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Kulturprogramm startet mit Maxi Pongratz in Bärnau

Bärnau. Maxi Pongratz war ein perfekter Opener zum Kulturprogramm-Start in Bärnau – der Gasthof zur Post wird auch in Zukunft für weitere kulturelle Highlights sorgen.

Kulturprogramm startet mit Maxi Pongratz in Bärnau

Foto: Peter Gattaut

Am Samstag erfolgte der Kulturprogramm-Auftakt in Bärnau. Der mit rund 80 Besuchern gefüllte historische Saal im Gasthof zur Post war eine perfekte Location für den frisch gebackenen Gewinner des Passauer Scharfrichterbeils, Maxi Pongratz. Der Songwriter aus Oberammergau sorgte mit seinem bunten Akkordeon und dem Cello-Virtuosen Juri Kannheiser an seiner Seite für einen unterhaltsamen Abend und war somit der perfekte Opener für weitere anstehende kulturelle Highlights in der Knopfstadt.

Maxi Pongratz ist alles andere als ein Selbstdarsteller. Schlicht gekleidet, mit Trainingshose und Cap, richtet er den Fokus klar auf seine ureigene Musik. Er macht keinen Hehl daraus, dass er seit seiner Kindheit an Balbuties (Stottern) leidet. Seine Ansagen sind ein Spagat zwischen besonnen-schüchtern und hintergründig-witzig.

Improvisation, Spontanität und starke Emotionen

Er taucht ab in seine eigene musikalische Welt, die von Tradition, Melancholie, Poesie, Witz, Rebellion, Schüchternheit und Selbstzweifel geprägt ist. Der von den Passionsspielen gezeichnete Künstler („An kloana Schlog hod ma scho wenn von diesem Ort kommt“) kramt tief in den Schubladen der Vergangenheit und Ängste, nutzt das Sprachrohr der vielfarbigen Klänge und ist ein Meister der Improvisation und Spontanität.

Ohne Playlist und Noten präsentieren Maxi und Juri ihre teilweise eigenwilligen Kompositionen im Einklang und in Perfektion. Die Besucher ließen sich von Anfang an auf diese etwas andere musikalische Reise ein, und erst nach einigen Zugaben durfte das Duo die Kleinkunstbühne wieder verlassen.

Irish-Folk-Abend rund um den St. Patrick’s Day

Schon nächsten Freitag startet das Kulturprogramm Bärnau in die zweite Runde, wenn mit „Bangers & Mash“ ein Irish-Folk-Abend (Beginn 19 Uhr) rund um den St. Patrick’s Day zelebriert wird. Karten für nur zehn Euro sind unter anderem online bei okticket erhältlich.

Werdegang von Maxi Pongratz

Maxi Pongratz pendelt derzeit als Akkordeonspieler, Texter und Liederschreiber nicht nur zwischen seinen zwei heimatlichen Hochkomfortzonen München und Oberammergau, er ist zurzeit mit seinem aktuellen Programm auch in Berlin, Dresden oder Fulda unterwegs. Auf Wunsch der Eltern zum Gärtner ausgebildet – immerhin war der Vater ja Trachtenvereinsvorstand – tauscht Maxi Pongratz schon als Teenager die Harke gegen das Akkordeon und zieht mit Letzterem erst von Wirtshaus zu Wirtshaus und dann, gemeinsam mit den Brüdern Martin von Mücke und Michael von Mücke sowie dem Gleichgesinnten Matthias Meichelböck, von Bühne zu Bühne.

In ihrem Heimatort Oberammergau sorgt ihre Version der traditionellen Blasmusik bald schon für einen „Aufschroa“, denn was mit der „Stubenmusi“ begann und wogegen in „Rock-Cover-Bands“ rebelliert wurde, fand in der Gruppierung von 2007 „Kofelgschroa“ (stammend vom Hausberg Kofel) endlich sein eigenes Gewand. Das ureigene Akkordeonspiel von Maxi Pongratz, seine Kompositionen und nicht zuletzt seine teilweise provokanten, mit hintergründigem Humor ausgestatteten Texte prägten Sound- und Erscheinungsbild der Band dabei von Anfang an.

Alben und Solo-Karriere

Seit 2019 macht „Kofelgschroa“ Pause und Maxi Pongratz ist solo unterwegs. Die Alben „Maxi Pongratz“ (2019), „Meine Ängste“ (2022), „I mecht an Landler hean“ (2023) und „rum & num“ (2026) sind ein Auszug fabelhafter Klangmusik, teilweise ein wenig schwermütig, aber auch fantastisch schwerelos wie aus einem anderen Kosmos.

Interview mit Maxi Pongratz

Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut
Foto: Peter Gattaut

OberpfalzECHO: Lieber Maxi, Du hast die Musik im Blut, spielst Akkordeon wie kein anderer und schreibst wunderbare Texte. Du machst aber auch keinen Hehl daraus, dass Du an „Balbuties“ (Stottern) leidest. Wie sehr belastet Dich diese Beeinträchtigung, die, wie ich glaube, völlig unterschiedlich von den Leuten bewertet wird, oder?

Grammer Solar
Grammer Solar

Maxi Pongratz: Als Kind hat es mich belastet, heute stehe ich da meistens drüber und hab mir Tricks angewöhnt, um das Stottern zu umgehen. Zum Beispiel, indem ich die Sätze umstelle. Vielleicht hat das Stottern mich sogar zur Musik gebracht, weil man beim Singen und Akkordeonspielen nicht stottert.

Deine Musik bezeichnest Du selber als sehr außergewöhnlich und darum ist es ja auch nicht so einfach, jemanden zu benennen, mit dem Du zukünftig gerne einmal gemeinsam auf der Bühne stehen würdest. Für wen könntest Du Dich mal für ein Lied verbiegen? Gibt es da vielleicht doch einen geheimen Favoriten?

Maxi Pongratz: Ich bin ein Fan von Tom Waits, der in den USA lebt, und Serge Gainsbourg, der leider nicht mehr unter uns weilt. Auch Rio Reiser kommt für ein gemeinsames Konzert leider nicht mehr infrage. Herbert Grönemeyer würde noch leben, aber ich glaub nicht, dass sich das ausgeht.

Maxi, Du bist aus Oberammergau und spielst heute in Bärnau in der Oberpfalz für eine Hutspende. Magst Du die Oberpfalz so sehr oder woher kommt denn diese soziale Ader?

Maxi Pongratz: Ich hab solche und solche Auftritte. Meistens gibt es normalerweise einen Ticketverkauf, aber Hutspenden sind bei manchen Auftritten gängig geworden. Das Publikum versteht es inzwischen auch nicht nur als Trinkgeld für den Künstler, sondern zahlt eigentlich genauso viel – nur freiwillig.

Welchen Ratschlag oder Lebenshinweis willst Du Deinen Fans und unseren Zeitungslesern mit auf den Weg geben?

Maxi Pongratz: Ich verteile ungern Ratschläge und möchte daher auch nicht meinen Senf dazugeben.