Maibaumklau in Eslarn endet mit Brotzeit und Bier

Maibaumklau in Eslarn endet mit Brotzeit und Bier
Das Aufstellen eines Maibaums gehört zu den schönsten Traditionen in Bayern – seine „Entführung“ allerdings offenbar auch. Der Brauch des Maibaumdiebstahls, der mutmaßlich ebenso wie das Aufstellen selbst auf vorchristliche Frühlingsrituale und ein altes Brauchtum zurückgeht, hat nun auch in Eslarn für Aufregung gesorgt. Denn eines ist klar: Beim Maibaumklau geht es nicht ums Materielle. Ein gestohlener Baum ist weder verkäuflich noch praktisch nutzbar. Stattdessen fordern die „Brauchtumsdiebe“ traditionell eine zünftige Brotzeit und ausreichend Flüssiges als Auslöse – ganz im Sinne der bayerischen Gemütlichkeit.
Nächtliche Maibaum-Aktion in Eslarn
Eine Eliteauswahl der ehemaligen Festburschen vom letztjährigen Heimatfest nutzte ihre Chance in der „Nacht der Nächte“. Hinweise auf den ungeschützten und bereits geschälten Maibaum am Lehrbienenstand des Imkervereins kamen angeblich aus der Bevölkerung und den sozialen Medien. Bereits Stunden vor ihrer perfekt geplanten „Nacht-und-Nebel-Aktion“ hatten die auserwählten Festburschen vor Ort die Lage sondiert. Ihr Vorteil: Der rund 17 Meter lange, frisch geschälte Maibaum am Vereinsheim des Imkervereins lag unbewacht und offen am Lehrbienenstand. „Die letzten zehn Jahre hatten wir keine Probleme und konnten am 1. Mai stets nach alter Sitte unseren Maibaum aufstellen“, so Imkervorsitzender Johann Seibert.
Kurzfristig konnte Uli Schmucker für die Maibaum-Aktion zwölf ehemalige Festburschen engagieren. Die Kurzentschlossenen rückten gemeinsam mit dem zweiten Festleiter Daniel Biermeier an und starteten eine regelrechte Geheimoperation. Mit vereinten Kräften wurde der Baum über mehrere Kilometer hinweg Richtung Ortskern transportiert. Da der Anhänger nicht die gesamte Last aufnehmen konnte, musste der Baum inklusive der erforderlichen Pausen über eine Stunde mit Muskelkraft nach Eslarn geschleppt werden. Kurz vor dem Ziel kam unerwartete Unterstützung: Einige nächtliche Heimkehrer aus der Zoiglstube packten spontan mit an. Darunter ein Mitglied des Imkervereins, das hilfsbereit und unwissentlich auf den letzten Metern dabei half, den Baum in den sicheren Innenhof der Gaststätte „Böhmerwald“ zu bringen. Erst als Zweifel aufkamen, war es bereits zu spät – der Baum hatte das „Tatgebiet“ längst verlassen und war sicher verstaut.
Versteck im Hinterhof – und ein fairer Deal
Den geschützten Lagerort stellte Wirtin und Markträtin Laura Roth vom Gasthof zur Verfügung. Am nächsten Morgen folgte schelmisch der unvermeidliche Anruf: „Weißt du, wo euer Maibaum ist?“ Auch an den Stammtischen in den Gaststätten stand das Thema bereits zur Diskussion. Nachdem Imkervorsitzender Johann Seibert vor Ort keinen Baum mehr vorfand, nahm er nach dem Hinweis durch die Brauchtumsdiebe den Vorfall mit Humor. Nach kurzer Verhandlung mit den Festburschen stand fest: Zwei Kisten Bier und eine ordentliche Brotzeit sollten als Auslöse genügen. „Angesichts der rund 40 möglichen Festburschen sei man mit der Auswahl von ‚nur‘ zwölf noch gut davongekommen“, so Seibert. „Der Baum muss am 1. Mai zum Aufstellen wieder vor Ort sein“, war die Forderung des Imkerchefs.
Tradition mit Augenzwinkern
Wichtig ist beim Maibaumdiebstahl die Einhaltung gewisser Regeln: Der Baum darf nur vor dem 1. Mai und nur dann gestohlen werden, wenn er unbewacht am Boden liegt. Genau diese Voraussetzungen waren in Eslarn – sehr zum Leidwesen der Imker – erfüllt. Nach über zehn Jahren ohne Zwischenfall wurde der Imkerverein nun erstmals Opfer eines solchen „Brauchtumsdiebstahls“. Doch die Stimmung bleibt gelassen: „Das gehört halt dazu“, heißt es aus Vereinskreisen.
Maibaum-Aufstellung gesichert
Die gute Nachricht: Der Maibaum wird pünktlich zum 1. Mai wieder an seinem Platz stehen. Die Festburschen hätten sogar gerne beim Aufstellen geholfen – waren jedoch bereits im Rahmen des Maibaumaufstellens der Marktgemeinde am Tillyplatz anderweitig im Einsatz. So bleibt am Ende vor allem eines: eine gelungene Aktion, die zeigt, dass Tradition in Bayern nicht nur gepflegt, sondern auch mit einer gehörigen Portion Humor gelebt wird.






