem Familienaktionstag im Herbst. Eine Telefonführung und weitere deskriptive Führungsangebote sowie eine Lesung der Bayerischen Hörbücherei machen die Ausstellung für blinde und sehbehinderte Menschen ebenso wie für alle Interessierten erfahrbar.
Eine sechs Termine umfassende Vortragsreihe beleuchtet einzelne Aspekte aus dem Schaffen Prechtls aus wissenschaftlicher Perspektive. Zum Beispiel geht es um seine ersten öffentlichen Arbeiten mit „Kunst am Bau“, Erkenntnisse zu seinem druckgraphischen Werk oder seine Reise in die Niederlande auf den Spuren Albrecht Dürers.
In Kooperation mit der vhs Amberg wird im Bereich der Gesundheitsförderung „Kunst tut der Seele gut“ angeboten. Kunsttherapeutin und Traumapädagogin Evi Hefter vermittelt im Kurs Entspannungs- und Kreativtechniken, wobei kurze Ausstellungsbesuche als Inspiration dienen. Im Bereich „Kreativität“ bietet Künstler Marcus Trepesch einen Zeichenkurs vor Originalen an.
Ausstellungsförderung und Nachlassankauf
Die Sonderausstellung wird gefördert vom Kulturfonds Bayern, vom Förderverein Michael Mathias Prechtl e.V. sowie von der Stadtbau Amberg GmbH.
Der künstlerische Nachlass von Michael Mathias Prechtl wurde im Dezember 2025 von der Stadt Amberg erworben – mit freundlicher Unterstützung von den Fraktionsinitiativen Bayern, der Kulturstiftung der Länder sowie einem privaten Mäzen.
Termine in der Übersicht
9. Mai 2026 | 10.30-12.30 Uhr | Werkkantine „Von klein bis groß: Motivsuche“ für Kinder (6–12 Jahre)
21. Mai | 16-20 Uhr | Langer Donnerstag. Die Sonderausstellung hat bis 20 Uhr geöffnet.
22. Mai 2026 | 18.30 Uhr | Prechtl – Das druckgraphische Werk. Vortrag von Autorin Julia Kistner M.A.
Vorstellung und Einblick in das druckgraphische Werk von Michael Mathias Prechtl. Hintergründe zur Entstehungsgeschichte des Werkverzeichnisses, Besonderheiten und neue Erkenntnisse seit der Veröffentlichung im Jahr 2019.
26. Mai 2026 | 13-15 Uhr | Druckwerkstatt: Experimentieren mit Milchkarton & Mini-Handpresse. Ferienprogramm für Kinder (ab 12 Jahre)
27. Mai 2026 | 13-15 Uhr | Entdecke und abstrahiere: Der Motivsucher. Ferienprogramm für Kinder (12–14 Jahre)
28. Mai 2026 | 13-15 Uhr | Naturdruck. Ferienprogramm für Kinder (6–12 Jahre)
31. Mai | 11 Uhr | Öffentliche Führung. Das Leben und Wirken von Prechtl im Fokus
3. Juni 2026 | 18.30 Uhr | Prechtls Röhren – Historische Filme über die Amberger Luitpoldhütte. Vortrag von Stadtarchivar PD Dr. Andreas Erb
Michael Mathias Prechtl ist den Ambergern und der Kunstwelt als Maler, Zeichner und Illustrator bestens bekannt – weniger weiß man über sein Leben in Amberg. Ein Teil dieses Lebensabschnitts soll nun näher beleuchtet werden: Von Mai bis Oktober 1950 arbeitete Prechtl als Röhrengießer bei der Luitpoldhütte in Amberg. Diese Produktion ist in zahlreichen Filmen gut dokumentiert, aus denen kommentierte Ausschnitte vorgeführt werden.
9. Juni | 9.30-11 Uhr | Wo Löwe, Wolf und Kuh sich treffen – Prechtls Tierbilder. Frühkindliches Programm mit Anna Ondrejtschak, ab 2,5 Jahre
17. Juni 2026 | 12-12.30 Uhr | Kunst-Snack. 20-minütige Kurzführung zu 1-2 ausgewählten Werken, danach Snack mit Getränk
18. Juni 2026 | 16-20 Uhr | Langer Donnerstag
21. Juni 2026 | 14.30 Uhr | Öffentliche Führung
27. Juni 2026 | 10.30-12.30 Uhr | Werkkantine „Druckwerkstatt“ für Kinder (6–12 Jahre)
2. Juli 2026 | 9.30-11 Uhr | Wo Löwe, Wolf und Kuh sich treffen – Prechtls Tierbilder. Frühkindliches Programm mit Anna Ondrejtschak, ab 2,5 Jahre
3. Juli 2026 | 18.30 Uhr | Kunst zum Überleben: Michael Mathias Prechtl und die Kunst am Bau. Vortrag von Stadtheimatpflegerin Beate Wolters M.A.
Als junger – noch unbekannter Künstler – im Nachkriegsdeutschland sich und seine Familie zu ernähren, war nicht einfach. „Kunst am Bau“ war für viele ein Rettungsanker. Auch für MMP. Auf Spurensuche in Nürnberg begegnen wir dem frühen Prechtl in schlichten Sgraffitos, kaleidoskopischen Wandbildern, tierischen Keramiken und großformatigen Fliesenbildern.
8. Juli 2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung
Lounge-Ausstellung zum Schüler-Gestaltungswettbewerb. Wettbewerbsarbeiten der 5. bis 12. Jahrgangsstufen in der Museumslounge. Eintritt frei.
9. Juli 2026 | 12-12.30 Uhr | Kunst-Snack
16. Juli 2026 | 16-20 Uhr | Langer Donnerstag
18. Juli 2026 | 10.30-12.30 Uhr | Werkkantine „Kunst aus der Natur: Naturdruck“ für Kinder (6–12 Jahre)
19. Juli 2026 | 14.30 Uhr | Öffentliche Führung
23. Juli 2026 | 11 Uhr | Öffentliche Führung




